„Bei Porsche fühle ich mich heimelig“

Seine Karriere beginnt im Rennwagen mit Verbrennungsmotor, in Le Mans siegt er im Hybridfahrzeug. Nun startet Profi-Rennfahrer Neel Jani mit Porsche in die Formel E – die Laufbahn des 35-Jährigen ist eine Metapher für den Wandel, den auch der Rennsport mittlerweile erfährt.

Viele Kinder träumen davon, Rennfahrer zu werden ­– wie wird man es in der Realität?

Grundsätzlich fängt im Sport alles mit dem Hobby an. Mit fünf habe ich mein erstes Gokart bekommen, mit acht Jahren bin ich die ersten Rennen gefahren. Meine Eltern haben viel Zeit und Geld investiert und ich war recht erfolgreich, aber der Spaß stand immer noch im Vordergrund. Mit 18 Jahren kam dann der Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, ob ich alles auf die Karte Profikarriere setze. Nachdem ich mein Abitur bestand, habe ich das gemacht.

Formel 1 im klassischen Fahrzeug, der Le-Mans-Sieg mit Porsche im Hybrid und nun Formel E – Ihre Karriere steht für den Wandel, in dem auch der Rennsport angekommen ist.

Das stimmt. Als ich angefangen habe, Rennen zu fahren, zum Beispiel bei der Formel 1, ging es um reinen Speed. Für Le Mans mussten Autos entwickelt werden, die standhaft sind und halten. Und heute geht es vor allem um Effizienz. Das ist das Schlagwort für die Formel E. Man gewinnt nur noch Rennen, wenn man effizient ist. Der Rennsport verändert sich da genauso wie der Individualverkehr. Auch hier geht es nicht mehr darum, ein Auto mit 2.000 PS zu bauen, das bringt niemandem etwas. Es geht darum, dass man irgendwann ohne Ladepause von der Schweiz nach Kiel und zurückfahren kann.

Hätten Sie sich vor zehn Jahren träumen lassen, einmal ein vollelektrisches Rennauto zu fahren?

Nein. Vor zehn Jahren konnte ich mir das nicht vorstellen. Damals hatte ich nicht einmal über die Möglichkeit nachgedacht. Bei der Formel E sind wir per Reglement aus Kostengründen begrenzt in der Entwicklung. Aber wir starten von Null. Das bedeutet tolle Möglichkeiten, aber vor allem auch sehr viel Arbeit.

Wie sehen Ihre Arbeitstage in der Vorbereitung aus?

Sie sind in erster Linie lang. Tatsächlich betreibe ich mit der Formel E den größten Zeitaufwand, den ich im Motorsport je hatte. Ich muss physisch trainieren, sitze viele Stunden im Simulator in Weissach und verbringe mit dem ganzen Team viele lange Tage auf der Rennstrecke mit Testfahrten und Auswertungen.

Das heißt, Sie sind in die Entwicklung des Porsche Formel-E-Autos voll involviert?

Ja. Ein Fahrer fährt ja salopp gesagt nicht nur im Kreis und überlegt sich nichts. Der Austausch zwischen mir und den Ingenieuren ist extrem wichtig. Denn in der Theorie funktioniert vieles gut, was in der Realität aber nicht fahrbar ist. Wir haben auf jeden Fall noch Arbeit vor uns, um alles auf das Niveau zu bringen, das wir uns vorstellen. Unser Ziel für die erste Saison ist es, konkurrenzfähig zu sein. Die Herausforderung bei der Formel E ist, dass 80 Prozent der Autos gleich sind. Die Details werden entscheidend sein. Wir müssen also erst mal Erfahrungswerte schaffen. Wenn aber auch der eine oder andere Podiumsplatz drin ist, freuen wir uns.

Wie groß ist die Umstellung auf E-Mobility – etwa in Sachen Motorgeräusch?

