Kreative Ideen schützen

Die Patentanwälte von Porsche sichern, was die kreativen Köpfe des Unternehmens entwickeln. Frank Zacharias, Leiter Schutzrechte und Lizenzen, hat aus dem Porsche-Portfolio einige typische und ganz konkrete Beispiele aus den zahlreichen Patenten und Designrechten des Sportwagenherstellers herausgesucht.

Porsche-Konstruktionszeichnungen, Weissach, 2018, Porsche AG
Wegweisende Ingenieurskunst: Die technische Beschreibung des 959 von 1986

„Der 959 von 1986 ist ein absoluter Technologieträger. In diesem Fahrzeug steckt so viel Innovatives, dass er auch drei Jahrzehnte später noch Maßstäbe setzt. Die technische Beschreibung für Kunden dokumentiert dies. Und zwar so gut, dass wir uns damit als Stand der Technik gegen Patente Dritter wehren können. Beim elektronisch gesteuerten Allradantrieb zum Beispiel oder bei der Registeraufladung hat uns diese Broschüre auch noch in jüngster Vergangenheit gute Dienste geleistet. Weil wir vor mehr als 30 Jahren technische Lösungen hatten, für die andere noch Jahre später ähnliche Patente anmeldeten.“

Porsche-Konstruktionszeichnung PCCB, Weissach, 2018, Porsche AG
Konstruktion mit Patentschutz: schematische Darstellung einer innenbelüfteten Keramikbremsscheibe

„Auch der Carrera GT hat Maßstäbe gesetzt. Die Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) ist eine unter vielen herausragenden Entwicklungen. Bei diesem Patent geht es um die innenbelüftete Keramikbremsscheibe mit gekrümmten Kühlkanälen. 2003 hat Porsche das Patent angemeldet. Weil Patente 20 Jahre lang laufen, ist dieses Konstruktionsprinzip auch heute noch für Porsche geschützt.“

„Mit Designrechten schützen wir das äußere Erscheinungsbild unserer Fahrzeuge. Das gilt auch für Showcars wie die 2010 in Genf vorgestellte 918 Spyder-Studie. Die Form wird geschützt, aber auch einzelne Teile. Die Designrechte werden mit Fotos aus verschiedenen Perspektiven registriert – natürlich zunächst vertraulich. Für das Serienfahrzeug wurden anschließend weitere Designrechte und zahlreiche Patente angemeldet.“

911 Targa, 2018, Porsche AG
Zahlreiche Patente schützen das Dachsystem des 911 Targa vor Nachahmern

„Für das 911er Cabrio (991) haben die Entwickler ab 2006 sogenannte Flächenspriegelverdecke entwickelt, um die Flyline des Coupés im Cabrio darzustellen. Wir haben hierzu eng abgestimmt mit den Entwicklern eine Vielzahl von Patenten zu diesen als auch zu weiteren Dachsystemen, wie 911 Targa und Boxster (981), platziert, die den Anspruch ‚Best in Class‘-Dachsysteme bei Porsche sichern.“

Frank Zacharias, Leiter Schutzrechte und Lizenzen, 2018, Porsche AG
Frank Zacharias zeigt für Porsche beispielhafte Patente und Designrechte wie die Tiptronic von 1990

„1990 war die Tiptronic, das Automatikgetriebe mit manueller Eingriffsmöglichkeit, etwas ganz Neues. Porsche war in diesem Bereich Vorreiter, und die Tiptronic hat im Markt sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt. Zahlreiche Unternehmen haben das Prinzip lizenziert. Die technischen Merkmale wie die zweite Schaltgasse sind im Patent detailliert aufgeführt. Grundsätzlich gilt, dass technische Merkmale ganz genau beschrieben werden müssen, um sich vom Stand der Technik abzugrenzen und mit einem Patent ein Exklusivrecht erwirken zu können.“

„Für den Mission E haben wir Designelemente geschützt und bereits erste technische Lösungen zum Patent angemeldet, bevor Porsche die Studie 2015 auf der IAA in Frankfurt vorstellte. Aktuell sind die Patentanwälte von Porsche eng verzahnt mit der Entwicklung des Serienfahrzeugs. Dabei geht es auch um das Umfeld des Fahrzeugs selbst, etwa die Ladeinfrastruktur, für die wir bereits verschiedene technische Lösungen angemeldet haben wie das High-Power-Charging.“

Europäische Patentschrift, 2018, Porsche AG
Alles amtlich: Diese Europäische Patentschrift vom 28. Oktober 2009 betrifft Kommissionierstationen

„Auch in der Produktion hat Porsche wichtige Entwicklungen patentiert: So wurden zur Versorgung der Montage mit Teilen und Komponenten vom Betriebsmittelbau sogenannte Kommissionierstationen entwickelt. Diese werden von einem Routenzug mit bis zu vier voll beladenen Transporteinheiten, Schleppzugwagen genannt, angefahren. Einzelne Paletten können hier ohne großen Kraftaufwand gegen leere ausgetauscht werden, während sich auf der anderen Seite Kommissionierer bei den benötigten Teilen bedienen und diese per Kommissionierregal für die Linie bereitstellen. Im Werk in Zuffenhausen sind rund 150 dieser Schleppzugwagen im Einsatz, in Leipzig sogar rund 350.“

Weitere Artikel