Easy Going: die Glücksdynamik der freien Car Communities

Eine gute Zeit miteinander verbringen. Freunde finden. Porsche fahren und Porsche reden. Erlebnisse in künftige Erinnerungen verwandeln. Darin liegt die Glücksdynamik der freien Car Communities. Einzige Teilnahmebedingung: ein entspannter Mindset.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand die Genese dieser Communities vertonen möchte, dann bitte unbedingt mit dem Tunnel Run einsteigen. So hieß ein kleines Treffen im Jahr 2015. Lyrische Boxermelodien mit perkussiven Ausbrüchen in den unterirdischen Verkehrsadern des Ruhrpotts. Tom Gädtke hatte einfach Lust auf so ein Klangerlebnis und hat gefragt, wer sonst noch. Immerhin 18 Porsche-Enthusiasten trafen sich damals auf einem Parkplatz nahe Gädtkes Heimat Recklinghausen. Wer auf Anhieb versteht, wie viel Spaß dieses leicht rebellische Orchester gehabt haben muss, hat schon eine Idee vom Spirit der freien Communities.

„Ohne die sozialen Medien wäre Onassis nicht so schnell gewachsen“, sagt Tom Gädtke.

Er meint natürlich nicht den griechischen Reeder, sondern die von ihm gegründete Porsche-Community. Auf den initialen Tunnel Run folgen Treffen mit Titeln wie Triangle of Madness, Airtimes oder Weltausstellung. Bald sind 500 Fahrzeuge und mehr dabei. Die Reihe mit einem großen Event per annum lässt Gädtke nun nach zehn Jahren ausklingen. Nicht um aufzuhören, sondern um neu anzufangen.

„Ich bin selbst Teil der Community und möchte Abwechslung“, erklärt der 45-Jährige, der als begeisterter Surfer mittlerweile auf Fehmarn lebt. Sein neues Format heißt 5 Nights Out. So viel Zeit gönnt sich Onassis beispielsweise für die Nord-Süd-Durchmessung Deutschlands. Knapp 600 Fahrzeuge und beinahe doppelt so viele Menschen sind dabei. Ohne Stress, ohne Verpflichtung, easygoing.

Jede Community hat ihren eigenen Charakter

Gädtkes intrinsische Porsche-Leidenschaft beginnt mit der jahrelangen Restaurierung eines 356. Das ist lange her. Heute ist ein 911, ein F-Modell von 1973, sein Lieblingsort zum Nachdenken. „Porsche ist für mich wie ein perfekt sitzender Sneaker. Grundsouverän, niemals laut im Auftritt, technisch hoch intelligent. Die Marke besitzt genau die Ausstrahlung, die ich selbst gerne hätte.“

Sein Fahrzeugtechnikstudium bricht er ab, um einen Freund beim Restaurieren luftgekühlter Porsche zu unterstützen. Teile, die nicht aufzutreiben sind, fertigt Gädtke selbst und vermarktet sie unter dem Label Onassis. Während unter diesem Namen auch die Community wächst und Gädtke als Eventmanager erfahrener wird, baut er die visuelle Komponente aus. Nicht nur auf Instagram & Co., sondern auch im hochwertigen Printformat. Er ist Mitbegründer des Porsche-Szenemagazins SIGHT und arbeitet seit 2019 darüber hinaus auch direkt mit Porsche Deutschland zusammen. Man hilft und ergänzt sich. So, wie die verschiedenen Communities untereinander. Jede hat ihren eigenen Charakter.

„Konkurrenzdenken ist gestrig“, sagt auch Frank Cassidy, Gründer der britischen Community Boxengasse. „Es gibt Platz für alle.“ Cassidy und Gädtke kennen sich seit 2018. Auch Cassidy erwartet einen entspannten Mindset. „No egos“, bündelt er das in seiner Sprache. Nach dem Verkauf seines Haushaltswaren- und Elektronikunternehmens verwandelt er sein 40-Hektar-Anwesen – rund 30 Kilometer von Silverstone entfernt – in ein Eldorado für Porsche-Aficionados. Eigens errichtete sowie umgestaltete Gebäude bieten 4.500 Quadratmeter Raum für technischen Service, Restaurierungen und Events. Zur größten jährlichen Veranstaltung Megaphonics 2024 kamen mehr als 3.000 Menschen. Neben Porsche-Fahrzeugen sind bei ihm Modemarken, Schmucklabels und andere passende Brands vertreten. Ideen hat er viele. Und Platz sogar für 10.000 Leute.

