15.10.2015

Der neue Mann an der Porsche-Spitze

Als Produktionsvorstand hat Oliver Blume seit 2013 für reibungslose Abläufe in den Porsche-Werken gesorgt. Nun steht der 47-Jährige vor weiteren Herausforderungen. Der neue Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Sportwagenherstellers im Porträt.

Selbst wenn offensichtlich alles läuft wie am Schnürchen, knobelt Oliver Blume in Gedanken schon an der nächsten Aufgabe: Wie lässt sich die Taktung der Linie noch exakter festlegen? Wo kann man bei der Anlieferung der Teile oder im Fertigungsprozess noch wertvolle Minuten gewinnen? Wie können die Arbeitsschritte für die Monteure noch ergonomischer gestaltet werden – natürlich bei gleichbleibend höchster Qualität der Produkte? Kaum ein Automobilhersteller arbeitet so effizient wie Porsche – und dennoch: Auch der beste Prozess kann immer noch ein Stückchen weiter optimiert werden.

Als Produktionsvorstand hat Oliver Blume dieses Prinzip in den vergangenen Jahren verinnerlicht wie kein Zweiter – und sich damit für den Vorstandsvorsitz qualifiziert. „Mit Blick auf die besonders hohe fachliche Kompetenz und die ausgeprägte Teamfähigkeit von Oliver Blume haben wir den bestmöglichen Nachfolger für Matthias Müller gefunden“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Wolfgang Porsche. Betriebsratschef Uwe Hück hält ebenfalls große Stücke auf den Spitzenmanager: „Oliver Blume hat ein großes Herz. Er ist einer von uns, durch und durch Porscheaner. Was ich an ihm schätze, sind seine Bodenständigkeit, seine soziale Einstellung und seine Art, unsere Kolleginnen und Kollegen zu begeistern.“

Diese Begeisterung merkt man auch Blume selbst an: „Porsche ist eine ausgesprochen emotionale Marke mit einer enormen Strahlkraft; sie ist etwas ganz Besonderes.“ Das gelte nicht nur für ihre Produkte, die weltweit für leuchtende Augen sorgen, sondern auch für die Arbeitsbedingungen der Menschen im Unternehmen. „Das Unternehmen ist schlank aufgestellt und hat unheimlich motivierte Mitarbeiter“, so der Top-Manager. „Dazu eine gehörige Portion Pragmatismus und eine sehr hohe Umsetzungsgeschwindigkeit. Das sind die Dinge die mich begeistern und mir tagtäglich Spaß machen.“ Auch privat ist Stuttgart der richtige Ort für Blume: Mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern lebt er mittendrin, in Zentrumsnähe; hier hat der passionierte Hobbysportler seine angestammten Joggingstrecken, auf denen er für den nächsten Halbmarathon trainiert.  

Aufgewachsen in der Automobilregion Braunschweig

Geboren und aufgewachsen ist Blume ein gutes Stück weiter nördlich, in Braunschweig. In unmittelbarer Nähe zum dortigen Volkswagen-Werk, umgeben von Dutzenden Automobilzulieferern, lebte er von klein auf in einer Hochburg der Fahrzeugindustrie. Nach dem Abitur war der Studiengang Maschinenbau an der Technischen Universität Braunschweig für ihn ein naheliegender Schritt, der ihm in der Folge die Tür zur Welt der Automobile öffnen sollte. Mit dem Diplom in der Tasche startete er als Trainee bei Audi – der Beginn einer steilen Karriere. In verschiedenen Führungspositionen bei Audi, SEAT und Volkswagen überzeugte Blume seitdem durch Präzision, Ehrgeiz, und Entscheidungsstärke. Vor allem aber auch durch einen ausgeprägten Mannschaftsgeist: Seine Weggefährten schätzen Oliver Blume als ausgesprochenen Teamplayer. Und zwar wortwörtlich – schon im Fußballverein spielte Blume als Libero eine zentrale Rolle für seine Mannschaft. Bei Porsche ist er ein Chef, der mit anpackt; ein kluger Stratege, der Wert auf kollegialen Umgang legt und sich für seine Mitarbeiter interessiert.

