Sunday Drives: Mit Kathy Mead auf den Pikes Peak

Für Kathy Mead ist der Pikes Peak nicht einfach nur eine Strasse. Die pensionierte Astrophysikerin ist inzwischen eine feste Grösse beim weltberühmten jährlichen Bergrennen. In diesem Jahr startete sie zum siebten Mal – in einem Porsche 911 GT2 RS Clubsport.

Auf die Frage, wo der Pikes Peak als Fahrerlebnis beginnt, hat Kathy Mead keine einfache Antwort. „Ehrlich gesagt ist es das Gesamtpaket“, sagt sie. „Ich denke an alles gleichzeitig.“

Für Mead umfasst der Berg Anreise, Vorbereitung, technische Abnahme, Trainingstage, frühe Morgenstunden, Wetter, Höhe und Erwartung. „Die meisten denken nur an den Renntag“, sagt sie. „Aber wir sind bis zu zehn Tage am Berg.“

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2026, Porsche AG

Das Race to the Clouds

Mead beschreibt die Strecke als „drei Kurse in einem“, jeder mit eigenen Anforderungen. Der untere Abschnitt, der für die Qualifikation genutzt wird, liegt unterhalb der Baumgrenze. Er lässt sich visuell am leichtesten erfassen, da Bäume und Landschaft Orientierung bieten – dennoch ist wenig daran konventionell.

„Es gibt viele Kurven, und sie kommen sehr schnell hintereinander“, sagt sie. „Viele Einlenkpunkte sind überhöht oder hängen nach aussen, dazu kommen grosse Kurven und Ausgänge – vieles fühlt sich schlicht unbequem an. Aber visuell ist es nicht ungewöhnlich.“

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2025, Porsche AG

Im mittleren Abschnitt steigt die Strasse über die Baumgrenze hinaus. Orientierungspunkte verschwinden, Serpentinen beginnen. Die Bremszonen sind anspruchsvoll, die Konsequenzen von Fehlern unmittelbar. „Zeit gewinnt man, indem man tief in die Kurven hinein bremst“, erklärt Mead. „Aber es gibt keinerlei Spielraum. Wenn man überschiesst, trifft man die Leitplanke – und der Tag ist vorbei.“

Der obere Abschnitt hebt den Pikes Peak auf ein neues Niveau. „Darauf kann dich nichts vorbereiten“, sagt sie und lächelt. Oberhalb der Baumgrenze ist die Strecke schnell, exponiert und visuell intensiv. Das Auto bewegt sich nahe an den steilen Abhängen des Bergs.

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2025, Porsche AG

„Man sieht die Ziellinie und möchte einfach voll beschleunigen, aber es ist viel zu uneben. Man würde einfach vom Berg abprallen.“ Genau das macht den Pikes Peak zu einer einzigartigen Herausforderung. „Ich kann das Limit dort nicht finden, indem ich darüber hinausgehe“, sagt Mead. „Ich muss mich schrittweise herantasten.“

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2026, Porsche AG

Warum der 911 GT2 RS Clubsport?

Meads Fahrzeug ist ein Porsche 911 GT2 RS Clubsport – eine Wahl, die sowohl emotionale als auch praktische Gründe hat. „Die kurze Antwort ist: Es ist das richtige Auto, weil es ein Turbo ist“, sagt sie.

In grossen Höhen ist Aufladung entscheidend. Mit abnehmender Luftdichte hilft ein Turbomotor, den Leistungsverlust gegenüber Saugmotoren zu kompensieren. Doch für Mead zählt noch ein weiterer Aspekt: Vertrauen. Am Pikes Peak gibt es kaum Möglichkeiten für klassische Tests. Fahrer trainieren abschnittsweise, warten und fahren erneut. Grössere Setup-Änderungen sind am Berg schwierig, jeder Lauf zählt. „Das Wichtigste ist, dass das Auto zuverlässig ist“, sagt sie.

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2026, Porsche AG

Der untere Abschnitt verlangt möglicherweise ein anderes Setup als der obere. Das Fahrzeug – ebenso wie der Fahrer – muss Kompromisse eingehen. „Am Pikes Peak ist nichts perfekt“, sagt sie. „Man muss immer Kompromisse machen.“

Ein Blick, den es so nirgends gibt

Das ist der Pikes Peak: ein Jahr Vorbereitung, ein Monat im Rhythmus des Bergs – und dann wenige intensive Minuten im Auto. Die Fahrt selbst dauert rund zehneinhalb Minuten. Wenn die doppelte Zielflagge erscheint, setzt zunächst Erleichterung ein. „Es ist plötzlich vorbei“, sagt sie.

Es folgen Formalitäten, Interviews und Unterschriften. Erst wenn das Adrenalin nachlässt, wird die Dimension des Aufstiegs greifbar. Dann geht sie zum Gipfelgebäude, beobachtet weitere Zieleinläufe und lässt alles auf sich wirken. „Erst dann begreife ich, was ich gerade getan habe.“

Kathy Mead, 911 GT2 RS Clubsport, Pikes Peak Highway, 2026, Porsche AG

Bei klarem Wetter ist der Ausblick vom Gipfel überwältigend. Der Himmel wirkt grenzenlos, die Landschaft öffnet sich in alle Richtungen. „Es fühlt sich an, als könnte ich bis nach Kanada und Mexiko sehen“, sagt sie. „Ein Blick wie nirgendwo sonst – als könnte man unendlich weit sehen.“

Eine Strasse für alle

Trotz seiner Rennhistorie ist der Pikes Peak eine öffentliche Strasse. Abseits der Veranstaltung ist sie für alle Besucher geöffnet. Auch Kathy Mead betont, dass jeder sie erleben kann. Sie rät, die Höhe ernst zu nehmen und eine ruhigere Zeit ausserhalb der Hauptsaison zu wählen.

Für die meisten ist es eine spektakuläre Panoramafahrt. Für Mead bedeutet der Pikes Peak eine Herausforderung, die nie perfekt, nie einfach und nie zweimal gleich ist. Deshalb kehrt sie immer wieder zurück. Nicht wegen der Geschwindigkeit oder des Wettbewerbs, sondern wegen der Möglichkeit, alles, was sie gelernt hat, auf etwas zutiefst Schönes anzuwenden. „Die schwierigsten Dinge sind die lohnendsten“, sagt sie. „Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich das erleben darf.“

Weitere Artikel

911 Love: Interview mit Chris Harris
Szene und Passion

911 Love: Interview mit Chris Harris

Chris Harris fragt bei einem Auto nicht zuerst nach der Geschwindigkeit, sondern nach den Gefühlen, die es auslöst. Über seine eigenen Emotionen spricht er im Fragebogen.

Verbrauchsangaben

Macan Turbo