07.08.2017

Porsche 911 RSR Zweiter in Herzschlagfinale

In der IMSA SportsCar Championship fährt der neue Porsche 911 RSR weiter auf Erfolgskurs. Zwei Wochen nach dem ersten Sieg in Lime Rock kamen Gianmaria Bruni und Laurens Vanthoor auf der Road America in einem Herzschlagfinale als Zweite ins Ziel.

Nach 2:40 Stunden auf der 6,515 Kilometer langen Rennstrecke in der Nähe von Elkhart Lake im US-Bundesstaat Wisconsin fehlten Laurens Vanthoor (Belgien) und Gianmaria Bruni (Italien) nur sechs Zehntelsekunden zum Sieg. Auch beim Porsche-Doppelerfolg in Lime Rock hatten sie den zweiten Platz belegt. Ihre Teamkollegen und Lime-Rock-Gewinner Patrick Pilet (Frankreich) und Dirk Werner (Würzburg) fielen nach einer Kollision in der Schlussphase zurück und mussten sich mit Rang acht zufrieden geben. Der vom Porsche GT Team eingesetzte 911 RSR wurde von Porsche Motorsport auf Basis des Hochleistungssportwagens 911 GT3 RS für diese Saison komplett neu entwickelt.

Im 911 RSR mit der Startnummer 912 konnte Gianmaria Bruni schon in der ersten Runde vom vierten auf den dritten Platz vorfahren. In seinem Windschatten folgte Patrick Pilet, der mit der Startnummer 911 sogar zwei Konkurrenten überholte. Diese Positionen behaupteten sie bis zum ersten Boxenstopp. Für Porsche war es ein eher unspektakuläres Rennen – bis zur letzten Stunde. Da ging Laurens Vanthoor, der Teamkollege von Gianmaria Bruni, durch einen kurzen Boxenstopp begünstigt in Führung. Beim Re-Start nach der Safety-Car-Phase kam er dann allerdings zu weit nach außen und musste den Ford vorbeilassen. In einem spannenden Finale fuhr er voll auf Angriff und versuchte alles, sich die Führung zurückzuholen. Am Ende musste er sich aber knapp geschlagen geben. Für Dirk Werner, der Patrick Pilet abgelöst hatte, verlief der Re-Start noch folgenreicher: Durch eine unverschuldete Kollision mit einer Corvette wurde sein 911 RSR ins Kiesbett befördert und spielte dadurch im weiteren Rennverlauf keine Rolle mehr.

Der 911 RSR auf der legendären Road America

In der Klasse GTD, in der Porsche-Kundenteams den 500 PS starken 911 GT3 R einsetzen, belegte Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister (Langenfeld) den zweiten Platz. Vor zwei Wochen hatte er für Park Place Motorsports zusammen mit Patrick Lindsey (USA) in Lime Rock seinen ersten Saisonsieg gefeiert.

Stimmen zum Rennen

Dr. Michael Steiner, Vorstand Forschung und Entwicklung Porsche AG: „Das Porsche GT Team hat auf dieser fantastischen Rennstrecke den zweiten Sieg in Folge nur um Sekundenbruchteile verpasst, jedoch erneut mit einer starken Mannschaftsleistung überzeugt. Die IMSA SportsCar Championship ist eine hochklassige Sportwagenserie. Die Fans erleben vor allem in den GT-Kategorien spannende und hart umkämpfte Rennen. Für mich war es eine interessante Erfahrung, die großartige Arbeit des Teams während des Qualifyings von der Box aus zu verfolgen.“

