Engagement für nachhaltige  Beschäftigung und  Stärkung der  Menschenrechte.

Die unternehmerische Verantwortung von Porsche endet nicht an den Werkstoren. Sie erstreckt sich über die gesamte Wertschöpfungskette. Mit dem erweiterten ­Produktportfolio und den eingesetzten neuen Technologien kommt der Lieferkette eine stetig wachsende Bedeutung zu. Die konti­nuierliche Steuerung der Lieferantenbeziehungen unter Gesichtspunkten der Nach­haltigkeit rückt Porsche deshalb konsequent in den Fokus seiner Strategie. Die Nachhaltigkeitsbewertung von unmittelbaren Lieferan­­ten ist seit der Einführung des Sustainability-Ratings (S-Rating) ein verbindliches Kriterium bei Vergabeentscheidungen. Es trägt zur Sicherung einer nachhaltigen Beschaffung, der Einhaltung menschenrechtlicher Stan­­dards und Beschäftigungspraktiken sowie zu einem verantwortungsvollen Ressourcen­management der Lieferanten bei. Weiterhin sollen die eingesetzten Materialien syste­matisch in Fortführung aktueller Projekte mit dem Volkswagen Konzern analysiert werden. Porsche prüft dabei auf potenzielle Risiken in Zusammenhang mit Herkunft, Herstellungsbedingungen oder Rohstoffgewinnung.

Sicherung der Menschenrechte und Umweltschutz in der Lieferkette

S-Rating ist ein verbindliches Vergabekriterium für alle unmittelbaren Lieferanten.

Die Lieferkette von Porsche gewinnt stetig an Bedeutung. Wesentliche Faktoren dafür sind der wirtschaftliche Erfolg, das erweiterte Produktportfolio und die eingesetzten Technologien. Gleichzeitig wächst auch die Menge an Lieferteilen durch steigende Auslieferungszahlen und den Bezug neuartiger Komponenten. 

Schutz der Menschenrechte
Porsche ist bestrebt, die Lieferkette mit verantwortungsvollem und umsichtigem Verhalten resilient zu gestalten. Nach der Eingliederung von Porsche in den Volkswagen Konzern wurde der Einkaufsbereich zu weiten Teilen in die konzernweite Beschaffungsorganisation integriert. Damit einhergehend wurden bestehende Strukturen und Prozesse angepasst. Von Porsche getroffene Vergabeentscheidungen koordiniert und stimmt das Unternehmen eng mit dem Volkswagen Konzern ab.

Porsche ist sich seiner Position in der Lieferkette bewusst. Das Unternehmen lehnt Kinder-, Zwangs- und Pflichtarbeit sowie jegliche Form von moderner Sklaverei und Menschenhandel ab. Vertraglich bindende Nachhaltigkeitsanforderungen für unmittelbare Lieferanten sind im Code of Conduct für Geschäftspartner zusammengefasst und bilden die Basis für verantwortungsvolles Lieferantenmanagement. Dies betrifft insbesondere auch die Achtung der Menschenrechte.

Das Unternehmen beteiligt sich gemeinsam mit dem Volkswagen Konzern aktiv am Branchendialog zum Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung. Ziel ist es, in der gesamten Lieferkette Arbeitsbedingungen menschenwürdig zu gestalten. Über den Volkswagen Konzern ist Porsche auch Mitglied in der „Global Battery Alliance“ des Weltwirtschaftsforums. Die Allianz besteht aus öffentlichen und privatwirtschaftlichen Partnern der gesamten Batterielieferkette. Sie strebt die Förderung sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Batterierohstoffen an.

Porsche hat im Berichtsjahr in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Konzern ein Menschenrechts-Managementsystem (Human-Rights-Due-Diligence-Management-System) entwickelt. Menschenrechtliche Risiken in der Lieferkette sollen so systematisch analysiert, priorisiert und reduziert werden. Eine zentrale Maßnahme sind umfangreiche Schulungen und der Kompetenzaufbau („Capacity building“) bei direkten Lieferanten. Das gilt insbesondere in Ländern und Regionen mit erhöhtem Risiko für Menschenrechtsverstöße.

Nachhaltigkeitsanforderungen an Lieferanten
Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Porsche und seinen unmittelbaren Lieferanten bilden gemeinsame Werte und klare Nachhaltigkeitsanforderungen, wie im Volkswagen Konzern definiert. Das Konzept „Nachhaltigkeit in den Lieferantenbeziehungen“ verpflichtet mit dem Code of Conduct alle Beteiligten, Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards umzusetzen. Zugrunde liegen die Charta der Internationalen Handelskammer und die OECD-Richtlinien. Das Fundament der Nachhaltigkeitsanforderungen bilden die einschlägigen Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). 

