24.07.2016

Porsche wiederholt Vorjahressieg in der Eifel

Mark Webber, Timo Bernhard und Brendon Hartley haben mit dem 919 Hybrid das Sechsstundenrennen in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC auf dem Nürburgring gewonnen.

Mit dem Sieg baut Porsche die Tabellenführung in der Herstellerwertung aus. Das Trio Romain Dumas (FR), Neel Jani (CH) und Marc Lieb (DE) belegte beim vierten von neun Saisonläufen Platz vier und verteidigte die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Wie beim Debüt 2015 war der deutsche WM-Lauf erneut ein Publikumserfolg: 58.000 Zuschauer erlebten bei angenehmem Sommerwetter ein atemraubendes Rennen in der Eifel.

Insgesamt stehen für den zukunftsweisenden Porsche 919 Hybrid Prototypen seit dem Debüt 2014 nun zehn Rennsiege zu Buche. In der laufenden Saison sind es inklusive der 24 Stunden von Le Mans bereits drei Siege. Für Bernhard/Hartley/Webber ist es der insgesamt fünfte WEC-Erfolg. In der Herstellerwertung führt Porsche weiterhin mit jetzt 164 Punkten vor Audi (129) und Toyota (97). Dumas/Jani/Lieb haben noch 33 Zähler Vorsprung in der Fahrerwertung.

So lief das Rennen in der LMP1-Klasse

So lief das Rennen für die Startnummer 1:
Timo Bernhard (DE) überholt direkt nach dem Start den Audi mit der Startnummer 8 und verbessert sich somit vom dritten auf den zweiten Platz. Ab der 15. Runde greift er auch den führenden Audi Nummer 7 an, muss aber zurückstecken. Erst im Zuge der ersten Boxenstopps übernimmt die Startnummer 1 die Spitze: Beim Tankstopp nach 31 Runden mit Reifen- und Fahrerwechsel hat die Porsche-Mannschaft schneller gearbeitet. Jetzt führt Brendon Hartley (NZ), gerät allerdings in Bedrängnis. In der 45. bzw. 48. Runde wird er von beiden Audi überholt und fällt auf Platz drei zurück. Das Team erkennt einen Druckverlust bei einem Reifen und zieht den nächsten Stopp vor. Hartley übergibt nach 53 Umläufen an Mark Webber (AU), der das Auto wiederum nach 86 Runden in Führung liegend an Bernhard weiterreicht.

Kurz nach der Halbzeit wird die dritte „Full Course Yellow“-Phase ausgerufen. Diesmal kommen beide zur Box. Hartley übernimmt nach 108 Runden wieder das Steuer: Die Titelverteidiger liegen an Position zwei. Als nach 139 Runden zum vierten Mal „Full Course Yellow“ herrscht, steigt Webber wieder ein und führt nun das Rennen an. Bei der fünften Neutralisation in Runde 165 übernimmt Bernhard wieder den erstplatzierten Porsche und fährt nach 194 Runden als Sieger über die Ziellinie.

So lief das Rennen für die Startnummer 2:
Neel Jani bleibt beim Start Vierter. Eingangs der 22. Runde greift er den drittplatzierten Audi Nummer 8 an. Er ist schon fast vorbei, verliert beim Anbremsen von Kurve eins aber das Heck und rutscht von der Strecke. Er bleibt Vierter. Nach 30 Runden steigt Marc Lieb in den 919. Als das Schwesterauto wegen des schleichenden Plattfußes Boden verliert und bei Audi die nächsten Stopps anstehen, geht Lieb in der 57. Runde in Führung. Nach 62 Runden übergibt er an Romain Dumas.

Nach 91 Umläufen kommt die zweite „Full Course Yellow“-Periode des Rennens dem Trio für seinen nächsten Stopp sehr zupass: Jani geht in Führung. Beim Stopp während der dritten Neutralisationsphase beginnt Lieb nach 108 Runden seinen nächsten Dienst und hat Pech: In der 138. Runde gerät er beim Überrunden mit dem GT-Porsche Startnummer 88 aneinander. Jani fährt ab der 139. Runde mit einer neuen Fahrzeugnase zunächst an Position zwei weiter und übernimmt rasch wieder Rang eins. Ende der 147. Runde absolviert er eine für die vorangegangene Kollision verhängte Durchfahrtsstrafe und fällt auf Platz drei zurück. In der 156. Runde greift er den vor ihm fahrenden Nummer-8-Audi an, wird jedoch abgedrängt. Anschließend fährt Jani im Sandwich zwischen den beiden R18. Es entspinnt sich ein harter Kampf um die Plätze zwei und drei – Fahrzeugberührungen inklusive. Nach Runde 165 folgt während der fünften Full Course Yellow ein weiterer Stopp. Jani setzt die Fahrt fort, muss aber nach 172 Umläufen noch einmal für eine Heckreparatur, die von der Rennleitung verordnet wurde, halten. Danach fährt der Schweizer als Vierter ins Ziel.

