Sobald im späten Frühjahr das Wetter freundlicher wird, beginnt in der Schweiz ein alljährliches Ritual: Langsam, aber stetig arbeiten sich Schneefräsen durch die noch verschneiten Hochlagen und räumen die letzten Schnee- und Eismassen von den Passstrassen. Während im Flachland und in den Tälern bereits milde Temperaturen herrschen, befinden sich viele Alpenpässe noch in der Winterruhe. Doch mit jeder geräumten Kurve und jedem freigelegten Streckenabschnitt kehrt die Vorfreude zurück. Schritt für Schritt werden die berühmten Alpenrouten wieder für den Verkehr freigegeben. Für viele Autoenthusiast:innen ist das der Startschuss in die automobile Sommersaison. Doch wo kann der Fahrspass schon losgehen?
Ganzjährig offen: Diese Pässe gehen immer
Wer es kaum erwarten kann, die ersten Kurven zu fahren, wird im Kanton Graubünden auf seine Kosten kommen. Pässe wie der Julier und der Maloja sind ganzjährig geöffnet. Je nach Schneemenge sind sie aber nur mit entsprechender Bereifung befahrbar. Einladende Strassen, weniger Verkehr als in der Sommerzeit und eine alpine Kulisse, die noch vom Winter geprägt ist, bestimmen aktuell das Fahrerlebnis. Während sich der Julierpass durch offene Hochflächen Richtung Engadin zieht, windet sich der Malojapass mit seinen markanten Kehren vom Oberengadin ins Bergell hinunter.
Neben Graubünden bieten auch andere Regionen der Schweiz das ganze Jahr über reizvolle Passstrassen. Der Simplon, einer der grössten Passübergänge der Schweiz, ist ebenfalls ganzjährig befahrbar. Er begrüsst Reisende auf dem Weg vom Wallis nach Italien mit einer Besonderheit: Einem imposanten, neun Meter grossen Steinadler direkt an der Strasse.
Schranken hoch: Diese Pässe öffnen wieder
Anfang Mai wurden erste Übergänge wie Klausen- und Oberalppass nach der Wintersperre wieder für den Verkehr geöffnet und ermöglichen Fahrten durch die Alpen, Restschnee am Strassenrand inklusive. Der Klausenpass ist besonders bei Oldtimer- und Motorradfans sehr beliebt und bis heute für seine historische Bedeutung bekannt: Zwischen 1922 und 1934 erlangte er durch das internationale Klausenrennen weltweite Berühmtheit. Damals galt die Strecke als eine der schwierigsten in Europa. Auch der Gotthardpass, für viele das «Tor zum Tessin» und vor allem für die legendäre Tremola mit ihrem Kopfsteinpflaster bekannt, ist bereits teilweise wieder geöffnet.
Die Hochalpenpässe Furka, Grimsel und Susten öffnen typischerweise zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, abhängig von den jeweiligen Schneeverhältnissen. Die Kombination dieser drei Pässe zählt seit Jahrzehnten zu den eindrücklichsten Alpenrouten Europas. Jede dieser Strecken bietet ein einzigartiges Fahrerlebnis: Der Furka mit hochalpinen Abschnitten und Ausblick auf den Rhonegletscher, der Grimsel mit seiner malerischen Seenlandschaft und der Susten mit seiner weitläufigen Strassenführung.
Die letzten Pässe, die ihre Schranken öffnen, sind die höchstgelegenen Übergänge der Schweiz. Der Nufenenpass und der Umbrailpass werden meist erst im Juni für den Verkehr freigegeben und bilden damit den Abschluss der jährlichen Passöffnungen. Mit beeindruckenden Höhen von 2501 beziehungsweise 2478 Metern gehören sie zu den höchsten Alpenpässen des Landes. Wer sich auf diesen Strecken bewegt, darf sich auf herausfordernde Fahrverhältnisse und eindrucksvolle Aussichten freuen.
Die besondere Atmosphäre zum Saisonstart
Die Passsaison reicht je nach Wetterlage von Mai bis in den Oktober und erreicht ihren Höhepunkt traditionell in den Sommermonaten Juli und August. Viele erfahrene Fahrer:innen schätzen jedoch gerade die ersten Wochen nach den Öffnungen. Die Alpenregionen sind dann noch deutlich vom Winter geprägt, die Strassen vergleichsweise leer und die Temperaturen in den Hochlagen angenehm kühl. Während der Fahrt verändert sich die Landschaft mit jedem Höhenmeter spürbar. Entlang der Routen treffen schneebedeckte Hänge auf bereits grüne Täler und verleihen den Fahrten eine ganz besondere Atmosphäre.
Gleichzeitig erfordert das Fahren im alpinen Raum erhöhte Aufmerksamkeit und bleibt anspruchsvoll. Wetterwechsel, Schmelzwasser oder kurzfristige Sperrungen sind insbesondere zu Saisonbeginn jederzeit möglich. Auch erfahrene Fahrer:innen sollten achtsam unterwegs sein und unnötige Gefahren vermeiden. Vor jeder Fahrt lohnt es sich, die aktuellen Öffnungs- und Strassenverhältnisse zu prüfen. Die neuesten Informationen dazu finden sich auf der Website des Touring Club Schweiz (TCS).
Wer seine ersten Fahrten in den Alpen festhält, kann seine schönsten Passmomente unter dem Hashtag #PorscheMoment auf Instagram mit uns teilen.
Wir wünschen eine gute und sichere Fahrt.