Tarantino-Style

Stefan Bogner spricht im Interview über seine Leidenschaft für spektakulär fotografierte Kurven – und was Sofia Coppola sowie Quentin Tarantino damit zu tun haben.

Wie sind Sie darauf gekommen, schöne Kurven zu fotografieren und daraus ein eigenes Magazin zu machen?

Eigentlich ganz einfach: Mit meiner Designagentur habe ich früher Reiseführer gestaltet. Außerdem bin ich Autofan. Und das klingt für manche Leute vielleicht etwas merkwürdig, aber um mich zu erholen, fahre ich schon seit 15 Jahren gern mit Freunden Auto in den Bergen: eine Route wählen, losfahren, gut essen, etwas wandern – und dabei Spaß haben.

Und auf einer der Reisen hatten Sie die Idee für Ihr Magazin?

Genau. Ich hielt an einem Pass in Südtirol und dachte mir: Warum gibt es zu diesem Thema eigentlich keine anständige Literatur? Und ich habe mich gefragt: Wie würde es wohl ausschauen, wenn Sofia Coppola und Quentin Tarantino zusammen einen Roadtrip unternehmen würden? Wie sähe das im Film aus, wie wäre die Stimmung in so einer Szenerie? Die Antwort war für mich eindeutig: die große Leere! Denn einerseits will man ja die Straße am liebsten für sich allein. Andererseits gehört sie wieder allen: Autofahrern ebenso wie den Motorradfahrern oder Radlern.

Stefan Bogner, 2017, Porsche AG
Stefan Bogner hat eine Leidenschaft für spektakuläre Kurven

Und dann lassen Sie die ganzen Straßen für Ihre Fotos sperren?

Auf keinen Fall! Mir war wichtig, dass ich meine Idee zu 100 Prozent umsetze. Darum habe ich anfangs eigenes Geld in die Hand genommen, statt einen Verlag zu suchen. Auch das Fotografieren habe ich mir selbst beigebracht, weil ich dieses Roadtrip-Gefühl erhalten wollte. Bei einem Profi mit Stativ und Riesenausrüstung hätte das einfach anders ausgesehen. Ich mache meine Fotos bis heute spontan: Dafür fahre ich antizyklisch, im Frühjahr und Herbst, da ist morgens und am späten Nachmittag eh nie was los.

Wenn Sie eine Route gewählt haben, wie läuft so eine Fototour genau ab?

Wirklich simpel: Meist bin ich mit meinem besten Freund unterwegs, und das nie länger als 14 Tage. Die genaue Strecke legen wir erst in der allerletzten Minute fest. Danach gilt: Fahren, anhalten, aussteigen, vielleicht mal 20 Meter den Berg hochklettern, Foto machen, wieder einsteigen.

Und wie finden Sie nun auf Ihren Touren die schönsten Kurven?

Tja, ganz bestimmt nicht mit dem Navi – das schickt einen ja eher durch den Tunnel als über den Berg. Die meisten Geheimtipps und Empfehlungen bekomme ich inzwischen täglich per Mail von Freunden und Lesern. Sie raten mir zu Strecken in den Abruzzen oder in Schottland, auf Island oder wo auch immer. Ich habe keine Angst, dass mir irgendwann der Stoff ausgeht: Die Welt ist ein Roadtrip.

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