#GetCreativeWithPorsche: SimRacing

Porsche SimRacing-Champion Max Benecke verrät in der neuesten Folge der Reihe #GetCreativeWithPorsche, mit welchen Fähigkeiten er es an die Spitze des virtuellen Motorsports geschafft hat.

SimRacer Max Benecke ist mit Motorsport aufgewachsen: Er verfolgte mit seiner Familie die Formel 1 im Fernsehen, sah sich Rennen vor Ort an und fuhr in jungen Jahren sogar selbst Go-Kart. Doch die finanziellen Anforderungen einer professionellen Rennfahrerkarriere setzten seinen Ambitionen in der realen Welt schon bald ein Ende.

„Aber ich hatte schon immer eine Spielekonsole zu Hause“, verrät der 26-Jährige, der in der Nähe von Frankfurt lebt. „Und ich war verrückt nach Rennspielen. Anfang der 2000er-Jahre entdeckte ich Gran Turismo 4. Ich begann, die Spiele als Wettbewerb zu betrachten. Ich wollte immer der Beste sein, aber irgendwann wird es langweilig, Rennen gegen eine künstliche Intelligenz zu fahren.“

2009 brachte Codemasters das offiziell lizenzierte Formel-1-Rennspiel „F1“ heraus und Benecke begann, online Rennen in verschiedenen digitalen Ligen zu fahren, die schon bald überall auf der Welt gegründet wurden. Es entstanden enge Freundschaften zu mehreren seiner Mitstreiter, von denen viele mittlerweile mit ihm gemeinsam Rennen fahren.

Max Benecke, SimRacer, 2020, Porsche AG

Schon bald galt Benecke als einer der besten Online-SimRacer, doch es war noch immer eine relativ unbekannte Disziplin, die keine großen Namen des Motorsports anziehen konnte. „Die Porsche SimRacing Trophy 2018 war ein Wendepunkt. Porsche war der Auffassung, dass noch mehr getan werden müsse. Und so organisierten sie ebenfalls 2018 den Esports Supercup und den Porsche SimRacing Summit – ein wichtiger Meilenstein, denn von da an beteiligten sich auch andere große Marken am SimRacing.“

Und gerade als Simulationsrennen aus eigener Kraft an Fahrt gewannen, wurden aufgrund der Corona-Krise alle realen Motorsport-Veranstaltungen abgesagt. Weltbekannte Fahrer maßen sich vor zunehmend größerem Online-Publikum im Esport und brachten das SimRacing damit in die Schlagzeilen. Benecke fährt jetzt regelmäßig direkt neben Größen wie den Formel-1-Stars Max Verstappen und Lando Norris.

„Es ist einfach toll, gegen sie zu fahren“, sagt Benecke. „Sie geben einem wirklich einen sehr guten Einblick in das Fahrzeug. Ich habe aber auch viel gelernt, indem ich anderen bei Rennen in der realen Welt zugesehen habe – gerade wenn es um Ideallinien, Bremspunkte oder die richtige Geschwindigkeit für Kurven geht. Es gibt so viele Parallelen zwischen virtuellen und realen Rennen.“

„Ich wollte immer der Beste sein, aber irgendwann wird es langweilig, Rennen gegen eine künstliche Intelligenz zu fahren.“ Max Benecke

Aber wie erlangt zum Beispiel ein Benecke seinen Wettbewerbsvorteil? „Beim SimRacing geht vieles über Training“, erklärt er. „Man muss den Wagen abstimmen, fünf oder sechs Runden fahren und sich seine Zeiten anschauen.“ Das wiederholen SimRacer stundenlang, während es in der Realität, in der es nur eine begrenzte Streckenzeit gibt, eine wichtigere Rolle spielt, welches Gefühl die Fahrer mit dem Wagen haben und wie schnell sie sich ans Limit herantasten können.

„Es hängt auch vom Wettbewerbsniveau und der verfügbaren Zeit ab, aber für den Esports Supercup fahren wir sehr viele Runden. Vor der Auftaktrunde in Barcelona, als wir vor dem Rennen nur eine Woche Zeit hatten, fuhr ich acht bis neun Stunden am Tag. Nach fünf oder sechs Stunden stößt man an seine Grenzen, aber dann muss man bei der Abstimmung noch das letzte Quäntchen herausholen, und das kann wirklich frustrierend sein. Für ein Rennen trainieren wir in der Regel zwischen 30 und 40 Stunden.“

Benecke fährt aktuell für das Team Redline, das aus neun Fahrern, darunter auch Verstappen, und Mitarbeitern besteht, deren einzige Aufgabe es ist, die Telemetrie der Fahrzeuge zu studieren und ihre Abstimmung zu verbessern. SimRacing ist ein ernsthaftes Geschäft, komplex und vielschichtig, in dem es nun auch um einiges geht, da die Preisgelder in die Höhe schnellen und professionelle Karrieren entstehen.

