Hüter des Schatzes: Bruce Meyer und der Le Mans-Sieger Porsche 935

In einer Garage voller Legenden sticht einer heraus: 800 PS, keine Assistenzsysteme – der Porsche 935. Als erster Rennwagen mit Heckmotor gewann der 935 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Zum 100-jährigen Bestehen des Klassikers besuchen wir das Siegerfahrzeug von 1979 in der Garage seines heutigen Besitzers. Der sagt: „Ich passe nur auf ihn auf.“

„Neben Le Mans verblasst fast alles andere“, stellt Bruce Meyer gleich zu Beginn klar. Genau 100 Jahre, nachdem das 24-Stunden-Rennen erstmals ausgetragen wurde, möchte uns der Kalifornier ein ganz besonderes Fahrzeug zeigen: den Gesamtsieger aus dem Jahre 1979. Doch zunächst führt uns der Immobilieninvestor, der sich in der Automobilwelt einen Namen gemacht hat, durch seine Garage. Denn dort finden sich einige der bedeutsamsten Fahrzeuge der Welt. 

Kremer-Porsche 935 K3, 2023, Porsche AG
Mit der angeschrägten Frontpartie, den aggressiven Kotflügelfinnen, dem stark definierten Heck und einem markanten Heckspoiler hat der 935 eine beeindruckende Ausstrahlung.

„Ich fand den Wettkampf schon immer faszinierend“, lässt Meyer wissen. „Der Wettbewerbsgedanke hat mich direkt an Porsche begeistert.“ Nach der Auslieferung seines ersten Modells im Jahr 1961, eines 356 Coupés, begann seine Liebesgeschichte mit der Marke. Seitdem hat der 81-Jährige in mehr als sechs Jahrzehnten unzählige Porsche-Modelle besessen und gefahren, von Straßenwagen wie dem 356 A Speedster, den er später Steve McQueen verkaufte, über einen 911 Turbo (993), Baujahr 1996, bis hin zum 911 GT3 (992) mit Touring-Paket.

Autoleidenschaft im Allgemeinen und für Le Mans im Besonderen

Seine Garage in Beverly Hills liefert den Beweis für seine Autoleidenschaft im Allgemeinen und für Le Mans im Besonderen – inklusive einer großen Anzahl an bedeutenden Porsche-Fahrzeugen, von denen einige auch im Petersen Automotive Museum ausgestellt wurden, das Meyer 1994 mitgründete.

Bruce Meyer, 2023, Porsche AG
Ein Leben für den Motorsport: In mehr als 60 Jahren hat sich Bruce Meyer eine opulente Sammlung von Rennfahrzeugen aufgebaut.

So wie der 911 Carrera RSR 2.8 von 1973: Mit dem Brumos-Rennwagen holten Peter Gregg und Hurley Haywood im selben Jahr den Gesamtsieg in der SCCA-Trans-Am-Rennserie und in der IMSA GT Championship. Ein beispielloses Kunsstück. Heute gilt unser Interesse aber einem anderen Wagen in Meyers Garage: dem Kremer-Porsche 935 K3. Mit Klaus Ludwig, Don Whittington und Bill Whittington am Steuer erreichte der 935 im Jahr 1979 den ersten Platz in Le Mans – als erstes Auto mit Heckmotor. Und als bis dahin einziges Rennfahrzeug, das auf dem 911 basiert. 

Mit der angeschrägten Frontpartie, den aggressiven Kotflügelfinnen, dem stark definierten Heck und einem markanten Heckspoiler hat der 935 eine beeindruckende Ausstrahlung. „Kremer hätte 100 Änderungen vorgenommen, um auch nur ein Prozent Vorteil zu gewinnen“, sagt Meyer. Zahllose winzige Details verhalfen zu Höchstgeschwindigkeiten: von den enganliegenden Spiegeln bis zum Design mit Regenrinnen. 

