16.02.2019

Vertrauensbasis

Den frisch restaurierten Käfer bekam der große Bruder – den Porsche das Nesthäkchen: Wenn Bernd Lehner seinen Jungs „Geschenke” zum 18. Geburtstag macht, dann bitte mit Stil!

„Ein Blick genügte, ein einziger Blick nur”, erinnert sich Bernd Lehner an den Moment der ersten Begegnung mit dem 1979er Porsche in der markanten Farbe. „Die Vorbesitzer, beide schon recht betagt, wollten sich von dem Wagen trennen. Ich erfuhr davon und konnte sofort zuschlagen. Das war 2001, just zur Umstellung von der Mark auf den Euro.”

Bernd Lehner weiß noch alle Kaufdetails: Zwischen Abgabe eines Gebots und dem Kauf selber kam der Euro ins Spiel. „Wir haben aber ganz exakt umgerechnet, der Kaufpreis war deshalb richtig krumm, auch noch hinterm Komma”, meint er schmunzelnd. Und Sohnemann Timo schmunzelt mit, inzwischen darf er „seinen” Porsche nämlich auch fahren. Endlich – nach 15 Jahren.

Der Elfer befindet sich in einem grandiosen Zustand


Will man das verstehen, muss man ein wenig in der Zeit zurückgehen: „Passend zum Millennium hatte ich gerade die Restaurierung eines Rechteckkäfers von 1959 abgeschlossen. Ein gutes Stück Arbeit, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Robin, mein Ältester, war da noch nicht einmal in der Grundschule. Trotzdem war mir klar, dass er den kleinen Wolfsburger zu seinem 18. Geburtstag bekommen sollte. Und als dann der Porsche zur Familie kam, war klar, dass den einmal mein Timo fahren würde.

Die ersten Jahre in „seinem” Porsche konnte Timo sogar noch auf der eng geschnittenen Rückbank verbringen, als Teenager enterte er dann den Beifahrersitz. „Inzwischen sitze ich vorne links – und das gefällt mir verdammt gut”, meint der junge Elektrotechnikstudent grinsend. Immerhin wurden seine Abstecher in die Einzelgarage des Elfers in den letzten Jahren immer häufiger. Nur eben selbst den Schlüssel zur Premierenfahrt in die Hand nehmen, das tat er wirklich erst an seinem 18. Geburtstag. „Da war Timo ganz eisern”, mein Bernd Lehner stolz. „Da störte es ihn nicht einmal, dass das Wetter letzten November eher bescheiden war.” Selbst als er seinen „Führerschein mit 17” machte, hielt sich Timo strikt an das vorgegebene Datum.

Die Sitze sind neu bezogen mit originalem Porsche-Stoff, wenn auch etwas dunkler


Nicht ganz so bescheiden war der Zustand des SC, des „Super Carrera”, der noch richtig viel Chrom tragen durfte: „Als ich den Wagen kaufte, waren eigentlich nur die porösen Reifen und der lange überfällige Ölwechsel ein Thema. Selbst der undichte Motor war kein Drama, auch wenn ich zunächst mit dem Schlimmsten rechnete”, blickt Bernd Lehner zurück. „Zum Glück war nur der Öldruckschalter undicht, das war alles.”

Auch der Lack in „Kaschmirbeige” ist noch weitgehend original. „Den Kofferraumdeckel allerdings, den lackierte ich neu, hier wurden wohl schon in den 80er-Jahren Steinschläge ziemlich schlecht ausgebessert. Und auch den fleckig-braunen Innenhimmel konnte ich durch Originalware ersetzen”, zählt Bernd Lehner auf. „Außerdem hat Papa die Sitze neu beziehen lassen”, wirft Timo ein. „Aber mit originalem Porsche-Stoff, wenn auch minimal dunkler.” Den Gesamteindruck des sündig schönen Wagens schmälert dies alles nicht, der Elfer befindet sich in einem grandiosen Zustand, auch wenn es einige Jahre dauerte, bis die spezielle Lackierung Anerkennung fand. „Anfangs wurde ich oft schräg angeschaut, oder bekam Sprüche zu hören, dass so eine Farbe auf einem echten Porsche ja gar nicht ginge. Und irgendwann hab ich sogar selbst erste Zweifel gehegt”, gibt Bernd Lehner zu. Inzwischen hat er sich mit der Gewandung nicht nur angefreundet – er schätzt und liebt sie regelrecht. Timo geht es nicht anders mit „seinem” Porsche.

Bernd und Timo Lehner im Porsche 911 SC


Die Übertragung hat dabei mehr einen emotionalen als einen geschäftsmäßigen Charakter: Sowohl der Käfer wie auch der Porsche sind weiterhin auf den Papa zugelassen, der beide Hecktriebler auch ab und an bewegt und den Unterhalt übernimmt. Gleichzeitig nutzen die Söhne die Autos gemeinsam, tauschen sich auch aus. „Die beiden verstehen sich gut und teilen das Glück an den Kostbarkeiten “, freut sich Bernd Lehner. „Es bleibt ja in der Familie”, meint er schmunzelnd, bevor er ernst wird. „Niemand lebt ewig, das weiß man ja. Und deshalb habe ich meinen Jungs die Autos von Herzen zum Start ins Erwachsenendasein anvertraut”, meint Bernd Lehner, während er über den Chrom am Scheinwerferring streichelt.

Timo steht derweil daneben, im Gesicht ein Strahlen, das dem des Chroms nicht nachsteht. Das Vertrauen, das sein Vater in ihn setzt, weiß er zu schätzen. Nur Reisepläne hat er noch nicht: „Ich denke, das findet sich, ich lass mich überraschen. Wir kennen uns ja schon eine Weile, der 911 und ich. Da bin ich zuversichtlich, dass uns nicht langweilig wird.”

Info

Text erstmalig erschienen im Magazin PORSCHE KLASSIK Special „70 Jahre Porsche Sportwagen”. 

Text Heiko P. Wacker // Foto Jan Bürgermeister

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