Haltestellen erhöhen die Geschwindigkeit. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, sorgt auf Baustellen für Tempo und Termintreue: Beim Großprojekt NOAS (New Office Airport Stuttgart) stehen während der Ausbauphase auf jedem Stockwerk Schilder mit dem markanten grünen H auf gelbem Grund. „Das sind unsere Materialhaltestellen“, erklärt Bauleiter Stepan Malek. „Damit lenken wir den Materialfluss im Gebäude.“

Beim Bau des neuen Verwaltungsgebäudes neben dem Stuttgarter Flughafen setzt die Ed. Züblin AG – Direktion Stuttgart (mit 1100 Mitarbeitern mit einem Umsatz von 635 Millionen Euro 2015) schlanke Prinzipien mit gezielter Taktplanung und Taktsteuerung um. Fast 250 000 Quadratmeter umfasst das Gebäude, das aus drei organisch geformten Teilbauten besteht – nicht leicht, hier die Orientierung zu behalten. Für die Ausbauplanung wurde die Baustelle in Taktbereiche unterteilt. In jedem Bereich zeigt eine Haltestelle an, wo das dort benötigte Baumaterial abgeladen werden darf.

System Haltestelle

Die Idee der Haltestellen entstand bei einem Lean-Construction-Projekt mit Porsche Consulting. Schlecht koordinierte Materialanlieferungen, mangelnde Einweisung der Spediteure und Platzprobleme sorgen am Bau oft dafür, dass das Material nicht gleich dort angeliefert wird, wo es verwendet werden soll. Das führt zu häufigem, völlig überflüssigem Umsetzen des Materials. Es kann vorkommen, dass eine Fliese mehrere Dutzend Mal bewegt wird, bevor sie endlich an der Wand klebt. Das Prinzip „Buslinie“ löst dieses Problem.

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Haltestelle als Konstruktion aus zwei Spanplatten, die mit einem Holzpfosten verschraubt wurden. Mehr als 80 solcher Aufsteller wurden für die Stuttgarter Züblin-Baustelle gezimmert. Jede Haltestelle hat eine Nummer, die wie eine Lieferanschrift innerhalb des Gebäudes funktioniert. „Eine Materiallieferung darf nur auf die Baustelle, wenn sie mit einer genauen Adressangabe versehen ist“, sagt Malek. Ein Übersichtsplan im Taschenformat – die sogenannte Taschenlandkarte – weist den Lieferanten den Weg zum einzig richtigen Abladeort für ihre Lieferung.

Bauleiterin Eva Isaksson unterstreicht die Vorzüge des Systems: „Wir wissen jederzeit genau, wo sich ein bestimmtes Material befindet. Und es ist auch sofort sichtbar, wenn irgendwo etwas fehlt.“

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