12.05.2018

Porsche 919 Tribute Tour mit starken Partnern am Nürburgring

Der heutige Paarlauf des Porsche 919 Hybrid Evo und des 956 C auf der Nordschleife des Nürburgrings war die zweite Station der ‚919 Tribute Tour’.

Anders als in Spa-Francorchamps (BE), wo Neel Jani (CH) am 9. April mit dem 919 Evo die bisherige Formel-1-Rekordzeit unterbot, ließen es Timo Bernhard (DE) und Hans-Joachim Stuck (DE) in der Eifel überwiegend gemütlich angehen.

Timo Bernhard: “Diese Runde so kurz vor dem Start des 24-Stunden-Rennens war ein besonderes Erlebnis für mich. Es war mir eine Ehre, Seite an Seite mit Hans um die Nordschleife zu fahren – er im 956 C, ich mit unserem 919 Evo. Das sind zwei legendäre Rennwagen, und das hat den Fans gefallen. Ihre Freude konnte ich im Cockpit förmlich spüren. Das war ein sehr schönes Geschenk.“

Hans-Joachim Stuck: “Das war ein bisschen wie vorgezogene Weihnachten für mich. Die Fans hatten Freude, und wir auch. Die Grillfeuer rauchen schon, und es ist absolut einmalig, was die Fans hier entlang der Strecke alles aufbauen. Das sieht man natürlich besonders gut, wenn man so langsam fährt wie wir heute. Aber ich muss schon sagen: Der Gasfuß hat ordentlich gejuckt, und der 956 läuft noch immer wie ein Uhrwerk.“

Fritz Enzinger, Leiter LMP1, sagte über den Auftritt vor rund 200.000 Zuschauern: „Die Zusammenkunft dieser beiden so extrem erfolgreichen Rennwagen bot ein tolles Bild. Die erste Idee zu einer Abschiedstournee mit dem Porsche 919 Hybrid entstand bereits kurz nach der Rückzugsentscheidung aus der FIA World Endurance Championship WEC im Sommer 2017“, berichtet Enzinger. „Anfangs ging es um Ausstellungstermine und Demorunden. Aber dann entwickelte sich im Team der Gedanke, die Tour mit einem Rekordversuch zu kombinieren, um das tatsächliche Potenzial des Autos aufzuzeigen. So begann die Entfesselung 919 von einigen Reglementvorgaben. Natürlich mussten die ‚919 Tribute Tour’ und die Evo-Entwicklung finanziert werden. Das hätten wir ohne unsere Partner nicht gestemmt. Dafür möchte ich mich auch im Sinne der Fans bedanken.“

Timo Bernhard (l.) und Hans-Joachim Stuck

Der 919 Hybrid, Le-Mans-Sieger- und Langstrecken-Weltmeister von 2015, 2016 und 2017, traf auf jenen Prototyp, der von 1982 bis 1984 alle Titel in der Sportwagen-WM holte und den Streckenrekord auf der Nordschleife hält.

In der Evo-Version zeigte sich der 919 Hybrid auf der Nordschleife zum ersten Mal vor Publikum. Mit dieser von einigen Reglementzwängen der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC befreiten Weiterentwicklung stellte Porsche am 9. April 2018 einen neuen Streckenrekord auf dem Grand-Prix-Kurs in Spa-Francorchamps (BE) auf: Porsche-Werksfahrer Neel Jani (CH) gelang auf der 7,004 Kilometer langen Strecke eine Runde in 1.41,770 Minuten. Damit war er schneller als die Formel 1. Jani unterbot die bisherige Bestmarke, die letztjährige Poleposition-Zeit von Lewis Hamilton (GB) im Mercedes F1 W07 Hybrid, um 0,783 Sekunden. Bei der Runde auf der Nordschleife, der zweiten Station der ‚919 Tribute Tour’, waren Stoppuhren überflüssig: Die beiden Rennwagen wurden von einem Safety-Car geführt und ließen den Start- und Zielbereich aus, weil sich dort das Feld für die 24 Stunden formierte.

Sowohl Porsche als auch Timo Bernhard, Hans-Joachim Stuck und beide Rennwagen verbinden große Geschichten mit dem Nürburgring und der Nordschleife.

Der 919 Hybrid und der Porsche 956 C

Bernhard (37, Bruchmühlbach-Miesau) ist amtierender Langstreckenweltmeister mit dem 919 Hybrid. Auf dem Weg zum WM-Titel 2017 gewann er mit dem innovativen Hybridrennwagen unter anderem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und holte beim Sechsstundenrennen auf dem Nürburgring nach 2015 und 2016 seinen dritten Gesamtsieg in Folge. Zudem gelang Bernhard fünf Mal der Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring mit Porsche. 2018 wird der Rekordsieger dort den Einsatz eines 911 GT3 R seines eigenen Teams, Team75 Bernhard, betreuen.

