Seit seinem Produktionsstart im Jahr 2002 ist der Cayenne eng mit Bratislava verbunden. Anfangs wurden dort die Karosserien gefertigt, teilmontiert und anschließend nach Leipzig transportiert. Mit der dritten Generation des SUV verlagerte Porsche 2017 die Fertigung vollständig in die slowakische Hauptstadt. Ab 2026 entsteht dort auch der Cayenne Electric – auf derselben Linie wie die Modelle mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb. Diese flexible Produktion ermöglicht es Porsche, schnell auf Veränderungen der Nachfrage zu reagieren.
Für die Produktion des Elektro-SUV wurde der Mehrmarken-Standort des Volkswagen-Konzerns im Stadtteil Devínska Nová Ves umfangreich erweitert. Herzstück der Umbaumaßnahmen ist eine neue Plattformhalle. Sie ist die Geburtsstätte jedes Cayenne Electric: Hier wird das skateboardartige Chassis aufgebaut und in den nächsten Schritten um Seitenwände, Dach, Türen, Fronthaube und Heckklappe ergänzt. Diese Karosserieanbauteile kommen aus dem Presswerk. Mit einer fast vollautomatisierten Presslinie ist es eines der modernsten Presswerke Europas. Die maximale Druckkraft der Hauptpresse beträgt 91.000 kN.
Im Anschluss erfolgt eine Abnahmekontrolle der Karosse. Dort überprüfen die Mitarbeiter unter anderem die Fügeverbindungen und die Oberflächenqualität sorgfältig. Sind alle Qualitätsanforderungen erfüllt, erfolgt die Übergabe an die Lackiererei.
In der Montage werden die Hochvolt-Batterie und die Antriebseinheiten verbaut. Im Topmodell, dem Cayenne Turbo, kommt an der Hinterachse ein in Weissach entwickelter Elektroantrieb zum Einsatz. Er wird im Werk 4 in Zuffenhausen produziert, nach Bratislava geliefert und dort verbaut. Unabhängig vom Entwicklungs- und Produktionsstandort sind alle im Cayenne verwendeten Antriebe Porsche typisch appliziert.
Die Endfertigung erfolgt ebenfalls in der Montage. Die Karosserie erhält ihr Interieur, je nach Kundenwunsch auch mit individualisierten Ausstattungsdetails (siehe separates Kapitel). Zudem werden Exterieur-Komponenten wie Scheiben, Scheinwerfer und weitere Anbauteile verbaut.
Als erster Automobilhersteller hat Porsche induktives Laden zur Marktreife gebracht. Der vollelektrische Cayenne wird als erste Modellreihe mit der fahrzeugseitigen Ausstattung von Porsche Wireless Charging zu bestellen sein. Ein eigener Prüfstand im Werk Bratislava stellt sicher, dass das berührungslose Laden später zu Hause reibungslos klappt. Neben Prüffahrten ist das Audit eine weitere wichtige Qualitätssicherungsmaßnahme. Dabei werden Fahrzeuge aller Modellvarianten einer besonders umfassenden Prüfung unterzogen.
Aktueller Software-Stand kann schneller aufgespielt werden
Um unterscheiden zu können, ob beispielsweise ein Cayenne oder ein Cayenne Turbo produziert wird, tragen alle Fahrzeuge einen Transponder (RFID-Tag) mit Identifizierungscode. Dieser enthält sämtliche fahrzeugrelevante Informationen. Jeder Cayenne wird zusätzlich mit einem Multifunktionstester ausgerüstet und verbunden. Dieses Gerät überträgt die neuesten Software-Stände, erfasst während der Produktion alle wesentlichen Parameter und überwacht beispielsweise die Batterietemperatur. Im „Mission Control“-Bereich laufen sämtliche Daten des Produktionsprozesses zusammen. Abweichungen können so sofort erkannt und direkt behoben werden.
Dank der neuen Elektronikarchitektur des Cayenne kann die Fahrzeug-Software deutlich schneller und effizienter als bei der Vorgängergeneration aufgespielt werden. Das Flashen ermöglicht, dass jedes Fahrzeug mit dem aktuellsten Softwarestand ausgeliefert wird.
Residenten-Modell als Brücke zwischen Weissach und Bratislava
Die Prozesse werden digital simuliert und optimiert, noch bevor sie im Werk real umgesetzt werden. Damit wird die operative Effizienz gesteigert. Parallel setzt Porsche auf bewährte analoge Expertise und nutzt das sogenannte Residenten-Modell: Um eine nahtlose Zusammenarbeit sicherzustellen, ist eine kleine Gruppe von Mitarbeitern der Porsche AG dauerhaft im Werk Bratislava präsent. Sie greifen aktuelle Herausforderungen direkt auf und bringen sie in die Porsche-Organisation ein. Damit sorgen sie für einen schnellen, zielgerichteten Austausch im dynamischen Umfeld eines Neufahrzeuganlaufs. Die Residenten bilden eine Brücke zwischen Fahrzeugentwicklung und Produktion – und umgekehrt. Sie verringern die Distanz zwischen Weissach und Bratislava.
Die Residenten stammen aus Bereichen wie Logistik, Entwicklung, Karosseriebau sowie Fahrsystem und Software. Sie tragen maßgeblich zur Optimierung der Abläufe und zur Vorbereitung des Produktionsanlaufs bei.
