Am 25. April 1931 gründete Ferdinand Porsche zusammen mit Dr. Anton Piëch und Adolf Rosenberger die Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH. Adolf Rosenberger hatte als Mitbegründer, Gesellschafter und Geschäftsführer Anteil an der Entstehung des Konstruktionsbüros. Beginnend zum 1. Oktober 2022 ist Prof. Dr. Joachim Scholtyseck mit einem unabhängigen Forschungsprojekt zu Adolf Rosenberger betraut. Die Studie ist auf 18 Monate Dauer angelegt; die Ergebnisse werden anschließend in englischer und deutscher Sprache öffentlich gemacht und in Buchform vorgelegt.

Adolf Rosenberger, 2022, Porsche AG
Adolf Rosenberger

Bereits 2017 veröffentlichte Prof. Dr. Wolfram Pyta seine Arbeit „Porsche – Vom Konstruktionsbüro zur Weltmarke“ über die Anfänge von Porsche bis in die direkte Nachkriegszeit, in der zum ersten Mal in einer wissenschaftlichen Studie auch das Schicksal von Adolf Rosenberger dargestellt wurde. Die im Jahr 2019 gegründete gemeinnützige Adolf Rosenberger gGmbH hielt diese Studie allerdings für unvollständig und kam daher auf Porsche zu.

Seither arbeiten Porsche und die Vertreter der Nachfahren Adolf Rosenbergers gemeinsam an einer umfassenden und ergänzten Aufarbeitung unter Berücksichtigung aller bekannter Quellen und des Rosenberger Archivs sowie weiterer nationaler und internationaler Recherchen durch das Forschungsteam. Hierbei sollen erstmals umfassend bislang nicht berücksichtigte Unterlagen aus dem Besitz der Familie Rosenberger herangezogen werden. Auch sämtliche Materialen, die Porsche vorliegen, werden dem Forschungsteam zur Verfügung stehen.

Fragestellungen in 19 Punkten

Gemeinsam erarbeitete Fragestellungen in 19 Punkten werden bei den Recherchen Berücksichtigung finden: Das Aufwachsen Adolf Rosenbergers in Pforzheim und das Kennenlernen mit Ferdinand Porsche bis zur Gründung des Konstruktionsbüros soll auf Aktenbasis nachvollzogen werden. Ein besonderer Fokus liegt auf den Fragen, warum Adolf Rosenberger 1933 als Geschäftsführer und 1935 als Gesellschafter bei Porsche ausschied, bevor er 1938 in die USA emigrierte und dort unter dem Namen Alan A. Robert ein neues Leben begann. Der weitere Kontakt zu Porsche und die Rolle von Ferry Porsche bis zum Tod von Adolf Rosenberger 1967 wird ebenfalls Gegenstand der Studie sein.

Das von Porsche finanziell unterstützte Forschungsprojekt wird dabei von Prof. Dr. Scholtyseck inhaltlich unabhängig und ergebnisoffen nach wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt. Der transparente Austausch ist über den gesamten Forschungsverlauf hinweg gewährleistet. Die Ergebnisse der Studie sollen für die Porsche AG und die Adolf Rosenberger gGmbH künftig Maßstab für Kommunikation und Maßnahmen rund um die Lebensgeschichte von Adolf Rosenberger sein.

Prof. Dr. Joachim Scholtyseck, Unternehmensarchiv, 2022, Porsche AG
Prof. Dr. Joachim Scholtyseck

Vorstellung aller Beteiligten

Die heutige Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG steht zur Vergangenheit ihrer Vorläuferunternehmen und versteht die Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte als permanente Aufgabe. Die eigene Geschichte ist ein Teil von Porsche – dies gilt auch für die Zeit während des Nationalsozialismus. Für die heutige Porsche AG ist es wichtig, deutliche Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit zu setzen. Die Förderung wissenschaftlicher Forschungen im Bereich der Unternehmensgeschichte soll helfen, die Vergangenheit zu verstehen, um die Zukunft zu gestalten.

Prof. Dr. Joachim Scholtyseck ist ein renommierter Zeithistoriker an der Universität Bonn. Er hat vielfach zu Themen der Unternehmensgeschichte geforscht. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die umfassenden Studien zu den Unternehmern Günther Quandt (2011), Otto Beisheim (2020) und Reinhard Mohn (2020) sowie zu den Unternehmen National-Bank (2011), Freudenberg (2015) und Merck (2018).

Die Adolf Rosenberger gGmbH vertritt die Interessen der Vertreter der Nachfahren von Adolf Rosenberger. Das Interesse der gemeinnützigen Rosenberger Gesellschaft und ihrer Gründerin, Dr. Sandra Esslinger, ist der Wunsch nach vollständiger Darstellung der historischen Ereignisse, warum der Jude A. Rosenberger zwischen 1933 und 1935 seine Position als Geschäftsführer und Gesellschafter verlor. Darüber hinaus besteht das gemeinnützige Interesse, gemeinsam mit Porsche Antisemitismus, Diskriminierung und Ausgrenzung in der gesellschaftlichen Wirklichkeit entgegenzutreten.

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