09.02.2015

Hochtechnologie in Handarbeit – Teil 1

Der Porsche 918 Spyder setzt Maßstäbe. Aber wie entsteht der Supersportwagen eigentlich? Eiblicke in die Manufaktur.

Auch bei der Fertigung geht Porsche individuelle Wege: Mit einer 4.000 Quadratmeter großen Manufaktur, in der rund 100 ausgewählte Mitarbeiter das Fahrzeug in Handarbeit zusammensetzen. Und dies mitten im Herzen von Werk 2 in Stuttgart-Zuffenhausen, Keimzelle und seit nunmehr 50 Jahren Produktionsstätte der Sportwagen-Ikone 911. Ebenso wie der 911 entwickelt sich auch der 918 zum Verkaufsschlager. Denn innerhalb eines guten Jahres ist die auf 918 Stück limitierte Auflage, die noch bis Mitte 2015 produziert wird, verkauft.

Vor gut vier Jahren hat Michael Drolshagen den Auftrag bekommen, als künftiger Produktionsleiter eine Manufaktur für den Porsche 918 Spyder zu konzipieren und aufzubauen. Zuvor war er vier Jahre in der Produktionsvorbereitung der Serienanfertigung, wo er sämtliche Prototypen begleitete und die technische Verantwortung für Repräsenttionsfahrzeuge hatte. Er begann, indem er sich und einigen Porsche-Kollegen erst einmal die entscheidende Frage stellte: „Was kennzeichnet eigentlich eine Manufaktur?“

Neuer Glanz in ehemaliger Lackiererei

Die Antworten fielen höchst unterschiedlich aus. Während es für die einen „der Duft nach Leder“ oder „eine gewisse räumliche Enge“ waren, hatte der 43-jährige Wirtschaftsingenieur recht schnell das Bild eines Uhrmachers vor sich, wie er in rein raumgleicher Umgebung mit Monokel und Pinzette in präziser Handarbeit sein Werk ausführt.

24 Monate später hat die Manufaktur ihren Platz in zentraler Lage von Werk 2 in Zuffenhausen gefunden. Und wer die ehemalige Lackiererei der Serien-Sportwagen im zweiten Stock betritt, erkennt sofort, dass das Projektteam einen Raum geschaffen hat, der dem ursprünglichen Gedanken des Spyder-Produktionsleiters recht nahe kommt.

Michael Drolshagen, Produktionsleiter 918 Spyder-Manufaktur

Zusammen mit Projektleiter Dr. Frank Walliser arbeiten die Porsche-Spezialisten konzentriert und in absolut ruhiger Atmosphäre an ergonomisch vorbildlich gestalteten Arbeitsplätzen an der Verwirklichung eines High-end-Sportwagens. Der Raum wirkt licht und freundlich. Es dominieren die Farben grau (Boden), weiß (Wände und Decken) und acid-grün. Jene Leitfarbe also, die Porsche für sämtliche Fahrzeuge mit E-Hybrid-Antrieb ausgegeben hat.

Nichts scheint zu viel. Kein Kabel stört die Laufwege. Auch, weil es von vorneherein der Anspruch war, beim Bau eines Plug-in-Hybrid-Sportwagens ausschließlich auf Akku-Werkzeuge zu setzen. Bestes Beispiel dafür: die über Bluetooth gesteuerten Akkuschrauber. Nahezu geräuschlos verrichten sie ihre Arbeit, erhöhen die Flexibilität der Werker am Arbeitsplatz, verringern das Risiko der Beschädigung von Bauteilen und stellen über die Kopplung zur Datenbank zudem sicher, dass die hinterlegten Drehmomente zuverlässig eingehalten, dokumentiert und jederzeit überprüft werden können.

Das beste aus zwei Welten

Gerade Letzteres, dieses kompromisslose Qualitätsdenken, erklärt im Übrigen auch die Standortwahl Zuffenhausen. Natürlich gab es da die emotionale Komponente im Hinblick auf den Ursprung der Legende 911, die große Rennsporttradition und die ganz spezielle Porsche-DNA vor Ort. Viel entscheidender war es jedoch, sich mit der Manufaktur als Produktionsstätte einer Kleinserie direkt in die so genannte Perlenkette der Serienfertigung eintakten zu können, um die vielfältigen Einrichtungen sowie das umfangreiche Know-how im Prüffeld und bei der Endmontage zu nutzen.

Neben der Infrastruktur bietet Zuffenhausen für die 918-Manufaktur einen weiteren entscheidenden Vorteil: die Mitarbeiter. Rund 3.500 Menschen sind am Standort im Fahrzeugbau tätig und nirgendwo sonst wäre es möglich gewesen, auf so einen Pool an hochqualifizierten Spezialisten aus den Bereichen Entwicklung, Fahrzeuginnenausstattung, Karosseriebau, Lackierung, Montage und Antrieb zurückzugreifen.

14 unterschiedliche Nationen arbeiten hier zusammen

Frauen und Männer mit 14 unterschiedlichen Nationalitäten haben die begehrten Plätze schließlich erhalten. Das Alter reicht von 21 bis 56 Jahren und die Berufserfahrung liegt zwischen sechs und 40 Jahren. Die Porscheaner kommen allesamt aus verschiedenen Bereichen der Sportwagenproduktion und nicht wenige davon waren bereits in der Produktion von Motorsport-Fahrzeugen oder im Prototypenbau tätig. Mit all ihrer Expertise und Leidenschaft ist diese bunt gemischte Mannschaft der Garant dafür, dass bis Mitte 2015 exakt 918 Exemplare des Porsche 918 Spyder die Manufaktur im High-End-Format verlassen.

Verbrauchsangaben

918 Spyder: Kraftstoffverbrauch/Emissionen*: 3,1 l/100 km; CO2-Emission: 72 g/km; Stromverbrauch: 12,7 kWh/100 km

918 Spyder (Weissach Paket): Kraftstoffverbrauch/Emissionen*: 3,0 l/100 km; CO2-Emission: 70 in g/km; Stromverbrauch: 12,7 kWh/100 km

Ähnliche Artikel

Meistgelesen

  1. 6-Stunden-Lauf: Ferry-Porsche-Stiftung spendet 195.000 Euro
  2. Ein Porsche in Puzzleteilen
  3. Porsche hilft bei Geschwindigkeitsrekord
  4. Pilotprogramm in den USA: Porsche startet Sharing-Angebot
  5. E-Boxenstopp

Meistgeteilt

  1. Porsche Classic baut 911-Klassiker aus Originalteilen
  2. Weltpremiere in Shanghai: Porsche zeigt den neuen Macan
  3. Produktionsstart für den neuen Macan
  4. Porsche hilft bei Geschwindigkeitsrekord
  5. Der neue Macan im Höhentraining
Social Media