Weniger Ressourcenverbrauch, mehr Effizienz, reduzierte Klimawirkung
Porsche nimmt Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette seiner Fahrzeuge aktiv wahr. Für den Cayenne Electric wurden gezielt Nachhaltigkeitsmaßnahmen entlang dieser Kette initiiert, um die Klimawirkung zu reduzieren.
Es gibt zwei zentrale Einflussgrößen auf die Klimawirkung des Cayenne Electric:der verstärkte Einsatz von recyceltem und CO₂-reduziertem Aluminium sowie die Reduzierung der CO₂-Emissionen der Zellen der Hochvolt-Batterie. Bei diesen konnte Porsche durch Maßnahmen entlang der Lieferkette und in der Herstellung rund die Hälfte der sonst erwarteten Klimawirkung reduzieren. Möglich war dies unter anderem durch den Einsatz von CO₂-reduziertem Nickel und Lithium sowie Strom aus erneuerbaren Energien in der Batteriezellproduktion.
Mit jedem neuen vollelektrischen Fahrzeug entsteht durch das Laden in der Nutzungsphase ein zusätzlicher Bedarf an Strom. Porsche unterstützt daher den großflächigen Ausbau neuer Wind- und Solaranlagen, deren erzeugte Energie in die Stromnetze eingespeist wird. Bei der Produktion des Cayenne Electric kommt ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz, der zum überwiegenden Teil aus slowakischen Wasserkraftwerken stammt. Für die Raumwärme wird mit Hilfe einer leistungsstarken Wärmepumpe die Abwärme aus dem Karosseriebau genutzt.
Durch einen effizienten Energieeinsatz werden weitere CO₂-Emissionen reduziert. Das geschieht beispielsweise mittels optimierter Temperaturen in den Lackier- und Füllerkabinen oder mit einer Programmierung der Roboter im Karosseriebau, sodass diese während der Pausenzeiten automatisch in einen Sleep-Modus fallen. Auch der Trinkwasserverbrauch konnte deutlich reduziert werden, da seit 2022 im Produktionsprozess ausschließlich Brauchwasser aus eigenen Brunnen verwendet wird.
Diese und weitere Maßnahmen zeigen Wirkung: Der Volkswagen Konzern konnte die Umweltbelastung pro produziertem Fahrzeug am Standort Bratislava in den fünf Schlüsselindikatoren (Energie- und Wasserverbrauch, zu entsorgende Abfälle sowie CO₂- und VOC-Emissionen) zwischen 2010 und 2024 im Durchschnitt um 66,8 Prozent reduzieren.
Zahlen, Daten, Fakten
- 1971 als Bratislavské automobilové závody n.p. (Automobilwerke Bratislava)gegründet, gehört das Werk Bratislava seit 1991 zur Volkswagen AG.
- Am Mehrmarken-Standort werden aktuell zwölf Modelle für vier Konzernmarkengefertigt.
- 2024 wurden insgesamt 341.111 Fahrzeuge produziert, fast jedes zweite mitelektrifiziertem Antrieb.
- Mit circa 12.500 Beschäftigten¹ ist das Werk der größte private Arbeitgeber in der Slowakei.
- Mit rund zwei Millionen Quadratmetern ist das Werksgelände so groß wie 280 Fußballfelder.
- Das Werk in Bratislava umfasst 55.895 Quadratmeter Gras- und Wiesenflächen, die zur Erhöhung der Biodiversität in der Umgebung beitragen. Zudem wurden 1.632 Laub- und Nadelbäume gepflanzt.
- Im Werk befinden sich 14 Insektenhäuser und 16 Vogelfutterstellen, die der lokalen Fauna Schutz bieten.
Spotlight
Umfangreiche Individualität ab Werk
Noch nie ließ sich ein Cayenne so umfassend und individuell gestalten wie das neue vollelektrische Modell. Kunden können aus 13 Serienfarben, neun Räder-Designs von 20 bis 22 Zoll, zwölf Interieur-Kombinationen sowie bis zu fünf Interieur- und bis zu fünf Akzentpaketen wählen. Über das Angebot der Porsche Exclusive Manufaktur, das erweiterte Exterieur-Farbangebot Farbe nach Wahl sowie Sonderwunsch können Kunden ihren Cayenne zudem von einzelnen Optionen bis hin zum ganz persönlichen Sonderwunsch-Unikat individualisieren. Damit bietet der Cayenne Electric ein Individualisierungsangebot, das es in dieser Breite und Tiefe bei einem Porsche SUV noch nie gegeben hat.
Viele kundenindividuelle Farb- und Materialwünsche im Interieur und Exterieur sind im Werk Bratislava direkt in den Produktionsdurchlauf integriert. Umfassendere Individualisierungen erfordern es, das Fahrzeug vom Montageband auszuschleusen und in einen speziellen Hallen-Bereich zu transportieren. Dort erfüllen besonders erfahrene Mitarbeiter die aufwendigeren Kundenwünsche. Sind alle individuellen Komponenten verbaut, kehrt das so komplettierte Fahrzeug wieder in die reguläre Montagelinie zurück. So kombiniert Porsche die Stärken einer automatisierten Fertigung mit den Vorteilen einer Automobil-Manufaktur.
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¹Angabe zum Jahresende 2024, Stamm- und Leiharbeiter