07.05.2016

Porsche 919 Hybrid erreicht Platz zwei

Trotz Schwierigkeiten mit dem Hybridsystem hat das Trio Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb den Porsche 919 in Spa-Francorchamps auf Platz zwei ins Ziel gebracht und die Tabellenführung in der WEC ausgebaut.

Der zweite Lauf zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC war eine harte Probe für das Porsche Team. Das Schwesterauto von Timo Bernhardt (DE), Brendon Hartley (NZ) und Mark Webber (AU) stand nach zwei Reifenschäden über anderthalb der sechs Rennstunden in der Box für Reparaturen und wurde schließlich noch als Fünfter in der LMP1-H-Klasse gewertet. In der Herstellerwertung hat Porsche (54 Punkte) die WM-Führung vor Toyota (45) und Audi (41) übernommen. Wozu die Porsche 919 in Spa fähig gewesen wären, lässt die schnellste Rennrunde ahnen, die auf das Konto von Brendon Hartley (1.58,431 Minuten) ging. Nach Silverstone ist dies bereits die zweite schnellste Rennrunde für den Porsche Le-Mans-Prototypen in der aktuellen Saison. In Spa herrschten mit bis zu 50 Grad Asphalttemperatur unerwartete Wetterbedingungen.

So lief das Rennen für die Startnummer 1:

Startfahrer Brendon Hartley führt das Rennen bis zu seinem ersten Tankstopp nach 23 Runden souverän an. Timo Bernhard verlässt die Box mit frischen Reifen an zweiter Position. Nun führt der Toyota mit der Startnummer 5, der auf einen Reifen- und Fahrerwechsel verzichtet hat. Bernhard ist schneller, es kommt zu einem atemraubenden Duell zwischen ihm und Sébastien Buemi. Bernhard überholt in La Source, Buemi kontert in Eau Rouge. Zu Beginn der 37. Runde meldet Bernhard einen Reifenschaden und muss bis zum Stopp fast sieben Kilometer zurücklegen.Unterwegs löst sich der Reifen auf und beschädigt die Karosserie. Die Fahrzeugfront wird getauscht, Mark Webber übernimmt das Steuer. In der 45. Runde allerdings ist erneut der linke vordere Pneu defekt – eine Folge des ersten Reifenschadens. Nach längerer Reparatur an der Karosserie fährt Brendon Hartley weiter.

Die Spitze hat 56 Runden absolviert und die Startnummer 1 liegt mit vier Runden Rückstand an 14. Position, als der nächste Stopp ansteht: Das vordere Getriebe ist durch die hohen Differenzdrehzahlen der beiden Vorderreifen bei den Reifenschäden in Mitleidenschaft gezogen worden. Um 16:38 Uhr beginnt die Reparatur, um 18:17 Uhr geht die Nummer 1 mit Webber am Steuer als Vorletzter des gesamten Feldes mit 51 Runden Rückstand auf die Spitze wieder ins Rennen. 24 Runden später übergibt er an Bernhard, der Rückstand auf den Führenden beträgt noch 49 Runden. Die Spitze hat 137 Runden absolviert, als während einer Gelbphase Hartley zum letzten Einsatz einsteigt. Er bringt das Auto auf Platz 27 der Gesamtwertung und Rang fünf in der Hybrid-Klasse ins Ziel

So lief das Rennen für die Startnummer 2:

Marc Lieb fährt einen starken Start und bleibt als Zweiter seinem Teamkollegen auf den Fersen. Nach kaum sechs Runden meldet er ein Problem mit dem Hybridsystem. Der Startnummer 2 steht über die verbleibende Renndistanz nicht die volle elektrische Energie zur Verfügung. Nach 22 Runden übernimmt Neel Jani den waidwunden Prototypen. In der 47. Runde übergibt er an Romain Dumas, nach 71 Umläufen steigt wieder Lieb ins Auto. Am Ende der 95. Runde reicht Lieb an Jani weiter.

