Der Macan lernt schwimmen

Was passiert, wenn Porsche-Technologie den festen Boden verlässt? Mit der Frauscher x Porsche 850 Fantom Air wird der vollelektrische Macan zum Ausgangspunkt einer neuen Form von Bewegung. Eine Reise an den Traunsee – zwischen Sportwagen-DNA, Bootsbaukunst und der Frage, wie sich Performance anfühlt, wenn sie nicht rollt, sondern gleitet. 

Porsche bringt seine elektrische Performance aufs Wasser – und wir fahren im vollelektrischen Macan dorthin, wo diese Idee schwimmen gelernt hat. Das passt, denn der Macan ist nicht nur das Reisefahrzeug nach Österreich, sondern auch die technische Entwicklungsbasis der Frauscher x Porsche 850 Fantom Air: Batterie, Leistungselektronik, Elektromotor und Steuerungslogik stammen aus seiner Welt.

Die Route führt an den Traunsee, ins Salzkammergut, wo Berge, Wasser und Bootsbau fast selbstverständlich zusammengehören. In Ohlsdorf, unweit von Gmunden, sitzt die Frauscher Bootswerft: 1927 gegründet, seit Jahrzehnten eine der feinsten Adressen für elegante Sportboote – und seit 1955 auch mit elektrischen Booten vertraut. Wir fahren also nicht einfach zu einer Werft, sondern zu einer Art Verwandtschaftstreffen: Macan trifft Fantom Air, Strasse trifft Wasser, Sportwagenlogik trifft Bootsbaukunst.

Vom SUV zum Sportboot

Damit aus Porsche-Technologie ein vollwertiges Sportboot werden konnte, mussten die Entwickler beide Welten zunächst miteinander versöhnen. Bereits 2022 fuhr der erste Prototyp, doch die wirkliche Arbeit begann danach: Software, Steuergeräte, Kühlung und Sicherheitslogik mussten für eine total neue Umgebung angepasst werden. «Beim zentralen Steuergerät war der Aufwand besonders hoch, weil es auf dem Wasser weder Radgeschwindigkeiten gibt noch eine Parkbremse», erklärt Jörg Kerner, Leiter der Baureihe Macan. Dazu kamen Wellenschläge, Feuchtigkeit, Salzwasser und Dauerlast: Ein Boot muss permanent gegen den erheblich höheren Widerstand des Wassers arbeiten. «Wir haben im Grunde ein SUV seziert und in ein Boot verpflanzt», so Kerner.

Die Eckdaten zeigen, wie tief Porsche eingriff: 400 kW (544 PS) Leistung aus einer 100-kWh-Batterie, auf Drahtseildämpfern gelagert, um Wellenschläge abzufangen. Ein Siliziumkarbid-Wechselrichter für Effizienz, komplett digitale Steuerung und Fahrmodi wie im Macan. Selbst der Bootsrumpf wurde angepasst. «Wir haben den Heckbereich neu konstruiert, um die Batterie unterzubringen», erklärt Michael Frauscher. «Sie sitzt dort, wo beim Verbrenner der Tank ist – nur braucht sie viel mehr Platz.»

Antrieb Frauscher x Porsche 850 Fantom und 850 Fantom Air, 2026, Porsche Schweiz AG

Aquaplaning auf Porsche-Art

Und wie fährt sich das Ganze? Florian Helmberger, Prokurist und Director Sales & Marketing bei der Frauscher Bootswerft, lacht: «Süchtig machend.» In der Tat. Der Start wirkt banal – ein Klick vorwärts oder rückwärts, keine Gänge, kein Lärm. Doch dann, bei 35 km/h, hebt sich der Rumpf, das Boot geht in die Gleitfahrt. «Ab da läuft es fast auf einem Luftpolster – effizienter, stabiler, ruhiger.» Bei 50 bis 55 km/h schwebt die Fantom souverän, bei knapp 92 km/h setzt sie Rekorde. Bei der Monaco Energy Boat Challenge 2025 fuhr die eFantom mit 49.84 Knoten – rund 92 km/h – zum Weltrekord für Elektro-Sportboote. 

Die Lenkung: vollständig drive-by-wire, kein Draht, keine Mechanik, nur digitale Präzision. Das Fahrgefühl: Macan auf Wasser. Es ist, als hätte man den vollelektrischen Macan vom Asphalt gelöst und ihn auf ein flüssiges Parkett gesetzt – dieselbe Direktheit, derselbe Punch, nur dass die Kurven jetzt Bugwellen heissen. Selbst das Einlenken fühlt sich vertraut an: dieses feine, kontrollierte Nachgeben, das man sonst auf einer perfekt asphaltierten Bergstrasse spürt, nur eben übersetzt in die Sprache des Sees. 

Die Beschleunigung ist Macan pur: linear, druckvoll, ohne Schaltunterbrechung. Man spürt, wie sich die 400 kW anstauen – kein Rucken, kein Zögern, nur ein permanenter Schub, als würde man im Sport Plus einen Pass hochschiessen. Bremsen? Auf dem Wasser eher ein sanftes Verzögern, doch der Effekt ist ähnlich vertraut: Der Bug senkt sich leicht, das Boot richtet sich, als stünde ein adaptives Fahrwerk bereit. Und die Balance – sie ist der vielleicht grösste Aha-Moment. Ein SUV, das sich sonst mit Masse und Höhe auseinandersetzt, wirkt hier plötzlich schwerelos. Der Rumpf klebt nicht auf Asphalt, er schwebt auf Gischt. Jeder Richtungswechsel ist weniger Kampf gegen die Physik als ein eleganter Tanz auf der Oberfläche. Ein Macan, der schwimmen gelernt hat – und dabei ein Stück seiner Erdenschwere verloren hat. Michael Frauscher bringt es auf den Punkt: «Ich fahre mein Leben lang Boote, aber das hier ist das Beste, das ich je gesteuert habe. Kein Verbrenner kann da mithalten.»

Das nächste Boot schon am Start

Die Zusammenarbeit von Frauscher und Porsche ist kein maritimes Nebenprojekt, sondern geht konsequent weiter. Mit der auf der boot Düsseldorf 2026 präsentierten Frauscher x Porsche 790 Spectre folgt nun der nächste Schritt:

Erstmals wurde ein komplett neuer Rumpf – leichter, kürzer und schmäler als bei den bisherigen Modellen – von Grund auf um den vollelektrischen Macan-Antrieb entwickelt. Hochvolt-Batterie, PSM-Elektromotor und Steuerelektronik stammen aus dem Macan Turbo, liefern jedoch etwas andere Leistungswerte; bis zu 400 kW Leistung und rund 95 km/h Spitze sind auf Wasser aber ebenso spektakulär. Entscheidender ist jedoch die Botschaft dahinter: Porsche liefert nicht mehr bloss Antriebstechnik für ein Boot, sondern prägt gemeinsam mit Frauscher dessen Architektur, Gestaltung und Erlebniswelt.

Info

Text entstand in Zusammenarbeit mit der AUTOMOBIL REVUE.
Text: Michael Schenk
Bilder: AUTOMOBIL REVUE und Alexander Scheuber

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Die „850 Fantom Air“ ist ein Sportboot, dessen Elektroantrieb auf Serienkomponenten des Porsche Macan Turbo basiert.

Verbrauchsangaben

Cayenne Turbo Electric

Macan 4

Macan Turbo