11.05.2015

Bangkok GANZ klassisch

Oldtimer in besten Händen: Porsche erweitert weltweit sein Serviceangebot für klassische Modelle. Eine gute Gelegenheit, in Bangkok einen der ersten Porsche Classic Partner zu besuchen. Standesgemäß mit einem 356 Cabriolet.

Der dicke Bildband auf dem Beifahrersitz ist ein ganz besonderes Fahrtenbuch, das Sawasdi Horrungruang durch die Straßen von Thailands Hauptstadt begleitet. Es ist ein Geburtstagsgeschenk seiner Tochter und lis­tet sage und schreibe 145 Oldtimer auf – die alle ihm gehören. „Ja, ich bin ein Sammler“, gesteht der Geschäftsmann lächelnd und steigt in einen seiner Lieblingsklassiker: ein rotes 356 A Cabriolet. Hinter dem Steuer fügt er dann scheinbar beiläufig hinzu: „Besondere Uhren sammle ich übrigens auch.“

Alles eine Stilfrage. Und eine Frage der angemessenen Bewegung, bei Zeitmessern wie bei historischen Automobilen. Bei Horrungruangs Fahrzeugen handelt es sich nicht um Ausstellungsstücke, die in einem klimatisierten Museum herumstehen. Er ist mit ihnen nach wie vor regelmäßig auf den Straßen Bangkoks unterwegs. Früh am Morgen beispielsweise fährt er am liebsten mit einem seiner Cabrios quer durch die Acht-Millionen-Metropole in sein Büro. Heute allerdings macht er gern einen Umweg, der ihn zum Porsche Centre Bangkok führt.

Man nennt ihn Thailands Stahlkönig, doch Horrungruang ist ein Multiunternehmer, der auch in der Landwirtschaft, im Immobilien-, Infrastruktur- und Energiebereich tätig ist. Seine Vielfältigkeit spiegelt sich nicht zuletzt in seinem außergewöhnlichen Fahrzeugpool. Besonders angetan haben es ihm Modelle aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, für ihn ist das „die goldene Zeit“. Der Schreibtisch in seiner Firma besteht aus einem Autokühler aus jener Zeit, sein 356 Cabriolet stammt von 1958.

„Ich habe noch nie einen Neuwagen gekauft“, sagt Horrungruang unterwegs. Kein neues Auto könne ihm dieses besondere Gefühl geben wie die Fahrt in einem Klassiker. Dabei bedürfen Oldtimer einerseits besonderer Pflege und andererseits einer fachkundigen Wartung, zumal unter den bisweilen extremen klimatischen Verhältnissen Südostasiens.

Die Leidenschaft für Porsche-Oldies ist grenzenlos

Das Porsche Centre Bangkok ist dafür die richtige Anlaufstelle: In den vergangenen Jahren hat das Porsche-Zentrum zehn klassische Modelle komplett res­tauriert. Horrungruangs 356 – einer von insgesamt nur drei offiziell nach Thailand importierten – war eines davon. So viel Erfahrung und Fachkenntnis spricht sich herum. Deshalb verwundert es kaum, dass das Porsche-Zentrum in Bangkok als eines der ersten weltweit zum Porsche Classic Partner zertifiziert worden ist. Bis 2018 soll das Gütesiegel rund um den Globus 100 Mal verliehen werden. Denn die Leidenschaft für Porsche-Oldies ist grenzenlos.

Um die Anforderungen für dieses Zertifikat zu erfüllen, musste das Porsche Centre Bangkok unter anderem seine Produktkenntnisse in Sachen historischer Modelle nachweisen. Für Service und Wartung der frühen Jahrgänge bis hin zum 911 der Baureihe 996 und dem Boxster-Typ 986 sind darüber hinaus eine besondere Ausrüstung sowie Spezialwerkzeuge erforderlich.

Das Werkstatt- und Servicepersonal durchlief spezielle Schulungen. „Acht unserer Werkstattmitarbeiter wurden bereits als Zertifizierte Porsche Techniker ausgezeichnet, das ist die höchste Zertifizierung in Gold“, betont der stellvertretende Geschäftsführer Peter Rohwer. Allein drei davon sind erklärte Klassik-Spezialisten. Er selbst arbeitet seit 1963 für Porsche, damals hat er in Stuttgart als Mechaniker angefangen, heute in Bangkok ist er eine Koryphäe, wenn es um die Restaurierung von Motoren geht.

Da die Wartung älterer Fahrzeuge besondere Anforderungen stellt, übernehmen das generell Techniker mit Goldzertifikat. Um beispielsweise die Restaurierungsarbeiten zu optimieren, plant man in Bangkok, langfristig einen Werkstattbereich eigens für Klassiker einzurichten.

