22.10.2017

Fort, Richtung Fjord

Man sagt, es sei flüchtig, das Glück. Und man sagt, in Norwegen soll es eine gewisse Konstanz aufweisen. Also macht sich unser Autor auf die Reise. Immer gen Norden. Und schon auf den ersten Metern ist er doch eigentlich bereits am Ziel seiner Reise: glücklich am Steuer des offenen Porsche 911 Carrera 4 GTS.

Ein Klischee über die Norweger besagt, dass sie sich am glücklichsten fühlen, wenn sie viele Stunden Auto gefahren, dann mit schwerem Gepäck auf dem Rücken auf Langlauf-Skiern durch die schier endlose Weite gewandert sind, schließlich am Ziel – einer entlegenen Hütte ohne Strom und Wasser – ankommen, um es sich dort gemütlich zu machen. Klingt simpel. Scheint aber zu funktionieren. Gemäß dem aktuellen »World Happiness Report« sind die Norweger die glücklichsten Menschen der Welt. Und das nicht nur in entlegenen Hütten. Oder wenn die Schweden im Sport verlieren.

Das Glücksempfinden eines Menschen hänge vor allem von Faktoren wie Fürsorge, Freiheit, Großzügigkeit, Ehrlichkeit, Gesundheit, Einkommen und guter Regierungsführung ab. Zu diesem Schluss kommen die Herausgeber des World Happiness Report, internationale Experten der New Yorker Columbia University und der Vereinten Nationen. Sie verknüpften Länderdaten mit Befragungen über die Selbstwahrnehmung der Bewohner, berücksichtigten das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die durchschnittliche Lebenserwartung, die gefühlte Unterstützung aus dem eigenen sozialen Umfeld sowie das Vertrauen in Regierung und Unternehmen mit Blick auf Korruption.

Gemäß dem »World Happiness Report« sind die Norweger die glücklichsten Menschen der Welt.

Erstmals konnte Norwegen Dänemark, den Seriensieger der letzten Jahre, von der Top-Position verdrängen. Trotz des sinkenden Ölpreises. Trotz damit verbundener geringerer Staatseinnahmen. Manche sagen sogar, dass Norwegen seinen hohen Glücksstandard nicht wegen seines Ölreichtums erreicht, sondern trotz des Ölreichtums. Das Land habe sich entschlossen, so die Wissenschaftler, die Vorkommen nur langsam zu fördern und die Gewinne in Zukunftsprojekte zu investieren. Dies gelinge nur, weil es in der Bevölkerung ein hohes Vertrauen und gemeinsame Ziele gebe.

»Wir haben viele Ressourcen und zusätzlich ein hohes Einkommen«, sagt der Soziologe Anders Barstad vom norwegischen Statistikamt. »In Norwegen und den nordischen Ländern gibt es sehr geringe Einkommensunterschiede, wenig Armut und Arbeitslosigkeit. Wer Arbeit und dazu eine gesunde Familie hat, nimmt sich eher als glücklich wahr oder sieht zumindest keinen Grund, es nicht zu sein.« Vor allem das gut ausgebaute Wohlfahrtssystem sorge also dafür, dass sich die Skandinavier weniger Gedanken um ihre Zukunft machen müssen. Und weit weniger gestresst sind als Menschen andernorts.

Alle Einstellungen auf »Sport«

So weit, so gut. Aber doch alles sehr abstrakt. Konkreter wird es nachmittags auf der A1 nördlich von Hamburg. Kaum Verkehr, drei Spuren, dazu top Asphalt, trocken. Alle Einstellungen auf »Sport«, lasse ich den racinggelb lackierten 911 Carrera 4 GTS rennen. Nicht, weil ich es eilig hätte. Lust treibt mich an. Das Tacho zeigt 310 km/h, die gelben Rapsfelder scheinen mit den muskulösen hinteren Flanken des GTS zu verschmelzen. Adrenalin. Pur. Spätestens auf der Landstraße zum Fährhafen nach Puttgarden, das Verdeck ist längst im Heck verschwunden, zeigt sich, dass der Elfer, insbesondere als Cabriolet in Racinggelb, die Idealbesetzung für meine Reise ins Glück ist: sonniges Gefühl serienmäßig.

