Alternative Entwürfe: So hätte das Porsche-Wappen aussehen können

Das Porsche-Wappen: erhaben mit aufrechtem Pferd, jedes Detail mit tiefer Bedeutung. Und doch: Zu Beginn der 1960er-Jahre gab es Kritik daran. Das Porsche-Archiv blickt zurück und zeigt alternative Entwürfe, die letztlich nicht weiterverfolgt wurden.

Ein einfacher Schriftzug: Porsche. Mehr nicht. Das reichte den technisch-sachlichen Schöpfern des Porsche 1948 zur Beschreibung dessen, was wir heute als Ikone der Strasse empfinden. Es gibt Legenden von Laubsägearbeiten in Alu, die ein Lehrling anfertigte, um den Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster noch vor dem Hofgartenrennen mit einzelnen Lettern zu verzieren. Doch heute erkennen wir den Porsche an seinem Wappen.

Erster Entwurf des Porsche Wappen, 2023, Porsche AG

Schon 1951 ergreift Dr. Ottomar Domnick, bekennender Porsche-Fan der allerersten Stunde, die Initiative und ruft zum Wettbewerb „Der Porsche-Preis“ auf, um ein Logo für die junge Marke zu finden. Doch die vielfältigen Entwürfe führen nicht zum Ziel. Bei einem Geschäftsessen in New York Ende 1951 ist es dann Max Hoffman, der im Gespräch mit Ferry Porsche erneut den Entwurf eines Logos anregt. Und so schreibt Ferry Porsche am 27. Dezember in sein Notizbuch: „Lenkradnabe verziert mit ›Porsche‹ und Wappen von Stuttgart oder ähnlich.“ 1952 entwickelt der zeichnerisch begabte Konstrukteur Franz Xaver Reimspiess den entscheidenden Entwurf: In den Konturen eines goldenen Schildes ist in der Mitte das aufsteigende Pferd des Stuttgarter Stadtsiegels abgebildet. Gemeinsam mit dem darüber liegenden Stadtnamen Stuttgart ein deutliches Bekenntnis zum Zuffenhausener Produktionsstandort. Die umgebenden rot-schwarzen Landesfarben mit den stilisierten Geweihstangen sind dem traditionellen Wappen Württemberg-Hohenzollern entnommen – als schützendes Dach wölbt sich über allem der verbindende Porsche-Schriftzug.

Ein Wappen, das für Eindruck sorgte

Ein Kunstwerk, das so filigran ist und so viel in sich vereint, was Porsche ausmacht – klarer Beleg dafür, dass die Dinge, die man mit dem Herzen und aus Überzeugung macht, mehr zählen als jede Lehre, jedes Studium. Von nun an hatte Porsche also sein Wappen, das nicht nur auf den Fahrzeugen, sondern auch auf Briefpapier, in Werbeanzeigen und in Druckwerken für Eindruck sorgte. Und wohl auch für Verdruss.

Man muss ein wenig in der Zeit zurückgehen, um zu verstehen, was ein detailreiches Logo mit vielen Farben bedeutete. In den 1950er-Jahren war ein Druck in Farbe noch sehr teuer und zudem kompliziert. Nicht jede Druckerei hatte geeignete Maschinen. Und auch die Anfertigung der Druckplatten, das genaue Setzen der Passmarken, damit am Ende alle Druckformen exakt übereinanderliegen und eine Grafik oder ein Bild scharf und ohne verrutschtes Druckraster abgebildet wird – das alles war nicht eben leicht. Zudem sah das Porsche-Wappen in simpler Schwarz-Weiss-Ausführung lange nicht so erhaben aus. Die Verkaufsleitung (VKL) von Porsche samt der Händlerschaft erkannte noch ein anderes Problem, das dann 1961 schriftlich belegt an Porsche und den Werbeleiter (WBL) Hermann Lapper adressiert wurde: „Die Vielfarbigkeit und die vielen Details auf ein Ganzes zusammengetragen, lassen keine kompakte Sichtwirkung im Strassenverkehr zu.“

Schriftverkehr zum Porsche Wappen, 2023, Porsche AG
Schriftverkehr im Original von 1961. Es wird klar: Der Händlerschaft war das Wappen nicht modern, nicht erkennbar genug.

Als gute Beispiele werden der Mercedes-Stern und das VW-Logo (auch ein Reimspiess-Entwurf) angeführt. Daraufhin sind offensichtlich verschiedene Entwürfe in Zusammenarbeit mit Hanns Lohrer entstanden. Lohrer, ein begnadeter Grafiker, war in den 1950er- und 1960er-Jahren bei Porsche verantwortlich für viele stilbildende Plakate und Werbungen. Ein kreativer Wilder, der wie Erich Strenger dieser Porsche-Zeit seinen Stempel aufgedrückt hat.

Ein neues Logo

Nun also ging es um den ganz grossen Stempel: ein neues Logo. Mit dem „T8-Programm“, also dem Nachfolger des Porsche 356, sollte es eingeführt werden. Doch daraus wurde nichts.

Logo-Entwürfe, 2023, Porsche AG
Ganz anders! So hätte das Logo künftig aussehen sollen: Immer ein Spiel mit dem P, mal im Kreis, mal spiegelbildlich angeordnet – aus heutiger Sicht wirkt das fremd bis befremdlich.

Nur der Präzision des Porsche-Sekretärs und Chronisten Ghislain Kaes ist es zu verdanken, dass wir überhaupt Kenntnis davon haben. Im Unternehmensarchiv ist ausser diesem Schriftverkehr zu den damaligen Bestrebungen nichts bekannt.

Rücksendebeleg, 2023, Porsche AG
Zurück an Absender: Ghislain Kaes schickte die Entwürfe 1963 an den Werbeleiter Hermann Lapper. So kamen sie ins Archiv.

Vermutlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass das seit 1952 verwendete Logo schon zu etabliert war, als dass man im Galopp noch das Pferd hätte wechseln können. Doch das ist nur eine Vermutung. Ferry Porsche hatte einst so argumentiert, als Ottomar Domnick ihm gegenüber äusserte, dass das Porsche-Wappen mit springendem Pferd zu nahe am Reutter-Logo sei. Heute ist das Wappen vor allem eines: unverwechselbar Porsche. Und das in nun sechster Auflage.

Info

Text erstmalig erschienen im Magazin Porsche Klassik 28.

Autor: Thorsten Elbrigmann

Fotografie: Unternehmensarchiv der Porsche AG

Copyright: Alle in diesem Artikel veröffentlichten Bilder, Videos und Audio-Dateien unterliegen dem Copyright. Eine Reproduktion oder Wiedergabe des Ganzen oder von Teilen ist ohne die schriftliche Genehmigung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG nicht gestattet. Bitte kontaktieren Sie newsroom@porsche.com für weitere Informationen.

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Verbrauchsangaben

Taycan Turbo S

WLTP*
  • 0 g/km
  • 23,4 – 22,0 kWh/100 km
  • 440 – 467 km

Taycan Turbo S

Kraftstoffverbrauch / Emissionen
CO₂-Emissionen* kombiniert (WLTP) 0 g/km
Stromverbrauch* kombiniert (WLTP) 23,4 – 22,0 kWh/100 km
Elektrische Reichweite kombiniert (WLTP) 440 – 467 km
Elektrische Reichweite innerorts (WLTP) 524 – 570 km
Effizienzklasse: C