Sir Chris Hoy: Im Hier und Jetzt

Einen Porsche zu fahren, ist für Sir Chris Hoy weit mehr als nur eine Leidenschaft: Für den sechsfachen Olympiasieger eröffnet die kompromisslose Konzentration, die auf der Rennstrecke gefragt ist, einen Weg ins Hier und Jetzt. Nach der Diagnose von Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium hilft ihm das Fahren, Momente bewusst zu erleben, den Blick nach vorn zu richten – und anderen Menschen Mut zu machen.

Es gibt Momente auf der Rennstrecke, in denen nur noch das zählt, was gerade vor einem liegt: Mit voller Leistung bis zum Bremspunkt beschleunigen. Hart bremsen. Einlenken. Den Scheitelpunkt treffen. Wieder ans Gas gehen. Das Auto sauber aus der Kurve heraus beschleunigen. Und dann das Ganze von vorn – ohne Raum für irgendetwas anderes.

Für Sir Chris Hoy, dessen Prostatakrebs-Diagnose im Jahr 2024 öffentlich wurde, sind diese Augenblicke weit mehr als die Jagd nach der perfekten Runde. „Wenn man mit hohem Tempo über die Rennstrecke fährt und sich auf die Balance des Autos und all die Dinge konzentriert, die absolute Präsenz im Moment erfordern, bleibt kein Platz, um an Krebs zu denken“, sagt der 50-Jährige. „Selbst wenn es nur für ein paar Augenblicke ist, verschafft es mir Erleichterung.“

Zwei Generationen des Porsche 911

Die Garage des sechsfachen Olympiasiegers umfasst mehr als drei Jahrzehnte 911-Geschichte. Neben seinem 911 Carrera 2 der Generation 964 von 1990 in Indischrot steht ein 911 GT3 RS der Baureihe 992 – ein Fahrzeug, zu dem er eher unerwartet kam.

Hoy war nach Deutschland gereist – fest entschlossen, seinen bisherigen GT3 RS (991.2) zu behalten. Dann bot ihm der Automobiljournalist und TV-Moderator Chris Harris die Gelegenheit, einen neuen 911 GT3 RS zu fahren, den Porsche Cars Great Britain zu Testzwecken zur Verfügung gestellt hatte. Was als spontane Probefahrt begann, entwickelte sich schnell zu mehr.

Sir Chris Hoy, Porsche 911 GT3 RS, Generation 991.2, Spa-Francorchamps, 2025, Foto: Richard Pardon
Sir Chris Hoy auf dem Circuit de Spa-Francorchamps mit seinem bisherigen Porsche 911 GT3 RS der Generation 991.2. Mittlerweile fährt er einen GT3 RS der 992-Generation.

„Es war schlicht unglaublich“, sagt er mit einem Grinsen. „Ich konnte kaum fassen, welchen Entwicklungssprung das Auto gemacht hatte. Aber genau das zeichnet Porsche aus: Immer dann, wenn man glaubt, das Optimum erreicht zu haben, finden die Ingenieure doch noch einen Weg, die Grenzen ein Stück weiter zu verschieben.“

Seitdem hat Hoy rund 8.000 Kilometer mit seinem neuen GT3 RS zurückgelegt – viele davon auf Fahrten zu Rennstrecken in ganz Europa. „Ich bin für ein paar Trackdays nach Zandvoort gefahren und anschließend wieder nach Hause“, erzählt er. „Es ist beeindruckend, was dieses Auto auf der Rennstrecke leisten kann. Genauso erstaunlich ist aber, wie komfortabel es sich auf der Anreise fährt. Auf dem Rundkurs fühlt es sich wie ein GT-Rennwagen an, überall sonst wie ein perfekter Reisewagen.“

Sir Chris Hoy, Porsche 911 GT3 RS, Generation 991.2, Spa-Francorchamps, 2025, Foto: Richard Pardon

