Seine Fotos sind sein Instrument, eine Geschichte zu komponieren. Seine siebenteilige Buchreihe „A Flat 6 Love Affair" verfügt über eine besondere Melodie, laut und leise im Wechsel. Aneinandergereiht ergeben die Buchrücken nach sieben Bänden und Jahren den Namen „Porsche". Die Leidenschaft für analoge Fotografie treibt Bart Kuykens an, Musik und Design der 1970er-Jahre inspirieren ihn. Der gebürtige Belgier arbeitet am liebsten allein, dann kann er die Dinge auf seine Weise tun. Zum Abschalten setzt sich der Vater zweier Jungs gern in seinen Porsche 911 T aus dem Jahr 1970 und fährt los, geniesst das Gefühl, eins mit der Strasse zu sein. Warum der er Landesgrenzen als imaginäre Linien sieht, sich nicht um Schärfe sorgt und warum die Kunst der Fotografie für ihn ein Geschenk ist, verrät er im folgenden Gespräch.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Bart Kuykens: Fotografie ist für mich viel mehr als nur ein Handwerk, es ist ein Talent und ein grosses Geschenk. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Interessierte die Theorie der Fotografie lernen kann, was aber nicht bedeutet, dass er dann auch automatisch ein guter Fotograf ist. Das Talent zu fotografieren habe ich geschenkt bekommen – und es dankend angenommen. Ich weiss es zu schätzen, dass mir meine Protagonisten Vertrauen entgegenbringen. Und ich liebe es, den Auslöser genau dann zu drücken, wenn ich die Chance habe, den perfekten Moment einzufangen.

Arjan Rietveld, 964, 2021, Porsche AG
Outlaw: Sein Porsche 964 ist ein wenig lauter und schneller als manch anderer Elfer derselben Generation. Daher rührt auch der Spitzname des ehemaligen Weinhändlers Arjan Rietveld: Mr. Bomber.
Brittney Hamilton, Fotografin, 911, 2021, Porsche AG
Starker Auftritt: Brittney Hamilton ist Künstlerin und Fotografin. Den Elfer hat ihr ein Bekannter für ein Shooting in der Hitze von Palm Springs geliehen.
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Mit welcher Kamera sind Sie am liebsten unterwegs?

Kuykens: Im Moment mit der Hasselblad H1 Mittelformat und mit der Leica R7 für meine 35-mm-Fotos, beide Marken passen super zu meiner Persönlichkeit. Manche Menschen denken, dass man mit einer teuren Kamera bessere Bilder macht. Sie fühlen sich damit vielleicht sicherer. Aber am Ende des Tages dreht sich alles um den Inhalt.

Sie fotografieren analog und meistens in Schwarz- Weiss – ist das Ihr Markenzeichen, Geschichten zu erzählen?

Kuykens: Für mich ist das der einzig richtige Weg, ein besonders schönes Foto zu machen. Manchmal arbeite ich auch mit einer Digitalkamera, aber dann fehlt mir schnell der besondere Wow-Faktor. Die digitale Fotografie ist perfekt für viele Situationen, sie ist schnell, sie ist scharf, hat viele Megapixel – aber die wahre Schönheit eines Moments fange ich nur analog ein.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Kuykens: Meine Handschrift ist dunkel und kantig. Ich mache mir nie Sorgen um Schärfe, ich mag die Artefakte des Films. Wenn möglich arbeite ich nur mit Tageslicht. Ich versuche stets, die Stimmung einzufangen.

Wann ist Ihnen die Idee zu Ihrer Buchreihe »Flat 6 Love Affair« in den Sinn gekommen?

Kuykens: Ich habe 2015 angefangen, ein paar Freunde mit ihren Porsche zu fotografieren, zum Beispiel einen 912 eines Kumpels in den Niederlanden. Nachdem ich die Bilder entwickelt hatte, war ich total begeistert und beschloss, noch einen Porsche mit seinem Besitzer zu fotografieren. Und noch einen. Ich konnte nicht mehr aufhören, bis zu dem Moment, als ich genügend Fotos für ein Buch hatte. Dann entschied ich mich für sieben Ausgaben, eine pro Buchstabe der Marke, ein Buch pro Jahr, sieben Jahre Porsche-Liebesgeschichten.

Verraten Sie uns Ihre eigene Porsche-Liebesbeziehung?

Kuykens: Ich bin kein typischer Porsche-Verrückter. Ich liebe die Autos, ich liebe die Szene, ich liebe das Reisen und die Strassen, aber ich liebe es vor allem deshalb, weil sich hinter jedem Porsche ein Mensch mit einer interessanten Geschichte verbirgt. Mein erstes klassisches Auto, einen VW Karmann-Ghia, habe ich in meinen Zwanzigern gekauft und es zwei Jahre später verkauft. Ich hatte die laufenden Kosten unterschätzt. Zehn Jahre später zeigte mir mein Nachbar seinen Porsche 911 aus dem Jahr 1971. Der Elfer zog mich in seinen Bann – und hat mich nie wieder losgelassen. Ich kaufte mir einen Carrera 3.2 von 1985 und ein paar weitere Modelle. Auf der Suche nach dem perfekten Porsche habe ich viele gekauft und getauscht. Bis ich irgendwann merkte, dass es eine Illusion ist, der ich hinterherlaufe. Es gibt nicht den einen perfekten Porsche. Jeder hat seine eigene Geschichte. Heute fahre ich einen 911 T aus dem Jahr 1970 in GT Silber. Und bin glücklich damit.

Bart Kuykens, Fotograf, 2021, Porsche AG
Fokussiert: Der Entwicklungsprozess und das Warten auf die Negative bereiten dem Fotografen heute noch jedes Mal Gänsehaut. Er liebt das Korn, die kleinste Struktur des entwickelten Films.