Im Rahmen der Reihe #GetCreativeWithPorsche verrät Benecke seine wichtigsten Tipps zum SimRacing. Erfahren Sie, wie Ihnen der Einstieg in den virtuellen Motorsport gelingt und wie Sie das Beste aus sich und Ihrem Wagen herausholen können.

Erste Schritte

„Ich würde empfehlen, ein nicht zu teures Spiel zu kaufen – Codemaster F1, Gran Turismo oder Asseto Corsa – für das Sie nur einmalig zahlen. Außerdem sollten Sie sich ein günstiges Set aus Lenkrad und Pedalen zulegen – bei Logitech oder Thrustmaster kosten diese rund 200 Euro. So habe ich es gemacht. Für den Einstieg war es super. Dann fahren Sie einfach los. Fahren Sie gegen andere und schauen Sie, wie Sie sich dabei fühlen. Wenn es Ihnen gefällt, können Sie immer noch aufrüsten, aber Sie sollten sich sicher sein, dass Sie das wirklich wollen, bevor Sie sehr viel Geld investieren.

Wenn Sie das Gefühl haben, SimRacing ist etwas, was Sie wirklich weiterverfolgen möchten, legen Sie sich ein ambitionierteres Spiel zu. „iRacing“ ist ziemlich kostspielig – man zahlt eine monatliche oder jährliche Abo-Gebühr und zusätzlich für Wagen und Rennstrecken. Man kann also ziemlich viel Geld dafür ausgeben. Aber in Bezug auf den Wettkampf halte ich iRacing für die beste Plattform. Die Simulation verfügt über ein einzigartiges System, in dem Sie die ganze Zeit fahren können und anderen, vergleichbaren Fahrern zugeordnet werden.

Überlegen Sie sich, ob Sie Ihre Hardware nachrüsten möchten. Ich empfehle, dass Sie in jedem Fall als erstes das Pedalsystem wechseln, denn bessere Gas- und Bremspedale machen bei jedem Fahrzeug in jedem Spiel schon einen großen Unterschied aus. Als nächstes sollten Sie in ein besseres Lenkradsystem investieren – und erst danach über eine Dreier-Bildschirmkombination nachdenken. Aber geben Sie als Anfänger nicht zu viel aus und finden Sie erst einmal heraus, ob es Ihnen gefällt!“

Max Benecke, SimRacer, 2020, Porsche AG

Abstimmung

„An Ihrem Fahrzeug können Sie in iRacing sehr viel einstellen und abstimmen: vom Reifendruck und der Fahrhöhe über die Wanksteifigkeit bis hin zu Flügeleinstellungen. Bei jedem Aspekt können Sie die Abstimmung in viele verschiedene Richtungen vornehmen. Es kann schwierig sein, herauszufinden, welche Abstimmung für die jeweilige Rennstrecke am besten ist. Allgemein kann man aber sagen: Bei schnelleren Kurven sollte das Setup nicht zu weich ausfallen, damit das Auto am Kurvenausgang nicht wegrutscht. Und andersherum sollten Sie den Wagen für langsamere Strecken etwas weicher abstimmen, da er sonst zu holprig fährt.

Die Flügeleinstellung geht von eins bis neun, wobei eins für das niedrigste Abtriebsniveau steht. Auf einer Rennstrecke wie Donington Park zum Beispiel sollte man fast die höchste Einstellung wählen, da man den ganzen verfügbaren Abtrieb benötigt. Aber auf Strecken wie Le Mans, auf denen der Abtrieb eine geringere Rolle spielt, kostet eine Flügeleinstellung von neun auf der Geraden 5-7 km/h, sodass man in einer vierminütigen Runde einiges an Zeit verliert. Hier ist eine Flügeleinstellung von zwei oder drei empfehlenswert.

Max Benecke, SimRacer, 2020, Porsche AG

Eine Funktion zum Aufzeichnen der Telemetriedaten des Fahrzeugs hilft bei der richtigen Abstimmung. Achten Sie dabei auf die Reifentemperaturen und den Reifenverschleiß. Die Steifigkeit des Wagens und der Abtrieb haben einen großen Effekt in Kurven, auf das Bremsverhalten und beim Einlenken. Wenn man damit auf sich alleine gestellt ist, kann das anfangs alles etwas einschüchternd wirken, aber es lohnt sich wirklich, sich einige Zeit damit zu beschäftigen.