Sein 964 bietet dagegen ein völlig anderes Fahrerlebnis. „Wenn man in ein älteres Auto zurücksteigt, merkt man erst, wie viel Platz man auf der Straße eigentlich hat“, sagt der zweifache Vater. „Der Fahrspaß spielt sich bei niedrigeren Geschwindigkeiten ab, dafür ist man viel unmittelbarer in das Fahrerlebnis eingebunden und spürt genau, was das Auto macht.“

Ob er mit auf einer entspannten Überlandfahrt unterwegs ist oder in Spa-Francorchamps um jede Zehntelsekunde kämpft – Hoy sucht dabei stets nach demselben Gefühl. „Wenn es um den eigentlichen Kern des Autofahrens geht – dieses Kribbeln, diesen Fahrspaß und das Gefühl, mit dem Auto eins zu werden –, dann bietet mir der 911 genau das“, sagt er.

Die Parallelen zum Spitzensport liegen dabei auf der Hand. „Letztlich geht es immer darum, einen Weg zu finden, noch etwas schneller zu werden oder noch ein wenig mehr Leistung herauszuholen“, erklärt Hoy. „Genau das hat mich schon im Radsport fasziniert – und genau das begeistert mich heute noch auf der Rennstrecke.“

Sir Chris Hoy, Porsche 911 GT3 RS, Generation 991.2, Spa-Francorchamps, 2025, Foto: Richard Pardon

Eine Botschaft, die Leben retten kann

Heute bedeutet Fortschritt für Hoy allerdings mehr als schnellere Rundenzeiten oder bessere Leistungen. Er nutzt seine Bekanntheit, um auf Prostatakrebs aufmerksam zu machen, Männer für ihr persönliches Risiko zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen. „Im ersten Moment fühlt es sich völlig hoffnungslos an“, sagt er über die Diagnose, die sein Leben verändert hat. „Doch irgendwann beginnt man zu überlegen, wie man aus der Situation etwas Positives machen kann.“

Mit Charity Rides, Spendenaktionen und Trackdays setzt sich Hoy seit Jahren für die Krebsforschung und die Unterstützung Betroffener ein. Dazu zählt auch die inzwischen jährlich stattfindende Tour de 4 in Schottland, zu der am 6. September 2026 erneut Teilnehmer aus aller Welt eingeladen sind. Auf diese Weise hat er Millionenbeträge für Krebsorganisationen gesammelt und gleichzeitig unzählige Männer dazu ermutigt, sich mit ihrer eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen.

Sir Chris Hoy, Porsche 911 GT3 RS, Generation 991.2, Spa-Francorchamps, 2025, Foto: Richard Pardon

„Die Botschaft, für die ich mich starkmache, lautet: Männer sollten ihr persönliches Risiko kennen“, sagt Hoy. „Einfach online nach ‚Prostatakrebs-Risiko‘ suchen, sich informieren und, wenn man zu einer Risikogruppe gehört, mit seinem Arzt sprechen. Fragen Sie nach einem PSA-Test.“ Die Reaktionen auf sein Engagement bestärken ihn in seinem Einsatz. „Menschen haben mir erzählt, dass sie sich wegen meiner Diagnose untersuchen ließen und die Krankheit dadurch früh erkannt wurde. Das ist etwas unglaublich Bedeutendes.“

Auf die Frage, was ihn optimistisch bleiben lässt, hält Hoy einen Moment inne. „Entscheidend ist, dass ich nicht zulasse, dass die Krankheit die Zeit überschattet, die mir bleibt“, sagt er. „Keiner von uns wird ewig leben. Für mich ist es eine wichtige Erinnerung daran, das zu genießen und wertzuschätzen, was wir gerade haben. Das Leben findet heute statt – nicht morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr. Es geht um das Hier und Jetzt.“

Info

Bilder: Richard Pardon

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Verbrauchsangaben

  • 718 Boxster S (WLTP)*: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 10,4 – 9,6 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 235 – 218 g/km; CO₂-Klasse: G
  • 911 GT3 RS (WLTP)*: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,2 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 299 g/km; CO₂-Klasse: G
  • Taycan 4S Cross Turismo (WLTP)*: Stromverbrauch kombiniert: 21,4 – 18,7 kWh/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km; CO₂-Klasse: A