20.04.2016

Herr der Zahlen

Lutz Meschke stellt als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand für Finanzen und IT die erfolgreiche Steuerung der Finanzen im Hause Porsche sicher. Ein Porträt.

Finanzkrise, Eurokrise, Wirtschaftskrise – die vergangenen Jahre waren nicht immer leicht für die internationale Industrie, manch ein Konzern kam ordentlich ins Schleudern. Doch der Zuffenhausener Sportwagenhersteller behielt seinen Kurs bei: stetig aufwärts.

Lutz Meschke leistet einen wichtigen Beitrag dazu. 2001 steigt der Diplom-Kaufmann als Leiter der Bilanzierung in das Finanzressort bei Porsche ein. Drei Jahre später wird er zum Leiter Controlling ernannt – und ist maßgeblich an dem umfangreichen Kostensenkungsprogramm beteiligt, mit dem das Unternehmen ab 2008 auf die Finanz- und Wirtschaftskrise eingestellt wird.

Mit Erfolg, wie die Jahresergebnisse inzwischen ein ums andere Mal zeigen. 2009 wird Meschke dann folgerichtig Mitglied des Porsche-Vorstands, verantwortlich für Finanzen und IT, und im Oktober 2015 darüber hinaus stellvertretender Vorstandsvorsitzender – verdiente Anerkennung seiner Arbeit als Finanzvorstand. Seine Aufgabe fasst Lutz Meschke prägnant zusammen: „Mein Ziel für Porsche lautet, auf lange Sicht der wirtschaftlich erfolgreichste Autobauer zu bleiben.“

2015: beispielhaft erfolgreich

Die hohe Ertragskraft und strikte Kostendisziplin machen die Porsche AG zum profitabelsten Automobilhersteller der Welt. Das Geschäftsjahr 2015 ist das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte – und nur ein Beispiel für die kluge Finanzpolitik. Die Zahl der Mitarbeiter stieg innerhalb der vergangenen fünf Jahre von rund 13.000 auf knapp 25.000 (Stand 31.12. 2015).

Doch trotz höherer Fixkosten durch die gewachsene Belegschaft, trotz massiver Investitionen in die Standorte Zuffenhausen, Leipzig und Weissach, trotz steigender Ausgaben für wegweisende Forschung und Entwicklung: Mit Meschke und seinem Team konnte Porsche das angestrebte strategische Ziel von 15 Prozent Umsatzrendite nicht nur halten, sondern um einen Prozentpunkt übertreffen. Der Umsatz stieg auf 21,5 Milliarden Euro (+25 Prozent). Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 3,4 Milliarden Euro (+25 Prozent). Und die Auslieferungen kletterten um 19 Prozent auf mehr als 225.000 Fahrzeuge.

„Über den höheren Umsatz erwirtschaften wir zusätzliche Deckungsbeiträge und können weiter investieren“, erklärt Lutz Meschke. „Wir kompensieren also unsere hohen Aufwendungen für die Entwicklung neuer Modelle durch unser nachhaltiges Wachstum.“ Die Einführung des Macan habe steigende Personalkosten und Abschreibungen mit sich gebracht. „Und Porsche musste darüber hinaus hohe Vorleistungen in moderne Antriebskonzepte bringen.“ Dennoch ist Porsche bestens gerüstet. „Die gesunde Kostenstruktur ist ein bedeutender Erfolgsfaktor."

Währungssicherung als Prävention

Auch die Steuerung von Währungsrisiken ist ein wichtiger Schwerpunkt für den Finanzvorstand. „Porsche ist auf alle möglichen Krisen gut vorbereitet“, sagt der Top-Manager. Selbst Einbrüche in der Nachfrage, wie es sie etwa nach der Lehman-Pleite 2008 gegeben hatte, könne das Unternehmen abfangen. Eine große Herausforderung ist hierbei die Absicherung gegen Währungsrisiken. Wer wie Porsche ausschließlich im Euroraum produziert, aber weltweit verkauft, muss in diesem Bereich besonders wachsam sein: „Ohne Währungssicherung würde bereits ein etwas stärkerer Euro einen signifikanten Ergebnisrückgang bedeuten“, erklärt Lutz Meschke. Auch wegen Währungsproblemen sei Porsche vor 20 Jahren in finanziellen Schwierigkeiten gewesen. „Daraus haben wir seit Langem Lehren gezogen und sichern uns in den wichtigsten Währungen für drei bis fünf Jahre flexibel ab.“

