Editorial

„Liebesbeziehungen zum Auto und zwischenmenschliche Liebesbeziehungen sind sich erstaunlich ähnlich“, sagt die Berliner Soziologin Christa Bös. Sie verbindet damit Leidenschaft und Intimität – nicht zuletzt den Wunsch nach dauerhafter Bindung, manchmal ein Leben lang. Als die Ulmer Universität jungen Männern Fotos von Fahrzeugen unterschiedlicher Klassen vorlegte und sie anschließend nach ihren Eindrücken fragte, schnitt der Sportwagen am besten ab. Überraschend war das wenig, viel erstaunlicher ist etwas anderes: Die Magnetresonanztomografie zeigte eine starke Aktivität des Nucleus accumbens – einer Struktur mitten im Gehirn. Sie gilt wahlweise als Lern- und Glücksturbo oder Belohnungszentrum, das auf positive Erlebnisse reagiert: ein gutes Essen zum Beispiel, Musik, ein Wort, ein Blick, eine Berührung – oder einen Porsche.