15.10.2017

Regen, Nebel, Abbruch: Porsche 919 Hybrid auf den Plätzen drei und vier

Das Porsche LMP Team musste sich beim siebten von neun Läufen zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft mit den Plätzen drei und vier begnügen. Das GT Team hat mit seinen Porsche 911 RSR unter schwierigsten Witterungsbedingungen ein doppeltes Podium geholt.

LMP1-Rennen

Das Sechsstundenrennen auf dem Fuji International Speedway war geprägt von Dauerregen und Nebel bei nur 14 Grad Luft- und 16 Grad Asphalttemperatur. Unterbrechungen und Neutralisationsphasen beeinflussten den Rennverlauf. Neel Jani (CH), André Lotterer (DE) und Nick Tandy (GB) belegten Platz drei. Die diesjährigen Le-Mans-Sieger und Tabellenführer Earl Bamber (NZ), Timo Bernhard (DE) und Brendon Hartley (NZ) waren von der Poleposition gestartet und wurden Vierte. Bamber konnte immerhin mit der schnellsten Rennrunde glänzen (1.37,702 Minuten in Runde 19 von letztlich 115). Der zweite Rennabbruch erfolgte nach vier Stunden und 31 Minuten, danach kam es zu keinem Neustart mehr. Damit waren knapp über 75 Prozent der Renndauer abgelaufen und die Bedingung für die volle Punktevergabe gegeben.

Porsche liegt in der Hersteller-WM mit nun 270 Punkten weiter an der Spitze, nach dem Doppelsieg beim Heimrennen folgt Toyota mit 211,5 Zählern. In der Fahrer-WM haben Bamber/Bernhard/Hartley jetzt 172 Punkte und damit noch 39 Punkte Vorsprung auf die besten Toyota-Fahrer. Jani/Lotterer/Tandy liegen mit 98 Punkten weiterhin auf Tabellenrang vier. Beim achten WM-Lauf am 5. November in Shanghai (CN) will Porsche den Matchball zur Titelverteidigung verwandeln.

So lief das Rennen für die Startnummer 1:

André Lotterer startet von Platz zwei. Das Safety-Car führt das Feld an, Ende Runde 5 wird das Rennen trotz Regen freigegeben. Der Deutsche fällt in Runde sechs hinter beide Toyota auf Position vier zurück. Nach einer Berührung mit dem Nummer-8-Toyota von Sébastian Buemi fehlt vorne rechts am Porsche ein Flap. Nach einer halben Stunde verdichtet sich der Nebel. Dennoch holt Lotterer auf. Ende der 22. Runde überholt er den Nummer-7-Toyota von Kamui Kobayashi und ist Dritter. Zur 29. Runde übernimmt das Safety-Car erneut die Führung. Nach 33 Umläufen holt das Team Lotterer an die Box. Neel Jani übernimmt, die Fronthaube wird getauscht, erneut kommen Regenreifen zum Einsatz. Ende der 39. Runde wird das Rennen mit der roten Flagge unterbrochen. Der Schweizer ist zu diesem Zeitpunkt Vierter. Er fährt weiter, als das Rennen um 12:50 Uhr wieder gestartet wird und ist Dritter hinter den beiden Toyota.

Nach 60 Umläufen – das Safety-Car ist erneut auf der Strecke – übernimmt Nick Tandy, es werden keine Reifen gewechselt. Zur 77. Runde, als der Nummer-8-Toyota zur Box fährt, übernimmt der Brite die Führung. Er steht unter Druck von José María López im Nummer-7-Auto. Nach 79 Umläufen geht das Safety-Car erneut auf die Strecke. Beim Restart nach 87 Runden hält Tandy die Führung. Ein LMP2-Unfall ruft das Safety-Car allerdings sofort wieder auf den Plan. Bei der nächsten Rennfreigabe nach Runde 94 kann sich Tandy nicht gegen die beiden Toyota wehren und fällt auf Platz drei zurück. Nach dem nächsten Boxenstopp am Ende der 100. Runde übernimmt Jani mit frischen Reifen, die Reihenfolge bleibt unverändert. Als er Mike Conway im Nummer-7-Toyota angreifen will, rückt zur 111. Runde im wieder dichter werdenden Nebel ein weiteres Mal das Safety-Car aus. Nach der 114. Runde wird das Rennen endgültig abgebrochen.

So lief das Rennen für die Startnummer 2:

Earl Bamber fährt seinen ersten WEC-Start im 919 Hybrid. Als das Safety-Car zur sechsten Runde ausschert, verteidigt er die Führung. Zu Beginn der zweiten Safety-Car-Phase, die Ende der 28. Runde wegen Nebels beginnt, beträgt sein Vorsprung auf den Nummer-8-Toyota zwölf Sekunden. Als das Rennen nach 39 Umläufen mit der roten Flagge unterbrochen wird, hat er als einziger der vier LMP1 noch nicht getankt.