Marco Ujhasi, Gesamtprojektleiter GT-Werksmotorsport: „Wir haben uns über das ganze Wochenende kontinuierlich verbessert. Im Training haben wir gesehen, dass wir auf eine Runde die Pace der Schnellsten nicht mitgehen können. Deshalb haben wir uns auf die Rennvorbereitung konzentriert. Das hat sich ausgezahlt. Im Rennen waren wir bis zum Schluss absolut dabei und in der Lage, um den Sieg zu kämpfen. Leider hat es nicht ganz gereicht. Mit der Entwicklung übers Wochenende sind wir aber sehr zufrieden. Schade, dass unsere Nummer 911 durch die Kollision in der ersten Kurve nach dem Re-Start praktisch aus dem Rennen genommen wurde. Dadurch verlieren wir sehr viele Meisterschaftspunkte. Auch dieses Auto war absolut wettbewerbsfähig. Wir nehmen viele positive Eindrücke mit zum nächsten Rennen nach Virginia. Und die Dinge, an denen wir noch arbeiten müssen, gehen wir konzentriert an.“

Laurens Vanthoor (911 RSR #912): „Das war ein Rennen mit Höhen und Tiefen. Als wir in der letzten Rennstunde früher als geplant kurz vor einer Gelbphase an die Box gingen, weil wir ein Reifenproblem vermuteten, hat uns das die Führung gebracht. Da war sicherlich etwas Glück dabei, denn die Reifen waren in Ordnung. Nach dem Re-Start wollte ich ein langsameres GTD-Auto überholen, das mich jedoch geblockt und zu einem Fehler verleitet hat. Es ist ärgerlich, dadurch die Führung und vielleicht auch den Sieg verloren zu haben, doch sowas passiert nun mal. Trotzdem: Auf dieser schwierigen Strecke Zweiter zu werden, ist ein gutes Ergebnis.“

Gianmaria Bruni (911 RSR #912): „Das war ein sehr hartes Rennen. Ich hatte einen guten Start, konnte schon in der dritten Kurve den Ford vor mir überholen. Das Team hatte eine gute Strategie erarbeitet, und Laurens hat sie nach dem Boxenstopp fast perfekt umgesetzt. Bis kurz vor dem Ziel habe ich geglaubt, dass wir noch gewinnen können. Doch auch dieser zweite Platz ist ein tolles Resultat und eine gute Motivation für die restlichen Rennen dieser Saison.“

Patrick Pilet (911 RSR #911): „Unser 911 RSR hat auch heute großartig funktioniert, und das Team hat uns wieder sehr gut unterstützt. Leider war das nicht unser Rennen. Schade, wir waren gut genug, um auch auf der Road America zu gewinnen, haben das aber nicht umsetzen können. Jetzt versuchen wir es in Virginia.“

Dirk Werner (911 RSR #911): „In der Schlussphase des Rennens war für uns noch alles möglich. Nach der letzten Boxenstopprunde war ich Fünfter und wollte beim Re-Start nach der Safety-Car-Phase die vor mir liegende Corvette überholen. Doch die zog beim Anbremsen der ersten Kurve im letzten Moment nach links und hat mich in den Kies befördert. Das gab zwar eine Strafe, doch dafür können wir uns nichts kaufen. Ich freue mich für unsere Teamkollegen von der 912 und hoffe, dass wir in Virginia wieder mehr aus unseren guten Möglichkeiten machen können.“

Jörg Bergmeister (911 GT3 R #73): „Wir waren das ganze Wochenende über schnell unterwegs. Der 911 GT3 R fühlte sich sehr gut an, und Patrick ist ein starkes Rennen gefahren. Ich hatte gerade den vor mir fahrenden Acura überholt und war Zweiter, als ich wegen eines platten Reifens an die Box musste. Damit war unser Rennen eigentlich gelaufen. Doch glücklicherweise gab es kurz darauf eine weitere Safety-Car-Phase, in der wir kürzer stoppen konnten als unsere Konkurrenten, weil wir schon vorher getankt hatten. Dadurch konnte ich wieder auf den zweiten Platz vorfahren.“

Rennergebnisse

Klasse GTLM
1. Hand/Müller (USA/D), Ford GT, 69 Runden
2. Vanthoor/Bruni (B/I), Porsche 911 RSR, 69
3. Westbrook/Briscoe (GB/USA), Ford GT, 69
4. Garcia/Magnussen (E/DK), Corvette, 69
5. Gavin/Milner (GB/USA), Corvette, 69
6. Auberlen/Sims (USA/GB), BMW M6, 69
7. Edwards/Tomczyk (USA/D), BMW M6, 67
8. Pilet/Werner (F/D), Porsche 911 RSR, 55

