Als erstes fällt auf: Platz, viel Platz. Wer auf Höhe des Schladitzer Sees von der A14 in Richtung Porsche Leipzig abfährt, befindet sich mitten im Grünen. Wiesen, Weiden, Wäldchen – der Kontrast zur geschäftigen Enge am Zuffenhausener Stammwerk könnte nicht größer sein. Seit eineinhalb Jahrzehnten ist Porsche in Leipzig. Und der viele Platz ist eine Grundlage für den Erfolg des Standorts: Platz für ein weiteres Vollwerk, in dem künftig die zweite Generation des Panamera komplett gefertigt wird; Platz für ein großzügiges Kundenzentrum mit Museum, Restaurant und Tagungsräumen; Platz für die Werksabholung der besonderen Art, bei der Kunden ihren Porsche auf der 3,7 Kilometer langen Rennstrecke mit elf berühmten Kurven oder dem sechs Kilometer langen Geländeparcours über 15 spektakuläre Hindernisse auf Herz und Nieren testen können; Platz für Ingenieurskunst und Handwerkskunst, Platz für Ideen und Innovationen. Kurzum: Platz für Emotionen.

Die Porsche Leipzig GmbH ist eine Erfolgsgeschichte. Mit 65.941 Cayenne, 24.864 Panamera und 44.636 Macan sind die Leipziger Produkte im Hause Porsche für rund 70 Prozent aller Auslieferungen des Jahres 2014 verantwortlich. Platz allein erklärt natürlich noch keinen solchen Erfolg – es ist auch die perfekte Umsetzung der Porsche-Philosophie am Standort. Die Mischung aus Präzision und Leidenschaft, aus Technik und Unterhaltung, aus einem der modernsten Automobilwerke der Welt und einem Entertainmentprogramm der Weltklasse. Bei Porsche Leipzig werden zweierlei Arten von Emotionen produziert: solche zum Einsteigen und Anfassen, und solche zum erinnern und erzählen.

Ein Vollwerk für den Macan

Am Beispiel des Macan lässt sich diese Geschichte gut erzählen. Im März 2011 gab Porsche das Go für die fünfte Baureihe. Noch im selben Jahr begann speziell für den kompakten SUV die dritte Werkserweiterung in Leipzig: eine neue Fabrik für ein neues Auto mit einer komplett neuen Mannschaft. Vergleichbares hat es nie gegeben.  Mit einem Investitionsvolumen von gut 500 Millionen Euro wurde der Standort Leipzig 2012 zum Vollwerk für den Macan ausgebaut – eine der weltweit modernsten Produktionsanlagen vereint heute Karosseriebau, Lackiererei und Montage auf einem Areal.

Die Karosserie des kompakten SUV wird in Leipzig auf einer Fläche von über 34 500 Quadratmetern von mehr als 380 Robotern gefertigt. In der Halle nebenan wird dem Offroader anschließend auf rund 60.000 Quadratmetern seine farbig glänzende Außenhaut verpasst. Im letzten Schritt, der Montage, kommt zusammen, was zusammen gehört: Türen und Scheiben, Unterboden und Tank, Karosserie und die aus Zuffenhausen gelieferten Motoren, die auf der Produktionslinie nebenan zuvor schon mit Getriebe, Antriebswellen, Achsen und der Abgasanlage komplettiert wurden.

Porsche Macan avanciert weltweit zum Publikumsliebling

Dank den Porsche-typischen Ansprüchen an Qualität, Stil und Performance avancierte der Macan innerhalb von nur einem Jahr weltweit zum Publikumsliebling. Bereits direkt nach der Markteinführung im April 2014 verbuchte der Macan Erfolge im Handel; bis Jahresende waren rund 45.000 Stück verkauft. Im neuen Jahr fährt das Werk von Anfang an Volllast. So sollen bis Ende 2015 gut 60.000 Einheiten produziert und verkauft sein.

Der Erfolg der Leipziger Macan-Produktion wirkt sich auch auf seinen eleganten Vetter aus: 2016 wird der erste komplett in Leipzig gefertigte Panamera vom Band rollen.  „Mit der sportlichen Limousine wird nun eine zweite Baureihe den kompletten Fertigungsprozess im Leipziger Werk durchlaufen“, erklärt Siegfried Bülow, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Porsche Leipzig GmbH. Bisher kamen die fertig lackierten Karosserien der Limousine aus dem Volkswagen Werk Hannover. Im Februar 2015 beginnt auch für den Panamera der Ausbau in Leipzig: Für die Fertigung und Lackierung der Karosserie wird die Produktions- und Logistikfläche in Sachsen um gut 70 000 Quadratmeter erweitert; erneut investiert das Unternehmen rund 500 Millionen Euro in den Standort.

Porsche als Wirtschaftsmotor

Mit einem Beschäftigungszuwachs für Leipzig von 2,5 Prozent ist die Prognose für 2015 sehr positiv – nirgendwo in Deutschland ist nach einer Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Steigerungsrate so hoch. Seit Eröffnung des Standorts trägt Porsche stetig zu diesem außergewöhnlichen Wirtschaftswachstum bei: Im Februar 2000 wurde der erste Mitarbeiter bei Porsche Leipzig eingestellt, 2008 war es schon der 500. Heute sind es rund 3000 der Beschäftigte in der Region, die auf das Konto des Sportwagenbauers gehen. Tendenz mit der Komplettfertigung des Panamera: steigend.