Teamgeist und Leistungsbereitschaft seiner Mannschaft sieht Blume als entscheidende Faktoren für die Erfolge, die er in den letzten Jahren für den Zuffenhausener Sportwagenbauer verbuchen konnte. Bei Blumes Antritt als Produktionsvorstand sah sich Porsche wegweisenden Herausforderungen gegenüber: Mit den Modellen Macan und 918 Spyder hat der Sportwagenbauer seither zwei äußerst erfolgreiche Produkte in den Markt eingeführt. Für den Supersportwagen hat Porsche eine exklusive Manufaktur in Zuffenhausen eingerichtet. Darüber hinaus entstehen ein neues Motorenwerk, ein Karosseriebau und ein Analysezentrum. Ein neues Ausbildungszentrum ist bereits eröffnet worden. Insgesamt investiert Porsche rund 300 Millionen in sein Stammwerk. Und auch in Sachsen wächst das Unternehmen kräftig. So ist Leipzig inzwischen zum Vollwerk geworden. Für den Panamera, der ab 2016 komplett in Leipzig gebaut wird, geht der Ausbau nun weiter. Karosseriebau, Logistikzentrale, Qualitätszentrum – alles neu. 500 Millionen Euro nimmt der Sportwagenhersteller dafür in die Hand. Ganz im Sinne der Mission, die Oliver Blume für sich definiert hat: „Wir stellen bei Porsche die richtigen Weichen für die Zukunft.“

Das Porsche-Produktionssystem: durchgeplant bis ins Detail

Auch künftig werden die Aufgaben für Oliver Blume also vielfältig, die Projekte spannend sein. Das hohe Maß an Komplexität und Individualität, die Kunst, schnell auf unerwartete Änderungen zu reagieren und gleichzeitig einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten – das sind Herausforderungen ganz nach Oliver Blumes Geschmack. Und solange alles seine Ordnung hat und reibungslos läuft, tritt der kreative Tüftler, der Taktiker und Freund der Details Oliver Blume hinter seinen komplexen Planungen am liebsten in den Hintergrund. Er ist eher der zurückhaltende Typ, braucht den großen Auftritt nicht unbedingt. Als Vorstandsvorsitzender von Porsche kommt er daran allerdings künftig wohl nicht mehr vorbei.

Oliver Blume

Geboren wird Oliver Blume 1968 in Braunschweig, wo er 1987 auch sein Abitur und 1994 sein Diplom zum Maschinenbau-Ingenieur an der Technischen Universität ablegte. Mit dem internationalen Traineeprogramm der Audi AG steigt er direkt darauf in die Automobilbranche ein, im Anschluss arbeitet er als Planer für Karosseriebau und Lackiererei. Nur drei Jahre später übernimmt er die Leitung des Karosseriebaus für den Audi A3. Promoviert wird Blume 2001 an der Tongji Universität Shanghai, im gleichen Jahr wird er zum Vorstandsassistent Produktion der Audi AG berufen. Ab 2003 leitet er standortübergreifend die Audi Pilothallen, 2004 wechselt er als Leiter Planung und Vorseriencenter zu SEAT nach Barcelona und 2009 wird er Leiter Produktionsplanung Marke Volkswagen. 2013 übernimmt er den Vorstand für Produktion und Logistik der Porsche AG in Stuttgart, bevor er dort 2015 zum Vorstandsvorsitzenden berufen wird.

Verbrauchsangaben

918 Spyder : Kraftstoffverbrauch/Emissionen* kombiniert: 3,1 bis 3,0 l/100 km; CO2-Emission: 72 bis 70 in g/km; Stromverbrauch: 12,7 kWh/100 km

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