Kremer-Porsche 935 K3, 2023, Porsche AG
Legendenstatus: Live zu sehen ist der 935 bei der Porsche Rennsport Reunion im September im kalifornischen Monterey County.

So wichtig die Details auch sind: Die Seele dieser Maschine ist ihr 3,0-Liter-Biturbo-6-Zylinder-Boxermotor. Das Triebwerk musste explosive Überholmanöver ermöglichen, stundenlang hohe Geschwindigkeiten leisten und dabei reaktionsschnell sein. „In dem 935 stecken rund 800 PS und keine Assistenzsysteme“, sagt Meyer. „Für mich gibt es keinen besseren luftgekühlten 911-Rennwagen.“ Wie alle Fahrzeuge in Meyers Sammlung möchte der 935 bewegt werden. So zeigt er sich auch bei wichtigen Treffen wie dem Pebble Beach Concours d’Elegance oder bei The Amelia, einem Event auf der gleichnamigen Insel in Florida, wo er mehrfach ausgezeichnet wurde.

Automobilfan mit Leib und Seele

In jüngeren Jahren war Meyer als Motorsportler sowohl in Rennwagen als auch auf Motorrädern aktiv. Deshalb kennt er seine Grenzen. „Der 935 hat Le Mans gewonnen, also kann ich seiner Geschichte nichts Besseres hinzufügen“, sagt er. „Wenn ich ihn fahre, gebe ich nicht Vollgas, so viel steht fest.“ 

Kremer-Porsche 935 K3, 2023, Porsche AG
Zwischen ikonischen amerikanischen Dragsters steht ein Le-Mans-Sieger: der Kremer-Porsche 935 K3.
Kremer-Porsche 935 K3, 2023, Porsche AG
Blick über den Entenbürzel: Der 935 ist nicht das einzige Porsche-Modell in Meyers Garage.
911 Carrera RSR 2.8, 2023, Porsche AG
Auch ein 911 Carrera RSR 2.8 ist in Meyers Garage zu finden.
Miniatur-Modell, 2023, Porsche AG
Zahlreiche Porsche-Devotionalien stehen bei Meyer im Regal. Auch ein Miniatur-Modell des Siegerfahrzeugs.
Kremer-Porsche 935 K3, 2023, Porsche AG
Einblick in das Cockpit: Vollgas gebe er nie, wenn er mit dem Rennwagen unterwegs ist, sagt Meyer.

Als Automobilfan mit Leib und Seele lebt Meyer den Porsche-Lifestyle auch über die seltenen Rennwagen hinaus. Er, seine Frau Raylene, mit der er seit 53 Jahren verheiratet ist, und seine drei Kinder nutzen im Alltag auch gerne neuere Porsche-Modelle. Ist Meyer jedoch in einem der Exponate unterwegs, die Motorsportgeschichte geschrieben haben, bereitet ihm das besondere Freude. „Ich bin mit dem 935 schon zweimal durchs ganze Land gefahren“, erzählt Meyer. „Und im September nimmt er zum dritten Mal an der Porsche Rennsport Reunion teil.“ Das Event auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca in Kalifornien ist das weltweit größte Treffen klassischer Porsche-Rennwagen. „Ich fühle mich so geehrt, auf dieses Auto aufpassen zu dürfen“, sagt Meyer, der seine ganz eigene Philosophie des Sammelns lebt. „Keiner nimmt diese Autos mit ins Jenseits, uns gehört nichts daran. Wir können sie aber genießen, solange wir leben.“ 

Info

Text erstmals erschienen im Christophorus Magazin, Ausgabe 407.

Autor: Basem Wasef

Fotos: Lisa Linke

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Verbrauchsangaben

911 GT3 mit Touring-Paket

WLTP*
  • 12,9 l/100 km
  • 293 – 292 g/km

911 GT3 mit Touring-Paket

Kraftstoffverbrauch* / Emissionen*
Kraftstoffverbrauch* kombiniert (WLTP) 12,9 l/100 km
CO₂-Emissionen* kombiniert (WLTP) 293 – 292 g/km