Verkuppelt: Porsche 911 Speedster mit Wohnanhänger

Natürlich ist er in diesem Jahr schon mit seinem Speedster gefahren. Kurz zwar nur, weil es wirklich lausig kalt war, aber er kann einfach nicht ohne. Volker Schiersch ist nicht der typische Sammler, er ist passionierter Fahrer.

Das Urige, das Unverfälschte, die Handschaltung – das alles macht für ihn den Reiz seines absolut offenen Elfers aus. „Es passt so wunderbar zum Alter“, sagt er und meint damit sowohl das des Porsches als auch das eigene. „Man ist doch damals damit groß geworden: Zwischengas geben, Vergaser einstellen, die Karosserie für den TÜV selbst wieder zusammenschweißen.“

Schierschs Liebe zu Luftgekühlten begann, wie bei so vielen, mit einem VW Standard, als Student finanzierte er sich dann mit Nebenjobs seinen ersten Porsche, einen 356C mit 75 PS. Das Fahrgefühl mit dem Heckmotor und frei von jeder Servohilfe, er wollte es nicht mehr missen. Bald darauf kam sein erster Offener. Ein 1957er Porsche 356 Speedster in rot. Seitdem ließ ihn der pure und ungefilterte Fahrgenuss nicht mehr los.

Als sich die Gelegenheit ergab, griff er also vor einigen Jahren zu, als ihm ein nahezu makelloser 911 Speedster der G-Modell-Baureihe angeboten wurde. „Das Auto war perfekt, die Lackierung in silber-metallic ist nicht nur zeitlos, sondern noch einmal deutlich seltener als indischrot, schwarz oder grand-prix-weiß“, sagt Schiersch.

Volker Schiersch, 911 Speedster, 2019, Porsche AG
Schiersch: „Speedsterfahren macht einfach richtig Freude."

Die Fahrfreude mit dem 231 PS starken 3.2 Liter-Boxermotor sei noch größer als mit seinen anderen Cabriolets – in seiner Garage stehen noch zwei Briten, ein Morgan Plus 8 und ein Aston Martin DB9 Volante. „Das Schönste ist immer noch das Geräusch eines luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotors. Speedsterfahren macht einfach richtig Freude. Man muss wach sein beim Fahren, diese Integration ins Geschehen mag ich am meisten.“

Und um immer wirklich ausgeschlafen zu sein, hat Schiersch seinen Speedster noch um ein besonderes Detail ergänzt: einer originalen Porsche-Anhängerkupplung. Denn seine Fahrzeugsammlung enthält auch einen klassischen Hymer Eriba Puck Wohnwagen von 1975. Diesen zog er vor vielen Jahren schon mit seinem damaligen Porsche 911 Targa – der übrigens einmal von Franz Beckenbauer quasi TÜV-geprüft wurde, nachdem Schiersch ihn auf einem Flug von Bremen nach München als Sitznachbarn hatte und den Fußball-Kaiser mangels Autogrammkarte auf der Rückseite seines 911 Targa-Fahrzeugscheins unterschreiben ließ.

911 Speedster, 2019, Porsche AG
Schiersch ließ den Anhänger in „Porsche 980, silber-metallic“ lackieren

Mit der Anhängerkupplung hatte Schiersch indes Glück: Weltweit waren gerade noch zwei Nachrüstsätze für die G-Modell-Baureihen verfügbar. Um den Auftritt seines wahrscheinlich einzigartigen Gespanns perfekt zu machen, ließ er den Wohnanhänger im Rahmen einer Restauration noch in „Porsche 980, silber-metallic“ lackieren – passend zum Speedster.

„Der Speedster wird dieses Jahr 30 Jahre alt.“ Volker Schiersch

„Große Touren fahren wir mit angehängtem Trailer allerdings nicht mehr. Lieber bleiben wir hier oben an der Nordseeküste und genießen die Ruhe“, erklärt Schiersch mit Blick auf die 80 km/h-Begrenzung mit angehängtem Wohnwagen. „Doch die Enkelkinder in Düsseldorf und Osnabrück besuchen wir selbstverständlich nur mit dem Hymer. Für die Kleinen ist es das Größte, wenn sie draußen im Wohnwagen schlafen dürfen.“

Eine lange Fahrt reizt ihn dann aber doch noch: „Vielleicht fahre ich demnächst noch einmal nach Salzburg“, erzählt Schiersch. Mit einem breiten Grinsen fügt er an: „Der Speedster wird dieses Jahr 30 Jahre alt – da brauche ich noch eine Unterschrift von Beckenbauer für die TÜV-Abnahme zum Oldtimer.“

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