Klasse GTD
1. Klingmann/Krohn (D/SF), BMW M6, 68 Runden
2. Bergmeister/Lindsey (D/USA), Porsche 911 GT3 R, 68
3. Davis/Aschenbach (USA/USA), Audi R8, 68
7. Braun/Bennett (USA/USA), Porsche 911 GT3 R, 67
9. MacNeil/Jeannette (USA/USA), Porsche 911 GT3 R, 67
11. De Quesada/Morad (USA/USA), Porsche 911 GT3 R, 66

Der neue 911 RSR

Der neue Porsche 911 RSR wurde von Porsche Motorsport in Weissach entwickelt und gebaut. Er basiert auf der siebten Generation der Sportwagenikone 911 und ist der spektakulärste Porsche 911 aller Zeiten. Seine Rennpremiere feierte er im Januar 2017 beim 24-Stunden-Rennen in Daytona/USA. Der 510 PS starke Rennwagen ist eine komplette Neuentwicklung. Mit dem Vorgängermodell hat Porsche 2015 die GT-Meistertitel für Hersteller, Fahrer und Teams sowohl in der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC als auch in der IMSA SportsCar Championship gewonnen.

Bei der Konstruktion des neuen 911 RSR wurde das gesamte Konzept des Fahrzeuges von Grund auf überarbeitet. Die Verschiebung des Motors vor die Hinterachse schuf Platz für einen massiven Heckdiffusor, der deutlich mehr Abtrieb generiert. Gleichzeitig konnte so die Gewichtsverteilung weiter optimiert werden, was unter anderem auch dem Reifenverschleiß zugute kommt. Bereits Anfang 2015 starteten die Ingenieure in Weissach mit der Entwicklung des neuen 911 RSR. Der Roll-out, also der erste Kontakt des Fahrzeugs mit der Rennstrecke, fand im März 2016 auf der Porsche-Teststrecke im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach statt. Dabei hatten auch die schon früh in die Entwicklung mit einbezogenen GT-Werksfahrer die Möglichkeit, die ersten Kilometer mit dem neuen 911 RSR zurückzulegen.

Der neue 911 RSR in Elkhart Lake/USA

 Der Höhepunkt der Testphase war ein 50-Stunden-Dauerlauf in Sebring. Bereits vor seinem ersten Rennen bewies der 911 RSR hier seine Zuverlässigkeit. Der Test auf dieser Strecke in Florida mit ihren vielen Bodenwellen, auf der Mensch und Material mit am stärksten beansprucht werden, verlief ohne größere Probleme. Auch im Wettbewerb war der neue 911 RSR auf Anhieb konkurrenzfähig. Bei den Langstreckenklassikern in Daytona und Sebring überzeugte er mit einer starken Performance. Bis dahin hatte Porsche Motorsport über 45.000 Testkilometer auf verschiedenen Rennstrecken abgespult – mehr als bei der Entwicklung jedes anderen Porsche-GT-Rennautos zuvor. 

IMSA SportsCar Championship

Die IMSA SportsCar Championship ist eine Sportwagenrennserie, die seit 2014 in den USA und Kanada ausgetragen wird. Sie ist aus dem Zusammenschluss der American Le Mans Series und der Grand-Am Series entstanden. Sportprototypen und Sportwagen starten dabei in vier verschiedenen Klassen: GTLM (GT Le Mans), GTD (GT Daytona), P (Prototype) und PC (Prototype Challenge). Der Porsche 911 RSR fährt in der Klasse GTLM, der neue Porsche 911 GT3 R in der Klasse GTD.

Info

Alle Ergebnisse und Punktestände der IMSA WeatherTech SportsCar Championship gibt es im Internet unter results.imsa.com.

Der neunte Lauf der IMSA SportsCar Championship wird am 27. August auf dem Virginia International Raceway in Danville im US-Bundesstaat Virginia ausgetragen.

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