Porsche digital

Zusätzlich zu den Finanzen spielt die IT in Meschkes Aufgabenbereich eine immer wichtigere Rolle. Die digitale Transformation ist bei Porsche zentrales Thema auf allen Ebenen und wird federführend durch den Fachbereich IT vorangetrieben.

Der Vorstand und sein Team setzen Impulse – auch in anderen Unternehmensressorts: von der Forschung und Entwicklung über den Einkauf bis zu Produktionsprozessen und dem Vertrieb. Und letzten Endes bis hin zum Fahrerlebnis auf der Straße. Stichwort: Connectivity und Infotainment. Das schafft wiederum neue Arbeitsplätze beim Sportwagenhersteller selbst. „In Zukunft werden wir noch mehr Beschäftigte im Bereich der Informationstechnik benötigen.“ Eine Herausforderung sieht der studierte Betriebswirt darin, zwei Berufswelten zu vereinen: „Auch Computerfans sind vielfach enthusiastische Autofahrer. Wir brauchen junge Leute aus der digitalen Welt, die bei Porsche komplette Produktverantwortung tragen wollen.“

Nachhaltig fördern

Doch auch abseits des Manageralltags achtet Lutz Meschke auf die nächste Generation. Die Jugendförderung liegt ihm am Herzen – und auch sie will solide kalkuliert sein, um nachhaltig Wirkung zu erzielen. So engagiert sich Porsche etwa für die Porsche Basketball-Akademie in Ludwigsburg, in der rund 2500 Kinder aus der Region unter professioneller Anleitung regelmäßig Basketball spielen. Oder für die John Cranko Balletschule in Stuttgart, deren Neubau der Sportwagenhersteller mit zehn Millionen Euro unterstützt.

Besonders angetan hat es Meschke allerdings der Fußball: Unter dem Titel „Turbo für Talente“ fördert das Unternehmen die Jugendspieler des Zweitligisten RB Leipzig und der Stuttgarter Kickers. „Die Vereine leisten gerade beim Nachwuchs eine weitsichtige und äußerst professionelle Arbeit“, sagt er. „Mit unserem Engagement möchten wir sie dabei unterstützen.“

Auch privat ist er ein passionierter Sportler: Als zentraler Mittelfeldspieler hat er es mit dem FC Britannia 08 Solingen bis in die Landesliga gebracht. Und obwohl er heute in der baden-württembergischen Landeshauptstadt lebt, in Zuffenhausen arbeitet und die Stuttgarter Kickers fördert, ist Lutz Meschke im Grunde seines Herzens seiner rheinischen Heimat treu geblieben: Sein Fußballerherz schlägt für die Borussia aus Mönchengladbach.

Der Werdegang von Lutz Meschke

Vor seiner Tätigkeit bei Porsche hat Lutz Meschke Erfahrungen in anderen Branchen gesammelt: Nachdem der gebürtige Hildener 1985 sein Abitur in Solingen gemacht hatte, entschied er sich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln. Mit dem Diplomzeugnis in der Tasche begann er seine professionelle Karriere 1991 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, wo er schnell zum Prüfungsleiter und schließlich Manager des Unternehmens am Standort Mailand aufstieg.

Noch mit Mailänder Luft in der Nase zog es ihn dann erstmalig nach Schwaben und zum Modelabel Hugo Boss in Metzingen. Hier war er ab 1999 für die Leitung der Konzernkonsolidierung zuständig. Ab 2001 übernahm er dann bei Porsche die Leitung der Bilanzierung, ab 2004 die Leitung des Controllings. Seit 2009 ist er Vorstand für Finanzen und IT der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, seit 1. Oktober 2015 hat er zusätzlich den stellvertretenden Vorstandsvorsitz bei Porsche inne.

 

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