Auch Cassidy, ein vollbärtiger charismatischer Typ, geboren 1981 in Texas, erfährt große Wertschätzung seitens Porsche Great Britain. „Die kameradschaftliche Verbundenheit und die Professionalität der Marke sind einzigartig“, schwärmt er. „Wie die Fahrzeuge selbst. Ein Porsche ist nicht nur schnell, nicht nur wendig oder nur zuverlässig. Er ist in jeder Disziplin ein guter Begleiter.“ In Cassidys Kindheit war dies ein 911 3.2 Carrera. Der Schmerz, als sein Vater den Wagen veräußerte, war erst geheilt, als die beiden den Porsche zehn Jahre später in Frankreich zurückkauften und auf Achse nach England brachten. „Dabei wurde nicht nur meine Liebe zu dem wiedergewonnenen Porsche größer. Ich habe auch gelernt, dass Unterwegssein künftige Erinnerungen bedeutet.“ Cassidys Porsche-Sammlung ist mittlerweile zweistellig. Jeder Wagen wird gefahren. Ohne Angst vor Gebrauchsspuren. „Denn die erzählen Geschichten.“

Petrol, Retro und Surfing

Szenenwechsel: Weiße Dünen in gedimmter Sonne. Wir treffen Ken Hake in seiner Heimat Sylt. Sein Papa war der zweite Porsche-Besitzer auf der Insel und selbst bereits Autonerd in zweiter Generation. Neben Porsche liebt Hake das Surfen. Beide Leidenschaften teilt er jeden Sommer bei einem Dreitagesevent mit seiner Community Petro-Surf. Der Name ist eine Wortschöpfung aus Petrol, Retro und Surfing.

„Das sechste Festival war 2024 binnen 90 Sekunden ausverkauft“, sagt der 45-Jährige. Es gibt nur 84 Plätze – so viele Porsche passen auf eine Fähre. Zuschauer sind zusätzlich willkommen, an den Samstagen ist der Eintritt frei. Die Idee zur Community hat Hake aus seiner Studienzeit im kalifornischen San Diego mitgebracht. „Bei der Umsetzung auf Sylt haben Porsche Deutschland und überhaupt die sympathische Strahlkraft der Marke auf jeden Fall geholfen.“ Lässigkeit und Dynamik, Fahren und Surfen – Hang Loose.

Eine junge, einladend offene Gemeinschaft

Immer schön locker bleiben – das gilt definitiv auch bei Heizr. Diese seit 2021 kometenhaft zu einer der größten europäischen Classic Car Communities aufgestiegene Gruppe verfolgt wiederum ein eigenes Konzept mit in der Regel drei Events pro Jahr.

Spektakuläre Locations sind eine Spezialität von Gründer Felix Bauermeister. Kiesgruben, Steinbrüche, Industrieanlagen – so etwas. Warum? Weil sich hier die coolsten Fotos schießen lassen. „Wir haben einen neuen Style kreiert“, sagt Bauermeister. „Vor allem aber wurden Freundschaften geschlossen und eine junge, einladend offene Gemeinschaft geformt.“ Unter den regelmäßig deutlich über 500 Fahrzeugen bilden Sportwagen aus Zuffenhausen die Mehrheit. Gesehen werden sie zigtausendfach auf Instagram.

Social Media ist Bindeglied und Asset – für die Communities ebenso wie für Porsche. Häufig unterstützt das Unternehmen mit Ausstellungen und Sponsoring. Aber Porsche initiiert die Communities nicht. Das machen Menschen wie Gädtke, Cassidy, Hake, Bauermeister oder Sihabutr Xoomsai, besser bekannt als Tenn. Der 54-Jährige ist der Kopf des asiatischen Kultevents Das Treffen.

Seit 2015 findet es in Tenns Heimat Bangkok statt. Auch hier entwickelte sich aus einem intimen Get-together eine jährliche Großveranstaltung mit rund 500 Fahrzeugen und in der Regel dreimal so vielen Besuchern. Tenn erzählt gerne, wie alles anfing: Als er 20 war, warf ihm ein Freund seines Vaters den Schlüssel seines 1991er 911 Carrera zu und schickte ihn Bier holen. „Irre! Was sich damals bei mir festgekrallt hat: Der Porsche-Spirit ist nichts Ausgrenzendes. Als echter Fan will man die Begeisterung teilen. Porsche, das ist für alle.“ Auch den Sound hat er für immer abgespeichert. Events der Porsche-Community sind überall auf der Welt locker gestaltete Tage in Dur. Mit perkussiven Ausbrüchen.

918 Spyder, Das Treffen, Thailand, 2023, Porsche AG

Info

Text erstmals erschienen im Porsche Magazin STORIES.

Text: Heike Hientzsch
Fotos: Onassis Porsches, Boxengasse, Heizr Club, Petro-Surf, Stefan Bogner

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