Trotz der reduzierten Leistung liegen Dumas/Jani/Lieb an dritter Position, denn auch Audi und Toyota haben Schwierigkeiten mit jeweils einem Auto. In der 113. Rennrunde ereilen auch den führenden Toyota Nummer 5 technische Probleme, Jani rückt auf Platz zwei vor. Nach 118 Runden steigt Dumas wieder ein, der das Rennen an Position zwei fortsetzt und nach einem letzten Tankstopp während einer Safety-Car-Phase als Zweiter ins Ziel fährt.

So lief das Rennen in den GTE-Klassen

Der Porsche 911 RSR hat vor 56.000 Zuschauern im zweiten Saisonrennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC seine erste Podiumsplatzierung nur knapp verpasst. Mit dem vom Kundenteam Dempsey Proton Racing eingesetzten 911 RSR, der von Porsche Motorsport in Weissach auf Basis der siebten Generation der Sportwagenikone 911 entwickelt wurde, belegte Richard Lietz (Österreich) zusammen mit Michael Christensen (Dänemark) den vierten Platz in der Klasse GTE-Pro. 2015 hat er als bester GT-Pilot der WEC die FIA World Endurance Trophy gewonnen.

Der Porsche 911 RSR

Noch näher dran an einem Podiumsplatz war Patrick Long. Mit dem 911 RSR des Kundenteams Abu Dhabi Proton Racing lag der Amerikaner bis drei Runden vor dem Ziel auf dem zweiten Platz der Klasse GTE-Am. Doch seine sehenswerte Aufholjagd wurde nicht belohnt: Ein LMP2-Protoyp, der mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun hatte, hat ihn am Ende von Start und Ziel von der Strecke gerammt. Er musste an die Box und wurde schließlich mit Khaled Al Qubaisi (Vereinigte Arabische Emirate) und David Heinemeier Hansson (Dänemark) als Sechster gewertet.

Bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen in den belgischen Ardennen fuhr auch der 911 RSR des Teams KCMG über weite Strecken auf Podiumskurs. Am Ende mussten sich Wolf Henzler (Nürtingen), Christian Ried (Schönebürg) und Joel Camathias (Schweiz) allerdings mit dem vierten GTE-Am-Platz begnügen. Der 911 RSR von Gulf Racing kam mit den Briten Ben Barker, Michael Wainwright und Adam Carroll im Cockpit als Fünfter ins Ziel.

Stimmen nach dem Rennen

Fritz Enzinger, Leiter LMP1: „Der Auftakt in Silverstone war nicht einfach, aber hier in Spa lief es noch schwieriger, obwohl wir mit beiden Autos aus der ersten Reihe gestartet sind. Dass wir es trotz der frühen technischen Probleme an der Startnummer 2 noch zum zweiten Platz gebracht haben, zeigt einmal mehr, dass man im Langstreckensport niemals aufgeben darf. Bei dem Porsche 919 Hybrid mit der 1 hat das Rennpech mit großer Härte zugeschlagen. Aber im Theater gilt eine schlechte Generalprobe als gutes Omen für die Premiere. Jetzt blicken wir nach Le Mans, drehen jeden Stein um und bereiten uns akribisch auf die 24 Stunden vor. Für den Einsatz meinen herzlichen Dank an die gesamte Mannschaft hier an der Strecke und daheim in Weissach.“

Andreas Seidl, Teamchef: „Unseren Glückwunsch an Audi zum hart erkämpften Sieg. Wir haben heute gesehen, dass alle drei Hersteller beim Ausreizen ihrer Technik am Limit operieren. Wir gehen nun erstmals seit Projektbeginn als Tabellenführer in beiden Weltmeisterschaftswertungen – Fahrer und Hersteller – nach Le Mans. Für die Crew unserer Startnummer 1 ist es bitter, aufgrund von massivem Rennpech nach zwei Läufen mit fast leeren Händen dazustehen. In Silverstone war es ein Unfall, hier ein Reifenschaden mit Folgen. Die Crew der Nummer 2 hat trotz des frühen Problems mit dem Hybridsystem einen super Job gemacht und einen geradezu sensationellen zweiten Platz nach Hause gefahren. Wir hatten in Spa mit unserem Aerodynamikpaket für geringen Abtrieb wiederum das schnellste Auto. Jetzt gilt es, in Detailarbeit die Haltbarkeit noch weiter zu verbessern und uns auf Le Mans vorzubereiten.“