Beim Besuch von Horrungruangs 356 stehen zwei kleine Reparaturen auf dem Programm: Der Tacho funktioniert nicht, zudem gibt es ein Problem mit der Verstellung des Fahrersitzes. Routine, aber der Klassiker durchläuft dabei den gleichen siebenstufigen Kundendienstprozess wie die modernen Modelle. Alle Old­timer kommen zunächst auf die Hebebühne. Sehr sorgfältig untersuchen dort Kundendienstmanager das rote Cabriolet, bevor der individuelle Wartungsplan erstellt wird.

Zu den Ausstattungsmerkmalen eines zertifizierten Porsche Classic Partners gehört ein für klassische Modelle reservierter Ausstellungsbereich im Showroom – die Classic Corner. In Bangkok steht dort neben einem 911 Turbo Flachbau aus den frühen Achtzigerjahren ein 911 Carrera RS 3.0, Jahrgang 1974. Der ideale Ort, um mit Classic-Kunden und jenen, die es werden wollen, zu sprechen.

„Denn Anliegen und Anforderungen sind bei jedem unterschiedlich“, weiß Rohwer. Er spricht aus Erfahrung. Einmal sei – ohne Vorankündigung – ein Pritschenwagen mit einem 911 Targa, Baujahr 1972, vorgefahren. Nur: Der Porsche hatte keinen Motor. Der folgte erst einige Tage später auf einem Pick-up, stammte allerdings von einem Modell aus dem Jahr 1970. Der Einbau war zwar technisch kein Problem, aber ein Gewissenskonflikt. Schließlich gelte bei Porsche-Klassikern die Prämisse der Originalteile. „Original sieht am besten aus, hält am längsten und behält seinen Wert“, betont Rohwer.

Das richtige Lenkrad zu finden, hat zwei Jahre gedauert

Da der Originalzustand ein entscheidendes Klassiker-Kriterium darstellt, bietet das Porsche Centre Bangkok Veranstaltungen an, auf denen die historischen Porsche der Kunden eine 33-Punkte-Checklis­te durchlaufen. Als Nachweis der bestandenen Prüfung erhalten originale Fahrzeuge die Classic Card. „Am ersten Event dieser Art haben 80 Kunden teilgenommen, 70 von ihnen sind mit einer Classic Card vom Hof gefahren“, sagt Rohwer begeistert.

Nebenan in der Karosseriewerkstatt steht ein weiterer 356 von Sawasdi Horrungruang aufgebockt und wartet auf seine Räder. Das Modell von 1955 befindet sich in den letzten Zügen der Restaurierung. Allein das richtige Lenkrad zu finden, hat zwei Jahre gedauert. Alles an dem Auto ist original – bis auf eine Ausnahme: Rohwer zeigt auf den Klimakompressor unter der Motorhaube. „Eine Spezialanfertigung für Herrn Horrungruang. Wir mussten eine Lösung finden, damit der laufende Kompressor den Motor im Standgas nicht abwürgt.“

Während also der Fahrer eine Klimaanlage spendiert bekommt, muss das Auto ohne moderne Extras mit der Gluthitze in Bangkok klarkommen. Die Stadt gilt mit ihrer Jahresdurchschnitts­temperatur von 28 Grad Celsius als eine der heißesten weltweit. Erschwerend kommen Staus und manchmal überflutete Straßen hinzu. „Aber ein Porsche ist dafür gebaut, überall auf der Welt zu laufen, auch im Alter“, sagt Peter Rohwer. Das 356 Cabriolet rollt schon wieder hinaus in den Verkehr.

Ingo Frenkel, Leiter Kundenzentrum, über die neue Offensive

Herr Frenkel, welche Idee steckt hinter den Porsche Classic Partnern?

Wir bauen damit die vorhandene Kompetenz für Classic-Fahrzeuge in den weltweiten Porsche-Zentren aus und geben gleichzeitig den 680 000 Besitzern klassischer Porsche eine klare Orientierung, wo sie den besten Service erhalten: beim Porsche Classic Partner. Der Wunsch nach einer Betreuung vor Ort hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Und das Angebot ist weltweit identisch?

Ja, egal ob es um die Versorgung mit rund 52 000 Original­teilen, technische Literatur, die Wartung und Reparatur oder die Restaurierung eines Fahrzeugs geht. Unsere spezifischen Qualifizierungs- und Zertifizierungsmaßnahmen der Werkstatt- und Servicemitarbeiter garantieren weltweit das gleiche Qualitätsniveau.

Wo gibt es bereits Porsche Classic Partner und wo kommen in nächster Zeit weitere hinzu?

Ende 2014 hatten wir bereits sieben Classic Partner zertifiziert, vier in Deutschland und jeweils einen in Frankreich, Ungarn und Thailand. Im Frühjahr kommen zehn weitere hinzu, unter anderem in den USA, Südamerika und Asien. Das Angebot wächst weltweit gleichmäßig. Eine Übersicht aller Partner findet sich auf www.porsche.com/classic

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche-Kundenmagazin Christophorus, Nr. 370

Text und Fotografie: Tony Watts

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