„Die Nordschleife ist für mich Heimat“, sagt der Porsche-Werksfahrer, der in diesem Jahr sowohl im GT Masters als auch in Le Mans in der GTE-Klasse antritt. „Schon als Kind durfte ich meinen Vater in die Eifel begleiten. Die Komplexität dieser über 20 Kilometer langen Strecke ist mit nichts zu vergleichen.“ Timo Bernhard ist leidenschaftlicher Bewunderer des 1985 in Spa verunglückten Stefan Bellof. „Nicht nur die großartigen Leistungen von Stefan Bellof haben mich immer beeindruckt. Er muss ein Pfundskerl gewesen sein. Mit welchen Weggefährten ich auch sprach, sie verehrten ihn alle. Sein bis heute ungebrochener Nordschleifen-Rekord von 1983 ist gigantisch. Es ist eine große Ehre, einen Porsche 956 C von damals im 919 Evo begleiten zu dürfen.“  

1983 umrundete Bellof die Nordschleife in 6.11,13 Minuten

Am 28. Mai 1983, im Training zum 1000-Kilometer-Rennen, hatte Bellof die damals wegen Bauarbeiten auf 20,835 Kilometer verkürzte Nordschleife in sagenhaften 6.11,13 Minuten umrundet. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 200 km/h. Der Sechszylinder-Boxermotor des 956 C mit 2649 Kubikzentimeter Hubraum leistete über 620 PS. Bellof steuerte damals das Chassis Nummer 007. Im Rennen verunfallte er damit in Führung liegend im Abschnitt Pflanzgarten, blieb aber unverletzt. Ein Jahr später, 1984, gewann er das 1000-Kilometer-Rennen am Nürburgring zusammen mit Derek Bell (GB), ebenfalls im Rothmans Porsche 956 C.

Timo Bernhard: „Die Nordschleife ist für mich Heimat“

Auf dem Weg zur Langstrecken-Fahrerweltmeisterschaft 1984 teilte sich Bellof das 956-Cockpit auch einmal mit Hans-Joachim Stuck (DE). Trotz eines Ausritts von Stuck und folgender Reparaturpause gewannen die beiden das 1000-Kilometer-Rennen in Imola. „Dieser Einsatz in Italien war ganz besonders wichtig für mich“, erinnert sich der heute 67-Jährige Stuck. „Der 956 war für mich neu, und Stefan brachte mir bei, wie man dieses Abtriebsauto richtig fährt. Ich habe in Imola extrem viel von ihm gelernt. Als ich damals zu Porsche kam, begriff ich, warum diese Autos unschlagbar waren. Es gab keine Getriebe-Probleme, die Bremsen waren super, und mit dieser unheimlichen Downforce konnte man extrem viel Tempo mit in die Kurven nehmen. Das Auto klebte förmlich am Asphalt. Für mich ist es Weltklasse, mit dem 956 noch einmal um die Nordschleife fahren zu dürfen. Das ist emotional kaum zu toppen.“

Stuck: zwei Le-Mans-Siege und drei Siege auf dem Nürburgring

Zu Stucks langer Erfolgsliste gehören zwei Le-Mans-Gesamtsiege im 956-Nachfolger 962 C (1986 und 1987) sowie drei Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring mit BMW.

Der am Nürburgring von Stuck ausgeführte 956 C trägt die Chassis-Nummer 005 und ist das Auto, mit dem Jacky Ickx (BE) und Jochen Mass (DE) 1984 die komplette Sportwagen-WM bestritten. Aus werberechtlichen Gründen musste im Design von Sponsor Rothmans der Name des Tabakherstellers oft dem Wort Racing weichen. Das war bei Bellofs Rekordrunde mit dem Chassis 007 der Fall und ist beim jetzt von Stuck gefahrenen 956 C ebenso.

Porsche 919 Hybrid Evo

Wie der 956 war auch der Porsche 919 Hybrid der innovativste Rennwagen seiner Zeit. Der von 2014 bis einschließlich 2017 erfolgreich in der FIA World Endurance Championship (WEC) eingesetzte Klasse-1-Le-Mans-Prototyp wird angetrieben von einem kompakten Zweiliter-V4-Turbobenziner in Kombination mit zwei verschiedenen Energierückgewinnungssystemen. Zum einen wird Bremsenergie von der Vorderachse in elektrische Energie umgewandelt. Zum anderen treibt der Abgasstrom eine 130.000 Umdrehungen pro Minute flinke Turbine an und generiert so weitere elektrische Energie. Diese wird in einer flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie zwischengespeichert. Während der Verbrenner die Hinterachse antreibt, speist der Batteriestrom einen E-Motor an der Vorderachse. So verfügt der 919 beim Beschleunigen über Allradantrieb – und sammelt im Abgastrakt bereits wieder Energie ein.

Basis für die Vorbereitung des Rekordwagens 919 Evo war der siegreiche 2017er Rennwagen. Die komplette Hardware des Antriebsstrangs blieb unangetastet. Hinzu kamen Entwicklungen, die bereits für die WEC 2018 stattgefunden hatten, aber nach dem Ausstieg aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft Ende 2017 brachlagen sowie spezifische aerodynamische Modifikationen.

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