„In Leipzig stehen die Zeichen auch weiterhin auf Wachstum“, sagt Siegfried Bülow. Durch den Ausbau der Panamera-Produktion entstehen Hunderte neuer Arbeitsplätze. Porsche sucht allein 250 Ingenieure für die Bereiche Karosseriebau, Qualität, Logistik und Planung. 100 davon sind bereits an Bord. Zusätzlich beginnt nun die Rekrutierung von mehr als 100 Fertigungsmitarbeitern.

Bauarbeiten im Werk Leipzig

Einen Wermutstropfen allerdings gibt es für die Sachsen: Der Cayenne kehrt Leipzig den Rücken. Von 2016 an wird der Geländewagen im slowakischen Bratislava gebaut. Langjährige Mitarbeiter werden ihn vermissen – hatte die Leipziger Erfolgsgeschichte doch Ende der 1990er Jahre mit dem Cayenne begonnen. Als damals klar war, dass sich die Porsche-Familie durch den sportlichen SUV vergrößern würde, brauchte sie mehr Platz. Platz, den Zuffenhausen nicht bieten konnte. Ein moderner Wirtschaftsstandort war als idealer Zweitwohnsitz gefragt, mit bester Verkehrsanbindung und – im Sinne einer nachhaltigen Entscheidung – eben reichlich Platz für spätere Erweiterungsmöglichkeiten.

17 Kandidaten, ein Gewinner

Insgesamt 17 Standorte in ganz Deutschland wurden unter die Lupe genommen und auf diese Faktoren abgeklopft. Leipzig hatte beste Voraussetzungen. Nicht nur für Wirtschaft und Handel, sondern auch in den Bereichen Bildung, Verwaltung und Kultur ist die größte Stadt Sachsens ein wichtiger Knotenpunkt. Die Universität Leipzig beispielsweise, zweitälteste durchgehend bestehende Deutschlands, beherbergte über die Jahrhunderte einige der größten Dichter und Denker des Landes.

Goethe, Lessing, Nietzsche, Heisenberg oder Hertz können nicht irren: Leipzig ist der ideale Ort für große Ideen und bahnbrechende Innovationen. Vor allem aber sind es die Menschen in Leipzig und die Qualität der Facharbeiter, die überzeugen: „Die Menschen im Osten sind geborene Ingenieure“, schwärmt der Automanager Carl H. Hahn, der zur Zeit des Mauerfalls den Volkswagen Konzern leitete. „Es ist ihre DNA.“

Die Entscheidung fiel daher leicht. Im September 1999 stand fest: Der Cayenne, das damals jüngste Mitglied der Familie Porsche, sollte in der sächsischen Metropole montiert werden. Wie es sich für einen Sportwagenbauer gehört, legte die Entwicklung des neuen Standorts daraufhin ein rasantes Tempo vor: Spatenstich im Februar 2000, Fertigstellung der Produktionshalle, Baustart für Kundenzentrum und werkseigene Prüfstrecke im Frühjahr darauf. Im Dezember 2002 dann ein emotionaler Augenblick: Der erste Cayenne rollt vom Band.

Made in Leipzig: Qualität und Exklusivität

Er sollte nicht alleine bleiben, der erste Cayenne. Schon eineinhalb Jahre nach Produktionsstart waren 50.000 Stück vom Band gelaufen. Zudem hielt ein weiterer Hochkaräter Einzug im Osten: der Supersportwagen Carrera GT. Ab 2003 wurde eine auf 1270 Stück limitierte Auflage des extravaganten Sprinters in der Leipziger Manufaktur handgefertigt. Der endgültige Ritterschlag für den neuen Standort. 2006 dann die Entscheidung, den Panamera ebenfalls in Leipzig zu produzieren. Im Zuge der zweiten Werkserweiterung entstanden für den Gran Turismo eine rund 25.000 Quadratmeter große Fertigungshalle und ein 23.500 Quadratmeter großes Logistikzentrum.

Mit Präzision, Fleiß und Ehrgeiz haben sich die Leipziger innerhalb eines Jahrzehnts als unverzichtbares zweites Standbein des Zuffenhausener Sportwagenbauers etabliert. Die Porsche Leipzig GmbH wurde zu weit mehr als einem weiteren Werk. Sie hat sich als eigenständiges Zentrum für Sportwagenkultur bewiesen. In Leipzig wird der Begriff Sportwagen neu definiert: durch Kraft und Komfort. Es ist kein Zufall, dass dies gerade dort geschieht, wo es den nötigen Platz gibt. Platz für neue Ideen und neue Wege – in jeder Hinsicht.

Verbrauchsangaben

Cayenne: Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 11,2 bis 9,9 l/100 km; CO2-Emission: 263 bis 236 g/km

Cayenne S E-Hybrid: Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 3,4 l/100 km; CO2-Emissionen: 79 g/km; Stromverbrauch 20,8 kWh/100 km

Panamera: Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 8,4 l/100 km; CO2-Emissionen: 196 g/km

 Panamera S E-Hybrid: Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 3,1 l/100 km; CO2-Emission: 71 g/km; Stromverbrauch: 16,2 kWh/100 km 

Macan: Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 9,2–6,1 l/100 km; CO2-Emissionen 216–159 g/km

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