Der nächste Tag. Gegen Mittag komme ich in Oslo an. Strahlend blauer Himmel, den es so nur hier im Norden gibt. Milde 20 Grad, Frühlingsgefühl. Die Straßen voller Menschen. Sie sitzen auf den Stufen und Flächen rund um die moderne Oper, in den Cafés und Restaurants oder den Parks, sie skaten, radeln, segeln, paddeln. Genießen können sie, die Nordmannen.

Das 911 Carrera GTS Cabriolet: sonniges Gefühl serienmäßig.

Bevor es Abend wird, verlasse ich Oslo, der untergehenden Sonne folgend, Richtung Stavanger. Nehme bewusst nicht die südliche, gut ausgebaute Straße der Küste entlang. Mich interessiert, wie das Landesinnere aussieht. Fahre über kurvige Asphaltbänder, die wie das Wasser durch die archaische Landschaft mäandern. Eine Landschaft, die – mit Ausnahme dieser engen Straße – keinerlei Zeichen menschlicher Einwirkung trägt. Ur-Landschaft. Gefühlt vor Millionen Jahren gleich, in Millionen Jahren gleich. Der Faktor Zeit, sonst oft lebensbestimmend, spielt hier absolut keine Rolle.

Das sieht Olaf, der eine der raren Tankstellen im Hinterland betreibt, genauso: »Warum ich hier lebe? Weil ich hier Herr meiner eigenen Entscheidungen sein kann. Keiner und nichts treiben mich. Ich genieße die Begegnungen mit den Menschen. Und wenn ich alleine sein will, schließe ich meine Tankstelle. Und gehe fischen.« Wenig Stress macht glücklich. Und Sicherheit. Katrin, die mit ihren Söhnen Lasse und Jan zu Olaf gekommen ist, um drei Eis zu kaufen, bringt es auf den Punkt: »Wir haben sehr gute Schulen in Norwegen. Und ich kann meine Jungs sicher auf dem Fahrrad dorthin fahren lassen. Im Winter nehmen sie den kostenlosen Schulbus. Mein Mann hat eine gut bezahlte Arbeit und wir leben in einem schönen Haus mit wunderbarer Aussicht. Wir haben keine großen Sorgen. Außer der 4 neulich in Mathe.« Betont zögerlich erwidert der 11-jährige Jan Katrins augenzwinkerndes Lächeln.

Leuchtend gelber Glücksbote aus Zuffenhausen

Ich fahre weiter. Durch Heia, durch Tau. Denke an Elche zwischen Eiken und Evje. Der Alliteration wegen. Fahre vorbei an LKWs, die Baumstämme spazierenfahren. Entdecke Steine mit Mützen aus Moos. Ich fahre durch monochromes Braun-Schwarz. Etwas höher – wir haben Mai – durch gleißendes Weiß. Die Luft hier ist so rein, dass der Schnee auch nach Monaten nichts von seiner Strahlkraft verliert. So wie mein leuchtend gelber Glücksbote aus Zuffenhausen. Der mit seinem sonor blubbernden Boxer mal die perfekte Cruising-Maschine ist. GTS: Gran Turismo, Sonne inklusive. Um sich nach der nächsten Kuppe dem Sog der Kurven hinzugeben. Die 450 Pferde treiben das Fahrzeug vehement nach vorne. Phänome­nal, wie es in engen Kurven exakt die Linie hält, geradezu auf dem Asphalt klebt. Landschaft fliegt vorbei. Beschleunigung, Entschleunigung. Das Glück, ein regelmäßiger Gast im offenen Porsche. Wer braucht da noch Langlaufskier? Oder Ölreserven?

Info

Text erstmalig erschienen im Magazin Ramp #38.

Text: Philipp Wente // Fotos: Cihan Cakmak, Philipp Wente

Verbrauchsangaben

911 Carrera 4 GTS Cabriolet: Kraftstoffverbrauch kombiniert 9,7 – 8,7 l/100 km; CO2-Emission 220 – 196 g/km

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