Es wird erwartet, dass alle Lieferanten dem „OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ nachkommen. Für dieses Thema engagiert sich Porsche gemeinsam mit dem Volkswagen Konzern innerhalb der „Responsible Minerals Initiative“ und der „Responsible Mica Initiative“. Die Nachhaltigkeitsanforderungen sind Bestandteil des Liefervertrags. Wird dieser nicht eingehalten, werden vertraglich vereinbarte Schritte bis zur Kündigung der Geschäftsbeziehungen eingeleitet.

Umsetzung
Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil der Porsche Vergabeentscheidungen. Das Unternehmen hat in der Beschaffung ein eigenes Team etabliert, welches unter anderem die Nachhaltigkeitsleistung der direkten Lieferanten bewertet.

Neue Partner durchlaufen bei Porsche vor Aufnahme einer Geschäftsbeziehung grundsätzlich eine risikobasierte Integritätsprüfung. Seit der Einführung des Sustainability-Ratings (S-Rating) im Jahr 2019 ist Nachhaltigkeit ein verbindliches Vergabekriterium für alle unmittelbaren Lieferanten von Produktionsmaterialien. Dies gilt risikobasiert auch für Lieferanten anderer Bereiche. Geprüft werden Risiken in den Bereichen Soziales und Umwelt sowie im Bereich Compliance – einschließlich eines ethisch korrekten Verhaltens. Im Vergabeprozess steht Nachhaltigkeit damit auf einer Stufe mit den Kriterien Kosten, Qualität, technologische Kompetenz und Logistik.

In einem ersten Schritt des S-Ratings müssen (potenzielle) unmittelbare Lieferanten eine Selbstauskunft zu definierten Nachhaltigkeitskriterien abgeben. Die Grundlage bildet ein standardisierter und in der Automobilbranche etablierter Fragebogen. 

Führt die Selbstauskunft zu einem unzureichenden Ergebnis, folgt in einem zweiten Schritt ein Vor-Ort-Check. Dieser wird von einem unabhängigen Nachhaltigkeitsauditor ausgeführt. Sollten dabei Auffälligkeiten beobachtet werden, erfolgt eine negative Bewertung des Lieferanten. Gemeinsam mit diesem wird dann ein sogenannter „Corrective-Action-Plan“ aufgesetzt. Infolgedessen müssen die festgestellten Risiken zeitnah behoben werden. Die Umsetzung der Maßnahmen unterliegt einer zentralen Überprüfung. Betroffene Lieferanten werden so lange nicht bei Vergaben berücksichtigt, bis sie die Nachhaltigkeitsanforderungen einhalten und erfüllen.

Insgesamt haben bis zum Berichtsjahr 1.796 unmittelbare Lieferanten einen Fragebogen eingereicht. Davon wurden 657 vor Ort untersucht. Ein Großteil der Lieferanten, die sich mittels Angebot um einen Vergabezuschlag beworben haben, erfüllen heute die Nachhaltigkeitsanforderungen von Porsche.

Der Schulungsbaustein zum S-Rating ist für alle Mitarbeiter der Porsche Beschaffung verpflichtend. Damit wird Nachhaltigkeit in den operativen Beschaffungsprozessen verankert. Ein digitales Lernmodul ermöglicht auch den Mitarbeitern aus anderen Unternehmensressorts, sich über das Konzept und die Kontrollmöglichkeiten des S-Ratings zu informieren.

Verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung
Porsche strebt die Einhaltung menschenrechtlicher Standards in Rohstofflieferketten an. Hierfür kooperiert das Unternehmen eng mit seinen direkten Lieferanten. Porsche verlangt, dass die Herkunft von Materialien bei Verdachtsfällen offengelegt wird. Diese betreffen potenzielle Menschenrechtsverletzungen, wie zum Beispiel Kinder-, Pflicht- oder Zwangsarbeit sowie jegliche Form von moderner Sklaverei und Menschenhandel. Sie treten unter anderem in Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen in der Rohstoffgewinnung von Kobalt, Glimmer oder Naturkautschuk auf. Diese Prozesse sind durch die Komplexität der Lieferketten mit mehreren Stufen sehr aufwendig. Porsche geht daher grundsätzlich risikobasiert vor.

Werden beispielsweise durch Vor-Ort-Besuche Menschenrechtsverstöße festgestellt, wird ein Maßnahmenplan zur Behebung der Defizite mit dem Lieferanten vereinbart. Dieser muss abgearbeitet werden. Sollte das nicht wirksam sein, greifen Sanktionsmaßnahmen.