Um 12:50 Uhr geht das Rennen hinter dem Safety-Car weiter. Der Neuseeländer biegt gleich zum Tankstopp ab und Timo Bernhard übernimmt nach 40 Runden mit frischen Regenreifen. Er ist nun Vierter hinter den beiden Toyota und Neel Jani. In der 56. Runde überrundet ihn der Nummer-8-Toyota. Sekunden später wird die nächste Safety-Car-Phase ausgerufen. Nach 63 Umläufen übergibt Bernhard an Brendon Hartley, der mit frischen Regenreifen hinter dem Safety-Car als Vierter in der LMP1-Klasse weiterfährt. Ende der 65. Runde gibt das Safety-Car das Rennen wieder frei. Nach 79 Umläufen geht es erneut auf die Strecke, ebenso wie nach 88 und 111 Runden. Bis zum Abbruch nach 114 Umläufen hat Hartley keine Chance mehr, sich zurückzurunden. Bei Rennende steht er zum Nachtanken an der Box.

Das Porsche LMP Team nach dem Rennen

Fritz Enzinger, Leiter LMP1: „Heftiger Regen und zeitweise dichter Nebel, Start hinter dem Safety Car, zwei Rennabbrüche, viele Safety-Car- und Gelbphasen – wir können froh sein, dass unter diesen widrigen Umständen heute nichts Schlimmes passiert ist. Letztendlich gab es einen glücklichen Doppelsieg für Toyota, aber wir waren in Schlagdistanz und werden alles daran setzen, in Shanghai einer erfolgreichen Titelverteidigung näher zu kommen.“

Andreas Seidl, Teamchef: „Glückwunsch an Toyota zum Sieg hier in Fuji. Das Pendel schlug heute mehrmals in die eine oder andere Richtung aus. Vor der ersten Rennunterbrechung haben wir gepokert – wäre sie endgültig gewesen, hätte unser Porsche mit der Startnummer 2 gewonnen. Beim Timing der zweiten roten Flagge hatten wir Pech. Wäre das Rennen danach weitergelaufen, hätten wir mit unserer Startnummer 1 gegen den Nummer-7-Toyota um den Sieg gekämpft. Generell haben wir uns hier schwer getan, die Reifen bei den Restarts in das Arbeitsfenster zu bringen, in dem sie richtig arbeiten. Dadurch gerieten wir immer wieder in Rückstand. Wichtig ist, dass wir Punkte für die beiden WM-Wertungen einsammeln konnten. Es war ein sehr, sehr schwieriges Rennwochenende für die Fahrer und unser Team bei diesen Bedingungen. Aber es hat sich keiner aus dem Konzept bringen lassen. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken.“

Stimmen der Fahrer finden Sie in der Pressemitteilung (Downloads).

GT-Rennen

Bei Regen und Nebel sicherten sich Richard Lietz (Österreich) und Frédéric Makowiecki (Frankreich) am Sonntag auf der 4,563 Kilometer langen Traditionsrennstrecke am Fuße des Mount Fuji nach langer Führung den zweiten Platz in der am stärksten besetzten Klasse GTE-Pro. Damit verbesserten sie ihre Titelchancen in der GT-Fahrer-Weltmeisterschaft, wo sie vor den letzten Saisonrennen in Shanghai und Bahrain mit nur noch fünf Punkten Rückstand auf die Spitzenreiter weiter auf dem zweiten Platz liegen. Ihre Teamkollegen Michael Christensen (Dänemark) und Kévin Estre (Frankreich), die durch eine unverschuldete Kollision um den möglichen ersten Sieg für den neuen 911 RSR in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC gebracht wurden, kamen als Dritte ins Ziel.

Der 911 RSR

Es regnete in Strömen auf dem Fuji Speedway und der Heilige Berg versteckte sich hinter dunklen Wolken, als Patrick Dempsey die 26 Starter mit der grünen Flagge ins Rennen schickte. Der Hollywoodstar hatte 2015 mit seinem Porsche 911 RSR in Fuji sein erstes Weltmeisterschaftsrennen gewonnen. Diesmal drückte der Porsche-Markenbotschafter als Teilhaber von Dempsey Proton Racing seinem Team die Daumen. Mit Erfolg: Porsche Young Professional Matteo Cairoli (Italien), Christian Ried (Schönebürg) und Marvin Dienst (Lampertheim), die in dieser Saison bereits zwei Siege am Nürburgring und in Mexiko feiern konnten, sicherten sich als Dritte in der Klasse GTEAm eine weitere Podiumsplatzierung. Damit holten sie sich die Führung in der Gesamtwertung der FIA Endurance Trophy zurück.

