30.07.2014

Seelsorge am Band

Zwei Wochen lang arbeitet Betriebsseelsorger Guido Lorenz in der Zuffenhausener Endmontage. Im Takt der Produktion sammelt er Eindrücke vom Arbeitsalltag der Kollegen.

Endmontage: Das bedeutet Schichtarbeit am Band. Viel stehen. Körperlich harte Arbeit. Aber auch: Eine starke Gemeinschaft. Guido Lorenz taucht für zwei Wochen in diese Arbeitswelt ein. Wie ein ganz normaler Praktikant. Nur, dass er 60 Jahre alt ist. Der studierte katholische Theologe ist Betriebsseelsorger der Diözese Stuttgart/Rottenburg. An ihn können sich Arbeitnehmer, aber auch Erwerbslose mit ihren Sorgen und Nöten wenden. Mobbing,  Burn-Out oder Existenzängste sind nur einige der Themen.

Seine Arbeit versteht Lorenz auch so: Regelmäßig näher ran an die Arbeitnehmer. Deshalb tauscht er immer wieder seinen Schreibtisch mit Werkbank und Montageband und sucht gezielt das Gespräch mit den Mitarbeitern. Er erwartet dabei nicht, dass ihm jeder sofort das Herz ausschüttet. „Ich will den Kolleginnen und Kollegen aber zeigen, dass es da jemand gibt, der ein offenes Ohr für sie hat“, erklärt Lorenz.

Durch seine Arbeitseinsätze lernte der Betriebsseelsorger in den vergangenen Jahren schon viele Berufe kennen. Unter anderem schaffte er als Müllwerker, als Postarbeiter, Staplerfahrer, als Fernfahrer und Tagelöhner und als Lagerist für eine Zeitarbeitsfirma. Nicht immer seien die Erfahrungen dabei positiv gewesen, erzählt der studierte Theologe. Anders im Juli 2014 bei Porsche, wo er vor 30 Jahren schon einmal im Einsatz war. „Kurz, nachdem ich meine Stelle als Betriebsseelsorger angetreten habe, war es der erste Arbeitseinsatz in einem Unternehmen“, erzählt er. Weil er sich mit den Kollegen so wohlgefühlt hatte, wollte er nun noch einmal hierher zurückkehren. Auf Anfrage des Betriebsrats machte das Produktionsressort dies möglich. Sein Eindruck: „Früher waren die Strukturen viel hierarchischer.“ Heute beherrsche jeder im Team jeden Handgriff. „Dadurch ist das gegenseitige Verständnis füreinander größer.“

Wie vor 30 Jahren bleibt es beim Porsche-Einsatz von Lorenz nicht nur bei Gesprächen. Um den Arbeitsalltag der Montagearbeiter richtig kennen zu lernen, packt der 60-jährige Familienvater nach einer Einweisung durch die fachkundige Kollegen wie Ivica Cevis gern mit an. An diesem Mittwochnachmittag baut Lorenz Transportscheibenwischer an die Fahrzeuge, gerade hat die Spätschicht begonnen. Ein Sportwagen nach dem anderen rollt an ihm vorbei, im gleichen Takt wie für alle anderen Mitarbeiter in der Montage – da gibt es für niemanden eine Ausnahme. Doch Lorenz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Fast schon routiniert nimmt er die Scheibenwischer aus dem Materialbehälter und befestigt sie mit wenigen Handgriffen. Ein letzter prüfender Blick durch die Brille – passt.

Auch Meister Mario Niksic ist zufrieden. „Eigentlich könnten wir ihn gleich übernehmen“, sagt er lachend. Doch nach zwei Wochen ist der Arbeitseinsatz für den Betriebsseelsorger wieder beendet. Sein Fazit: „Es herrscht hier wirklich ein gutes Miteinander zwischen den Kollegen. Und zwar unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter. Teamleiter, Vertrauensleute und Meister tragen dazu bei“, findet er. Und: „Wie stark sich alle Porsche-Mitarbeiter mit der Marke identifizieren, ist beeindruckend und, wenn man die Sportwagen sieht, verständlich.“

Die Betriebsseelsorge Arbeitsstelle Stuttgart erreichen Sie unter (0711) 56 1084 oder per E-Mail an bs.stuttgart@t-online.de

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