Im Berichtsjahr wurden im Volkswagen Konzern sogenannte Hochrisiko-Rohstoffe in mehreren Projekten sukzessive analysiert. Porsche prüft dabei in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten unmittelbaren Lieferanten zwei der identifizierten Hochrisiko-Rohstoffe. Auf diese Weise wird die gesamte Lieferkette bis zur Rohstoffherkunft nachverfolgt und alle involvierten Zwischenlieferanten können identifiziert werden. So erkennt Porsche frühzeitig menschenrechtliche Risiken und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Im Berichtsjahr wurde der erste „Responsible Raw Materials Report“ mit den wichtigsten Erkenntnissen und Maßnahmen veröffentlicht.

Zudem werden im Volkswagen Konzernverbund bestehende Ansätze und Ziele kontinuierlich weiterentwickelt, um einen verantwortungsvollen Rohstoffbezug gewährleisten zu können. Ein Beispiel hierfür ist das materialspezifische Lastenheft für Leder. Dieses ist ab 2022 für alle Neuvergaben verpflichtend. Mithilfe des Lastenhefts wird sowohl die Offenlegung der Lieferkette als auch ein lederspezifisches Nachhaltigkeitszertifikat obligatorisch eingefordert.

Porsche setzt auf den Einsatz neuer Technologien in bestimmten globalen und komplexen Zulieferketten. Das erhöht die Transparenz in der Lieferkette und trägt zur Prävention von Risiken bei der Rohstoffbeschaffung bei. So engagiert sich Porsche seit 2020 gemeinsam mit einem Start-up in einem Projekt. Mittels künstlicher Intelligenz erfolgt eine umfassende Untersuchung von Lieferanten: Durch konstantes Monitoring frei verfügbarer Internetquellen inklusive sozialer Medien werden zeitnah Hinweise auf mögliche Verstöße von Lieferanten gegeben. Diese technische Lösung ermöglicht eine frühe Erkennung potenzieller Nachhaltigkeitsverstöße in den tieferen Lieferketten. Die Ergebnisse der seriennahen Pilotierung mit mehr als 4.000 unmittelbaren und mittelbaren Lieferanten sind vielversprechend.

Porsche hat seine Rohstoffe im Blick, zum Beispiel die Lederherkunft

CO₂-Emissionen in der Lieferkette
Porsche hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll das Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bilanziell CO₂-neutral sein. Momentan ist die Lieferkette des Sportwagenherstellers für rund 20 Prozent der Porsche Emissionen von CO₂-Äquivalenten verantwortlich, die bei der Ermittlung des Dekarbonisierungsindex herangezogen werden. Porsche geht davon aus, dass dieser Anteil mit der zunehmenden Elektrifizierung signifikant steigen wird.

Seit Juli 2021 fordert der Sportwagenhersteller den Einsatz von erneuerbaren Energien zur Fertigung der Porsche Bauteile von seinen Serienlieferanten ein. Dies gilt für alle Vergaben von Produktionsmaterial für neue Fahrzeugprojekte.

Aufbauend auf einer Hotspot-Analyse wurden im Berichtsjahr zahlreiche Workshops mit Lieferanten relevanter Branchen durchgeführt. Damit werden Ziele und Maßnahmen zur CO₂-Reduktion und zum Einsatz nachhaltiger Materialien abgestimmt und verfolgt. Zudem forderte Porsche mehr als 1.200 direkte Lieferanten für Produktionsmaterial auf, ihre Pläne zur CO₂-Reduktion transparent aufzuzeigen.

Die HV-Batteriezellen sind unter den Bauteilen der größte Treiber für CO₂-Emissionen in der Lieferkette von Elektrofahrzeugen. Zur Reduktion dieser Emissionen wurden deshalb zielgerichtete Maßnahmen definiert, welche die Lieferanten als Anforderungen für Neuprojekte zukünftig erfüllen müssen. Zur Umsetzung der CO₂-Reduktionsziele in den Fahrzeugprojekten wurde ein umfassender Prozess entwickelt, der alle Schnittstellen berücksichtigt. Er gilt für alle Neuanfragen.

Darüber hinaus werden strategische Nachhaltigkeitsdialoge mit ausgewählten Tier-1-Lieferanten geführt, die den kontinuierlichen Austausch zu Nachhaltigkeitsthemen sicherstellen. Gemeinsam werden Chancen und Herausforderungen reflektiert und nachhaltiges Handeln gefördert.

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