Rennergebnisse

LMP1-Klasse:

1. Di Grassi/Duval/Jarvis (BR/FR/GB), Audi R18, 160 Runden
2. Dumas/Jani/Lieb (FR/CH/DE), Porsche 919 Hybrid, – 2 Rnd.
3. Imperatori/Kraihamer/Tuscher (CH/AT/CH), Rebellion R-One AER, – 4 Rnd.
4. Heidfeld/Piquet jr./Prost (DE/BR/FR), Rebellion R-One AER, – 5 Rnd.
5. Fässler/Lotterer/Tréluyer (CH/DE/FR), Audi R18, – 5 Rnd.
6. Rossiter/Trummer/Webb (GB/CH/GB), CLM P1/01 AER, – 9 Rnd.
27. Bernhard/Hartley/Webber (DE/NZ/AU), Porsche 919 Hybrid, – 48 Rnd.

Fahrer-WM-Wertung nach zwei von neun Läufen:
1. Dumas/Jani/Lieb (FR/CH/DE), Porsche, 43 Punkte
2. Imperatori/Kraihamer/Tuscher (CH/AT/CH), Rebellion, 30 Punkte
3. Di Grassi/Duval/Jarvis (BR/FR/GB), Audi, 25 Punkte
4. Heidfeld/Piquet jr./Prost (DE/BR/FR), Rebellion, 24 Punkte
5. Conway/Kobayashi/Sarrazin (GB/JP/FR), Toyota, 18 Punkte
6. Cumming/Dalziel/Derani (CD/GB/BR), Extreme Speed Motorsport, 12 Punkte
14. Bernhard/Hartley/Webber (DE/NZ/AU), 1,5 Punkte

Hersteller-WM LMP1:
1. Porsche, 54
2. Toyota, 45
3. Audi, 41

Klasse GTE-Pro
1. Rigon/Bird (I/GB), Ferrari 488 GTE, 145 Runden
2. Franchitti/Priaulx/Tincknell (USA/GB/GB), Ford GT, 144
3. Stanaway/Rees/Adam (NZ/BRA/GB), Aston Martin, 144
4. Christensen/Lietz (D/A), Porsche 911 RSR, 142
Nicht im Ziel:
Bruni/Calado (I/GB), Ferrari 488 GTE, 140
Johnson/Mücke/Pla (USA/D/F), Ford GT, 100
Turner/Sörensen/Thiim (GB/DK/DK), Aston Martin, 40

Klasse GTE-Am
1. Lamy/Dalla Lana/Lauda (P/CAN/A), Aston Martin, 140 Runden
2. Collard/Perrodo/Aguas (F/F/P), Ferrari F458 Italia, 139
3. Yamagishi/Ragues/Ruberti (J/F/I), Chevrolet Corvette, 139
4. Ried/Henzler/Camathias (D/D/CH), Porsche 911 RSR, 139
5. Wainwright/Carroll/Barker (GB/GB/GB), Porsche 911 RSR, 138
6. Al Qubaisi/Long/Heinemeier Hansson (UAE/USA/DK), Porsche 911 RSR, 136

Ähnliche Artikel

Meistgelesen

  1. 6-Stunden-Lauf: Ferry-Porsche-Stiftung spendet 195.000 Euro
  2. Porsche hilft bei Geschwindigkeitsrekord
  3. Coming home
  4. Ein Porsche in Puzzleteilen
  5. E-Boxenstopp

Meistgeteilt

  1. 5:19,55 Minuten – Porsche 919 Hybrid Evo holt Rekord
  2. Le Mans 2018 live!
  3. Sieg in der GTD-Klasse, 911 RSR auf den Plätzen vier und fünf
  4. IMSA: Podium für Porsche im Lime Rock Park in Lakeville
  5. Porsche GT Team in Taktikkrimi auf Platz zwei
Social Media