Ziemlich beste Freunde

Die Mitglieder der R Gruppe in Kalifornien frönen seit 20 Jahren ihrer speziellen Leidenschaft für Porsche – und scheren sich weder um schlechtes Wetter noch um die Meinung anderer.

Kalifornien, 2019, Porsche AG
Die R Gruppe ist zur Subkultur geworden.
Cris Huergas, 2019, Porsche AG
Chris Huergas gehört zu den sieben Gründern der Gemeinschaft.


Der erste Kontakt. Gegenseitige Anrufe. Bald wird mehr daraus. Fünf weitere Bekenner kommen hinzu. Eines der ersten regulären Mitglieder ist Jeff Zwart (011), Rennfahrer, ein guter Freund von Thomas. Zwart ist Rallyes gefahren, Rundstrecke, aber richtig gut ist er am Berg. Er gewann auf dem legendären Pikes Peak in Colorado mehrfach die Klasse; kaum einer hat häufiger und schneller das Geschlängel der 156 Kurven über knapp 1.500 Höhenmeter hinauf in die Wolken absolviert: 20 Kilometer in deutlich unter zehn Minuten.

Die R Gruppe entsteht. Bewusst wählen sie den deutschen Namen, nicht das englische group – eine Hommage an den Porsche 911 R von 1967. Mit dem Motor des 906 Carrera 6 ausgestattet, ist er das Kultobjekt der Gruppe und das Vorbild für die Eintrittskarten: alle Porsche bis 1973. „Vergiss nie, wofür ein Sportwagen gebaut wurde – für sportliches Fahren“ lautet das Motto der Enthusiasten. Aus dem Mund von Huergas klingt es wie ein Mantra.

Hunter Simms, 2019, Porsche AG
Seit zwei Jahren ist Hunter Simms Teil der R Gruppe.


Das erste Treffen – nicht meeting – findet Mitte 2000 an einem kleinen Hotel in Cambria, Kalifornien, statt, auf halber Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles. 30 Autos erwarten die Initiatoren – bestenfalls. Es fahren vor: rund 100 Porsche. Damals wie heute gilt: Weder Fahrzeuge noch Mitglieder sind Mainstream. Cool müssen sie sein, irgendwie, so wie der Rollkragenpullover von McQueen im Mustang von Bullitt oder die Erscheinung von Magnus Walker, dem Modedesigner und Autor von Urban Outlaw. Mitglieder kann es nur 300 geben. Nicht mehr. Nicht, um auszugrenzen, sondern um die Vertrautheit zu bewahren. „Die R Gruppe ist nicht nur einfach ein Club“, sagt Huergas, „sie ist eine Gemeinschaft.“ Um sie lebendig zu halten, muss sie aktiv sein. Wer nicht mitmacht, ist draußen. Andere rücken mit fortlaufenden Nummern nach.

Eigentlich dachten die Pioniere der R Gruppe, die Gemeinschaft werde mit der Zeit an Attraktivität verlieren. Inzwischen ist klar, dass sie zur Subkultur geworden ist. Sie könnte leicht zehnmal so stark sein, obwohl oder gerade weil sie nach Gegenwehr schreit. Die einen können sie nicht ausstehen, weil sie in arrivierten Kreisen für einen Haufen Möchtegern-Rennfahrer gehalten werden. Andere lehnen sie ab, weil sie sich nicht an vermeintliche Regeln alteingesessener Owner Clubs halten. Wieder andere rümpfen die Nase, weil sie die Autos für billige Nachbauten halten. Huergas kann da nur lachen. Er winkt ab: „I don‘t give a damn.“

Kalifornien
Kein Wetter kann die R Gruppe abhalten.
European Auto Salvage Yard, 2019, Porsche AG
Ein ehemaliger Verwertungsbetrieb für Porsche-Modelle ist heute Treffpunkt der R Gruppe.


Eine Gelegenheit, sich über Jeff Saccullo (750) oder seinen Porsche 356 Baujahr 1960 lustig zu machen, bekommt man nicht. Saccullo lacht nämlich gern und schnell über sich selbst. Er nennt den 356 sein „Warzenschwein“, denn „er ist einfach nur hässlich“. Trotzdem liebt er ihn. Oder besser: gerade deswegen. Saccullo zögert keine Sekunde mit Spötteleien, vor allem über jene, die bei Regen nicht fahren, weil ihre Autos dann schmutzig würden: „Was ist denn bei euch kaputt, Jungs?“

Steve Hatch (746) kommt an, als der heftigste Schauer des Tages niedergeht. Raunen und Applaus. Mit ihm hatten sie nun wirklich nicht gerechnet, besser gesagt: nicht damit, dass er sein Auto aus der Garage holt. Hatchs 911 von 1970 ist bildschön, ein Fabelwesen in Orange, das man eher beim Concours d’Elegance in Pebble Beach erwarten würde, und zwar bei gedimmter Sonne und einer leichten Brise vom Meer. Und tatsächlich hat Hatch kurz überlegt, ob er losfahren soll – nicht wegen des Sauwetters, sondern weil er sich anfangs nicht sicher war, ob die Scheibenwischer funktionieren. Denn er hat sie vorher noch nie benutzt. Der Vorbesitzer übrigens auch nicht. Der hat den Sportwagen immer nur geputzt und Hatch einmal sogar zusammengestaucht, weil er es sich erlaubt hatte, den Porsche mit Wasser zu waschen. Mit normalem Wasser! „Der würde wahrscheinlich tot umfallen, wenn er wüsste, was ich hier heute bei diesem Wetter mache.“ Hatch lacht. Immerhin: Der Scheibenwischermotor schnurrt wie ein Kätzchen.

Kalifornien, 2019, Porsche AG
18 klassische Porsche teilen das Wasser auf der Straße.
Rick Spinali, 2019, Porsche AG
Rick Spinali hat die Nummer 720 und einen Porsche 912.

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Verbrauchsangaben

  • 9,1 l/100km
  • 208 g/km

911 Carrera S Cabriolet

Kraftstoffverbrauch/Emissionen*
Kraftstoffverbrauch* kombiniert 9,1 l/100km
CO2-Emissionen* kombiniert 208 g/km