Wegen des starken Regens startete das Rennen hinter dem Safety Car. Erst nach fünf Runden hatte das Feld erstmals freie Fahrt. In der Klasse GTE-Pro erwischte Richard Lietz von der Pole-Position den besten Start, aber auch Michael Christensen kam im zweiten 911 RSR gut weg: Nach sieben Runden hatte er bereits zwei Plätze gut gemacht und war Dritter. Als sich die Witterungsbedingungen weiter verschlechterten, ging nach etwas über einer Stunde erneut das Safety Car auf die Strecke, bevor das Rennen wegen der schlechten Sicht mit der roten Flagge unterbrochen wurde. Die Fahrer parkten ihre Autos auf der Start-Ziel-Geraden. Der Neustart erfolgte nach 32 Minuten, und nach gut zwei Stunden, als Spitzenreiter Richard Lietz seinen ersten Boxenstopp einlegte, eroberte Michael Christensen die Spitze.

Die Rennstrategie spielte eine entscheidende Rolle

Nach 2:20 Stunden entschied die Rennleitung wegen der schlechten Sichtverhältnisse, das Safety Car erneut auf den regennassen Fuji Speedway zu schicken. Beide 911 RSR fuhren an die Box, tankten aber nur kurz, um möglichst schnell wieder zurück auf die Strecke zu kommen. Schon da war klar, dass die Rennstrategie an diesem Tag eine entscheidende Rolle spielen würde. Diesmal blieb das Safety Car 26 Minuten draußen. Nach der Hälfte der Distanz war Michael Christensen Vierter, Richard Lietz Fünfter. Der Däne hatte sich gerade wieder auf den dritten Platz vorgekämpft, als er in seinem Tatendrang erneut durch das Safety Car eingebremst wurde. Die Strategen des Porsche GT Teams holten beide 911 RSR zum Fahrerwechsel an die Box. Bei der Startnummer 92 löste Kévin Estre Michael Christensen ab, im zweiten 911 RSR (Nummer 91) stieg Richard Lietz aus und Frédéric Makowiecki ein. Kurz nachdem die Rennleitung die Regenschlacht wieder freigegeben hatte, setzte sich Kévin Estre an die Spitze, Frédéric Makowiecki war Dritter.

Die vierte Safety-Car-Phase dieses unberechenbarsten Rennens der Saison war die erste, die durch einen Unfall ausgelöst wurde. Entsprechend schnell ging es weiter, zumal auch der Regen etwas nachließ. Dafür zog Nebel auf. Der war jedoch keine Entschuldigung für den Rammstoß eines bereits überrundeten Ford-Piloten, der dem führenden Kévin Estre nahezu ungebremst ins Heck fuhr und in einen Dreher zwang. Entsprechend beschädigt war der 911 RSR des Franzosen: Die Aerodynamik an der Front sowie der Diffusor am Heck waren durch die Kollision beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Das hatte zur Folge, dass er nicht nur auf den dritten Platz zurückfiel, sondern fortan auch noch rund eine Sekunde pro Runde auf die Spitze verlor. Dass die Führung an seinen Teamkollegen und Landsmann Frédéric Makowiecki fiel, war da nur ein schwacher Trost. Zumal der später bei einem engen Überholmanöver eines Ferrari zurückstecken musste und die Führung verlor. Von da an fuhren er auf dem zweiten und Kévin Estre auf dem dritten Platz.

Neben: Rennen wurde abgebrochen

Als der Nebel am Fuji Speedway immer dichter wurde und die Piloten zunehmend die schlechte Sicht beklagten, löste die Rennleitung nach 4:19 Stunden eine erneute Safety-Car-Phase aus. 13 Minuten später wurde dem Feld mit der roten Flagge eine weitere Zwangspause verordnet. Es war die letzte dieses ereignisreichen siebten Saisonrennensder Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC: Da keine Besserung in Sicht war, wurde das Rennen nicht mehr neu gestartet.

Stimmen zum Rennen

Alex Stehlig, Projektmanager WEC: „Das waren heute sehr schwierige Bedingungen. Die vielen Safety-Car-Phasen und roten Flaggen machten es den Ingenieuren sehr schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch das Team hat hervorragend gearbeitet, hat jede dieser Unterbrechungen richtig interpretiert. Es war bitter, dass unsere führende Nummer 92 durch einen bereits überrundeten Konkurrenten um den möglichen Sieg gebracht wurde. Die Nummer 91 fuhr ein solides Rennen, hatte aber direkt nach dem Re-Start kurzzeitig nicht die Pace, um vor dem Ferrari bleiben zu können. Die Plätze zwei und drei sind trotz allem ein gutes Ergebnis. Wir waren das ganze Wochenende über unter den Schnellsten. Schade, dass es nicht zum ersten Sieg in der Weltmeisterschaft gereicht hat.“

Stimmen der Fahrer finden Sie in der Pressemitteilung (Downloads).

Alle Ergebnisse

Alle Punktestände: http://www.fiawec.com/en/season/result
Alle Ergebnisse: http://fiawec.alkamelsystems.com

Info

Der achte Lauf der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC wird am 5. November in Shanghai/China ausgetragen.

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