Natürlich lieben wir alle den Sound des V12-Motors, der ist unglaublich. Tatsächlich ist das elektrische Motorgeräusch zwar nicht infernalisch, aber weiterhin eine wichtige Stütze, mit der ich viel arbeite, zum Beispiel was Drehzahl oder Bodengegebenheiten angeht.

Auch in Sachen Rennstrecken macht sich die Formel E auf zu neuen Zielgruppen.

Das ist richtig. Da es nur Stadtkurse gibt, sind viel mehr Menschen an der Rennstrecke, die nichts mit Motorsport am Hut haben. Das Thema Mobilität betrifft aber alle. Die Formel E zeigt, dass an neuen Technologien gearbeitet wird und dass der Rennsport in der neuen Ära angekommen ist.

Apropos neue Ära – wie war Ihre erste Fahrt mit dem Taycan?

Da kann ich nur Walter Röhrl zitieren: Man spürt weiterhin, dass es ein Porsche ist.

Was bedeutet es für Sie, ein Porsche-Mitarbeiter zu sein?

Wenn ich als Kind über schnelle Autos nachgedacht habe, sind mir zwei in den Sinn gekommen: Porsche und die Roten. Als ich 2013 für Porsche an den Start gehen durfte, war ich mächtig stolz. Ich habe aber auch gemerkt, dass die Weltmarke noch immer ein Familienunternehmen ist. Das ist bei anderen Herstellern absolut nicht so. Ich identifiziere mich stark mit Porsche und fühle mich heimelig.

Nun also Formel E. Was sehen Sie bei einem Blick in die fernere berufliche Zukunft?

Als Rennfahrer muss man kurzfristig denken. Das nächste Rennen ist immer das wichtigste. Wahrscheinlich werde ich aber nicht bis zur Rente im Cockpit sitzen. Ich hoffe aber, dass ich möglichst lange in den Rennsport involviert sein werde.

Sie sind 2018 Papa geworden – was, wenn Ihr Sohn Rennfahrer werden will?

Wenn er gut genug ist, darf er das. Meine Eltern haben mir nie etwas verboten, wenn ich für die Sache hundert Prozent gegeben habe. Das möchte ich weitergeben.
 

„Organisation ist das A und O“

Zum Formel-E-Team gehören nicht nur Fahrer und Ingenieure. Teamkoordinatorin Katharina Kaess gibt Einblicke in ihren Job.

Katharina Kaess

Frau Kaess, wie sieht der Arbeitsalltag einer Teamkoordinatorin aus?

In zwei Worten: Reisen und Organisieren. In der Formel E werden wir circa 18 Wochen im Jahr unterwegs sein. Ich bin zum Beispiel dafür verantwortlich, dass das Team am Rennplatz ankommt, Shuttles und Catering bereitstehen. Zudem bin ich mit Marketing und Presse in Kontakt und betreue die Fahrer. Organisation ist das A und O.

Was ist das Besondere an Ihrem Job?

Er ist total abwechslungsreich, man erlebt immer etwas Neues. Das tollste Erlebnis bisher war 2015 unser 17. Gesamtsieg in Le Mans – die Stimmung in der Garage war unglaublich. Bei der Formel E freue ich mich am meisten darauf, durch die Stadtkurse viele Metropolen der Erde kennenzulernen.

Wie wird man Formel-E-Teamkoordinatorin?

Ich habe BWL mit der Vertiefung Automobilwirtschaft studiert. Über ein Praktikum kam ich zu Porsche. Es folgten Stationen im Projekt- und Eventmanagement. 2013 stieg ich in die Organisation des LMP1-Projekts ein und habe dort das erste Mal Rennluft geschnuppert. Seit dem Ausstieg aus der Langstrecken-WM 2018 bereiten wir uns auf die Formel E vor.

Interview Julia Bayer

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Verbrauchsangaben

  • 9,1 l/100km
  • 208 g/km

911 Carrera S Cabriolet

Kraftstoffverbrauch/Emissionen*
Kraftstoffverbrauch* kombiniert 9,1 l/100km
CO2-Emissionen* kombiniert 208 g/km