09.01.2017

Mehr Mut, nicht weniger Risiken

In einem Gastbeitrag äußert sich Porsche-Chef Oliver Blume zur Risiko-Aversion der Deutschen. Er ruft zu mehr Mut auf, auch Fehler machen zu dürfen sowie Rückschläge und Niederlagen zu akzeptieren.

„Wir Deutschen sind Weltmeister: Nicht nur Fußballmeister, sondern auch Versicherungsweltmeister, Sparweltmeister und Bürokratieweltmeister. Wir lieben Beständigkeit. Wir scheuen Veränderung. Nur kein Kontrollverlust.

Unsere Mentalität? Die deutsche Zögerlichkeit ist in der Welt sprichwörtlich. Nichts scheint gut genug, um es noch schlechter zu machen. Risiken? So wenig wie möglich! Sicherheit? So viel wie möglich!

Die gute Nachricht: Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland traut sich inzwischen eine Selbständigkeit zu. Tatsächlich werden hierzulande zwar weniger kleine, aber dafür wieder mehr größere Unternehmen gegründet. In keiner anderen Ökonomie gibt es mehr Weltmarktführer. Es mangelt also nicht an Ideen. Andererseits: Nirgendwo ist die Angst vor dem Scheitern größer.

Mancher hält die Risikoaversion der Deutschen für das größte Hightechhindernis. In den USA überstehen weniger als ein Drittel der Start-ups die ersten zehn Jahre. Trotzdem (oder gerade deshalb) gelten die USA als Taktgeber für bahnbrechende Innovationen.

Gute Unternehmer, große und kleine, junge und alte, sind keine Hasardeure. Aber für mich gehört der Mut, auch scheitern zu dürfen, schon in den Schulunterricht.

Die typischen Tugenden der Deutschen, ihr Erfinder- und Tüftlergeist, ihr Fleiß, ihre Zuverlässigkeit, ihre Leistungsbereitschaft – das alles hat uns Wohlstand, Sicherheit und Respekt in aller Welt beschert. Aber ist das genug? Vieles, was wir erreicht haben, steht auf dem Spiel. Nie war die Unsicherheit größer.

Unser Anspruch nach Perfektion ist unser Antrieb. Nach dem Bestmöglichen zu streben, darf uns nicht daran hindern, auch mal etwas auszuprobieren. Ohne den Mut, Risiken einzugehen, können wir nicht erfolgreich sein. Wir müssen Mut haben, Rückschläge und Niederlagen zu akzeptieren. Wir müssen lernen, dass wir nicht für alles eine Versicherung brauchen.

Trotzdem bin ich optimistisch: Gerade wenn es darauf ankommt, zeigen die Deutschen ihre Stärken. Ich spüre eine Aufbruchsstimmung – bei Start-ups, in der Industrie und in der Gesellschaft.

Was wir jetzt brauchen, sind nicht weniger Risiken. Wir brauchen mehr Mut!“

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