Sie merken den Unterschied beim Fahren, aber für die richtige Abstimmung sind sehr beständige Rundenzeiten entscheidend. Wenn wir etwas an der Abstimmung ändern, fahren wir erst einmal fünf Runden und dann zurück in die Box. Und wenn diese fünf Runden nicht alle bis auf eine Zehntelsekunde gleich waren, hat es praktisch keinen Sinn. Wenn man diese Beständigkeit nicht hinbekommt, kann die Telemetrie wirklich helfen, das Problem zu lokalisieren.“

Die richtige Technik

„Lernen Sie von anderen: Schauen Sie Fahrern zu und achten Sie dabei vor allem darauf, wie sie bremsen. Als ich mit iRacing angefangen habe, war ich ein wirklich schlechter Bremser. 90 Prozent der Zeit, die man verliert, sind auf das Bremsverhalten zurückzuführen. Sie sollten also darauf achten, dass Sie ganz präzise bremsen. Langsam in die Kurve und schnell wieder raus. Sie kennen das Motto sicher.

Was den Fahrstil angeht, so sollten Sie Ihre Fahrlinie perfektionieren und jeden noch so kleinen Teil der Strecke ausnutzen. Wenn eingangs der Kurve ein Kerb vorhanden ist, nutzen Sie ihn. Fahren Sie fast bis auf den Rasen, um jede Kurve so schnell wie möglich zu durchfahren. Nutzen Sie nach Möglichkeit immer den gesamten vorhandenen Platz und versuchen Sie, in jeder Runde genau an der gleichen Stelle zu bremsen.

Max Benecke, SimRacer, 2020, Porsche AG

Im SimRacing gibt es zwischen Qualifying und Rennen kaum einen Unterschied, außer beim Kraftstoff. Ein Rennen startet man mit 50 oder 60 Litern im Tank, ein Qualifying mit sieben oder acht. Je nachdem, wo sich der Tank befindet, reagiert der Wagen anders. Man verliert entweder vorne oder hinten an Abtrieb. Trainieren Sie also beides, um ein Gefühl für den Wagen in jeder Situation zu bekommen.

Gehen Sie möglichst clever vor und denken Sie nicht nur an Ihren Bremspunkt, sondern auch daran, wie sich Ihr Gegenspieler verhält. Fragen Sie sich, was Sie in genau diesem Moment tun würden, wenn Sie hinten liegen würden. Überholen und seine Position verteidigen erfordert viel Kopfarbeit. Versuchen Sie außerdem, zwei oder drei Kurven vorauszudenken, damit Sie wissen, wann Sie auf der Innenspur sind. Setzen Sie den Fahrer vor sich unter Druck, indem Sie ihn wissen lassen, dass Sie an ihm dran sind. Und haben Sie Geduld!“

Auffallen

„Es mag offensichtlich klingen, aber der Schlüssel zum SimRacing-Erfolg ist üben, üben, üben! Sorgen Sie dafür, dass Sie für jedes Rennen, an dem Sie teilnehmen, auch gut genug sind. Sie müssen zeigen, dass Sie an die Spitze gehören, egal in welchem Auto oder auf welcher Strecke.

Seien Sie offen für alles und nutzen Sie jede Chance, die Sie erhalten. Ich stehe heute da, wo ich bin, weil ich die Porsche SimRacing Trophy und die iRacing World Championship im selben Jahr gewonnen habe. Ab diesem Zeitpunkt sind die Leute auf mich zugekommen. Spielen Sie stets auf Sieg. Schaffen Sie sich Ihre Chancen selbst.

Seien Sie bei allem, was Sie tun, so professionell wie nur möglich. Achten Sie darauf, wie Sie auf den Social-Media-Kanälen rüberkommen, was Sie dort posten und wie Sie sich beim Streamen während des Fahrens verhalten. Das alles hat Einfluss darauf, wie potenzielle Partner Sie wahrnehmen und wie Ihre Follower mit Ihnen interagieren.

Ich wiederhole mich, aber das Allerwichtigste für Erfolg im SimRacing ist kontinuierliches Üben. Gehen Sie das Training so professionell wie möglich an. Seien Sie engagiert, bleiben Sie fit, seien Sie optimistisch und vergessen Sie nicht den Spaß an der Sache! Wenn Sie das beherzigen, stehen Ihnen alle Türen offen.“

Info

Fotos: Matthias Mederer/ramp.pictures

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