So lief das Rennen in den GT-Klassen

Premiere für KCMG: Das Porsche-­Kundenteam aus Hongkong hat seine erste Podiumsplatzierung mit dem Porsche 911 RSR in der Sportwagen-­Weltmeisterschaft WEC geholt. Wolf Henzler (Nürtingen), Christian Ried (Schönebürg) und Joel Camathias (Schweiz) kamen mit dem Rennwagen, der auf der siebten Generation der Sportwagenikone 911 basiert, nach einer starken Leistung als Zweite der Klasse GTE-­Am ins Ziel.

KCMG: Christian Ried, Joel Camathias, Wolf Henzler, l-r

Mit einem guten Start von der Pole-­Position ging auf dem Eifelkurs zunächst der 911 RSR von Abu Dhabi Proton Racing in Führung. Patrick Long (USA) behauptete die Spitze der Klasse GTE-­Am über die erste Rennstunde hinaus. Nachdem David Heinemeier Hansson (Dänemark) das Auto übernommen hatte, fing es beim Boxenstopp Feuer. Das kostete die Führung. Anfangs der fünften Rennstunde musste Khaled Al Qubaisi (Abu Dhabi) nach einer Kollision mit einem LMP1-­Prototypen an die Box. Damit war für die Dritten der 24 Stunden von Le Mans die Chance auf die zweite Podiumsplatzierung in dieser Saison dahin. Am Ende reichte es nur zu Rang fünf vor dem 911 RSR von Gulf Racing.

In der Klasse GTE-­Pro kam der 911 RSR des Kundenteams Dempsey Proton Racing mit Richard Lietz (Österreich) und Michael Christensen (Dänemark) als Sechster ins Ziel.

Stimmen nach dem Rennen

Michael Steiner, Vorstand Forschung und Entwicklung, Porsche AG: „Es war ein hartes Rennen, wir haben lange gekämpft, und ich freue mich sehr über den Heimsieg.“

Fritz Enzinger, Leiter LMP1: „Es ist unglaublich. In den vergangenen zehn Rennen neun Siege, davon zweimal die 24 Stunden von Le Mans – so gehen wir jetzt in die Sommerpause. Besser könnte es kaum sein. Schade für unser Nummer-2-Auto. Es hatte den Sieg ebenfalls in Griffweite. Ein vierter Platz ist unter den gegebenen Umständen aber immer noch ein hervorragendes Ergebnis. Wir haben ein tolles Rennen und Motorsport auf höchstem Niveau erlebt, jetzt freuen wir uns auf Mexiko. Bis dahin wünsche ich allen Mitarbeitern hier und daheim in Weissach einen schönen Urlaub.“

Andreas Seidl, Teamchef: „Riesenkompliment an das gesamte Team hier an der Strecke und in Weissach für diese überragende Vorstellung. Die Crew Nummer 1 konnte das Potenzial unseres 919 Hybrid 1:1 umsetzen. Sie hatten fast keine Zwischenfälle. Der schleichende Plattfuß kostete uns keinen zusätzlichen Boxenstopp. Fahrzeug zwei hatte heute leider ein paar unglückliche Zwischenfälle auf der Strecke, sodass es für ganz vorne leider nicht gereicht hat. Wir konnten den Vorsprung in der Herstellerwertung ausbauen, die Crew 2 sammelte wichtige Punkte für die Fahrer-WM. Hier unser drittes Aerodynamikpaket an den Start zu bringen, war ein Kraftakt, denn es wurde parallel zur Vorbereitung auf Le Mans entwickelt. Das neue Paket funktionierte das ganze Wochenende über gut. Wir hatten im Rennen ganz klar das schnellste Auto. Diesen Schwung wollen wir jetzt nach Übersee mitnehmen.“

Weitere Stimmen finden Sie in den Pressemitteilungen unter „Downloads“.

Rennergebnis

GT-Klassen

Klasse GTE-­Pro
1. Bruni/Calado (I/GB), Ferrari 488 GTE, 170 Runden
2. Rigon/Bird (I/GB), Ferrari 488 GTE, 170
3. Mücke/Pla (D/F), Ford GT, 170
4. Sörensen/Thiim (DK/DK), Aston Martin, 169
5. Stanaway/Turner (NZ/GB), Aston Martin, 169
6. Christensen/Lietz (D/A), Porsche 911 RSR, 169
7. Franchitti/Priaulx/Tincknell (USA/GB/GB), Ford GT, 155

Klasse GTE-­Am
1. Lamy/Dalla Lana/Lauda (P/CAN/A), Aston Martin, 166 Runden
2. Ried/Henzler/Camathias (D/D/CH), Porsche 911 RSR, 166
3. Collard/Perrodo/Aguas (F/F/P), Ferrari F458 Italia, 166
4. Yamagishi/Ragues/Ruberti (J/F/I), Chevrolet Corvette, 165
5. Al Qubaisi/Long/Heinemeier Hansson (UAE/USA/DK), Porsche 911 RSR, 164
6. Wainwright/Carroll/Barker (GB/GB/GB), Porsche 911 RSR, 164

Info

Der fünfte Lauf der Sportwagen-­Weltmeisterschaft WEC wird am 4. September in Mexico City ausgetragen.

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