Was fasziniert Sie an alten Autos?

Kuykens: Die Form. Die Geschichte, die das Auto erzählt. Und die Patina.

Warum Porsche?

Kuykens: Weil ein Porsche verlässlich ist und über ein zeitloses Design verfügt. Es gibt kein besseres Auto, um einen Roadtrip mit Freunden zu machen und jede Menge Spass zu haben. Mit der Marke Porsche assoziiere ich Freiheit, Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit. Mit einem Elfer ist man immer stilvoll unterwegs.

Wenn etwas kaputtgeht an Ihrem Elfer, legen Sie dann selbst Hand an?

Kuykens: Auf keinen Fall! Ich würde immer einen Profi ranlassen. Ich habe keine Geduld für Reparaturen, deshalb würde ich alles vermasseln. Auf eine kleine Delle würde ich allerdings einen Aufkleber pappen.

Foto von Bart Kuykens, 2021, Porsche AG
Spannung: Seine Bilder leben von vollkommener Unvollkommenheit. Und wenn er gefragt wird, ob er lieber scharfe oder unscharfe Fotos mag, entscheidet sich Bart Kuykens für die, die nicht im Fokus liegen. Der Stimmung wegen.
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Was bedeutet Ihnen Heimat – ist Belgien für Sie der Inbegriff von Heimat?

Kuykens: Nein. Belgien ist ein Land wie jedes andere. Es ist das, was ich lediglich Heimat nenne, weil ich hier aufgewachsen bin. Ich spreche die Sprache und meine Kinder gehen hier zur Schule. Dieses Land hat mich aber nicht zu dem gemacht, der ich heute bin. Ich mache mir meine eigene Welt, meine eigene Heimat, mit den Menschen, die ich mag und liebe. Physische Grenzen sind für mich nicht mehr als imaginäre Linien.

Wer oder was inspiriert Sie?

Kuykens: Musik, Design, Architektur und Menschen. Ich liebe Innendesign der 1970er-Jahre. Und wenn es um Persönlichkeiten geht, dann lass ich mich am meisten von Menschen mit einer besonderen Arbeitsmoral inspirieren. Von denen, die mein Motto teilen: Früh aufstehen und viel erreichen! Fotografisch gesehen inspiriert mich Anton Corbijn.

Jay Leno, Moderator und Komiker, 2021, Porsche
Perfekter Moment: Den US-amerikanischen Moderator und Komiker Jay Leno fotografierte Bart Kuykens für die Ausgabe Vol. 5 seiner Buchreihe. Mit einem gelben Mikrofasertuch putzte dieser zwischendurch über seinen Porsche. „I like to capture real life moments" , sagt der Fotograf

Gibt es etwas, woran Sie glauben?

Kuykens: Ich glaube an mich. Es geschehen keine Wunder, also arbeite ich hart und glaube fest an mich. Von nichts kommt nichts.

Wovon träumen Sie gerade?

Kuykens: Im Moment träume ich davon, in Los Angeles auf einer sonnigen Terrasse zu Mittag zu essen. Wenn es nicht um meine Leidenschaft und Arbeit geht, dann bin ich ohnehin ein grosser Träumer. Beruf lich gesehen niemals, denn wenn es etwas zu tun gibt, wird angepackt – und nicht geträumt.

Was bereuen Sie?

Kuykens: Da gibt es so einige Dinge, aber irgendwie sind sie viel zu belanglos, um sie jetzt zu nennen. Ich zitiere lieber Frank Sinatra mit »My Way«, denn genau das ist es, was mich ausmacht, dass ich die Dinge auf meine Weise angehe.

Freeman Thomas, Designer, 2021, Porsche AG
Beim Shooting mit Designer Freeman Thomas schaute spontan ein Pferd vorbei.
Yordalys Garcia und Alvaro Rodriguez, Gründer von @dasrenntreffen, 2021, Porsche AG
Bei Yordalys Garcia und Alvaro Rodriguez, Gründer von @dasrenntreffen, ist der Sohn der heimliche Star.
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Wen möchten Sie eines Tages fotografieren?

Kuykens: Auf jeden Fall Al Pacino und Keith Richards.

Ihr Lieblingsbeifahrer für eine lange Fahrt?

Kuykens: Das ist schwierig und hängt von der Dauer der Fahrt ab. Aber ganz ehrlich: Ich liebe es, allein im Auto zu sitzen. Nach ein paar Stunden erreiche ich diesen wunderbaren Zustand im Kopf, der die eigenen Gedanken frei und mich eins mit der Strasse werden lässt. Ein grossartiges Gefühl.

Info

Text erstmalig erschienen im Magazin Porsche Klassik 19.

Autorin: Christina Rahmes

Fotograf: Bart Kuykens

Copyright: Alle in diesem Artikel veröffentlichten Bilder, Videos und Audio-Dateien unterliegen dem Copyright. Eine Reproduktion oder Wiedergabe des Ganzen oder von Teilen ist ohne die schriftliche Genehmigung der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG nicht gestattet. Bitte kontaktieren Sie newsroom@porsche.com für weitere Informationen.

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Verbrauchsangaben

Taycan Sport Limousinen Modelle

WLTP*
  • 0 g/km
  • 26,6 – 20,4 kWh/100 km
  • 335 – 484 km

Taycan Sport Limousinen Modelle

Kraftstoffverbrauch / Emissionen
CO₂-Emissionen* kombiniert (WLTP) 0 g/km
Stromverbrauch* kombiniert (WLTP) 26,6 – 20,4 kWh/100 km
Elektrische Reichweite kombiniert (WLTP) 335 – 484 km
Elektrische Reichweite innerorts (WLTP) 382 – 524 km
Effizienzklasse: A