Die Geschichte von Sonja und Wolfram Schäffer und ihrem Porsche 944 Turbo S ist eine des Suchens und Findens. Sie erzählt vom Ineinandergleiten dieser beiden Dinge, vom grenzenlosen Prozess der Suche nach einem Ziel, den erst der Weg definiert – und dem Finden dieses Ziels, ohne je genau danach gesucht zu haben. »In sehr guten Fällen wird man auf der Suche selbst gefunden und realisiert dann erst mit der Zeit, dass etwas wirklich richtig gut passt«, sagt Sonja Schäffer, 45. »Es wirkt natürlich zufällig«, sagt Wolfram Schäffer, 60. »Aber vielleicht ist es das gar nicht.«. Das Designer-Ehepaar hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt. Draussen steht ein seltener Porsche 944 Turbo S im Hinterhof. Drinnen in ihrem selten spektakulären Zuhause erzählen die beiden, wie ihr erster Porsche zu ihnen fand.

Wolfram Schäffer, 944 Turbo S, 2022, Porsche AG
Rarität: Der 944 Turbo S der Schäffers ist einer der letzten, die überhaupt produziert wurden. Insgesamt wurden lediglich 1.635 Exemplare hergestellt.
944 Turbo S, 2022, Porsche AG
Ein Ort der Transformation für Wolfram Schäffer: der Innenraum des Porsche 944 Turbo S von 1988.
944 Turbo S von 1988, 2022, Porsche AG
Schönheit und Performance: Wolfram Schäffer mag die Kombination aus cleverem Engineering und eigenwilligem Design.
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Wie so oft bei Geschichten über Leidenschaften und Sehnsüchte reichen die Anfänge weit zurück. Sonja Schäffers Grossvater fuhr Rennen auf dem Nürburgring, schon als Kind träumte die Tochter einer Künstlerfamilie von Porsche-Sportwagen. »Ich fand das Design schon immer genial. Bei uns in der Familie spielte auch Gestaltung immer eine grosse Rolle, und die Gestaltungskompetenz der Marke war überwältigend«, erzählt sie. »Ich wusste, ich würde irgendwann einen Porsche fahren.« Doch es sollte noch dauern.

944 Turbo S, 2022, Porsche AG
Sportgerät: Der 944 Turbo S ist für die Familie Schäffer Alltagsauto und Genussfahrzeug in einem.

Ende der 90er-Jahre fing sie an, für die Agentur zu arbeiten, die Wolfram Schäffer 1993 gegründet hatte. Die beiden wurden ein Paar, heirateten, bekamen drei Kinder. Die Herausforderungen, beruflich und privat, waren gross, der Fokus war nicht auf Sportwagen gerichtet. Auch wenn gerade Wolfram Schäffer mit seiner Agentur in Stuttgart über Jahrzehnte viele Kontakte zur Automobilindustrie pflegte, wurden die Überlegungen erst sehr viel später konkret.

Sonja Schäffer, Wolfram Schäffer, l-r, 2022, Porsche AG
Weit gedacht: das Paar in seinem spektakulären und doch unaufdringlichen Zuhause.
Wolfram Schäffer, 2022, Porsche AG
Grüne Oase: Familie Schäffer hat Traumhaus und Traumauto gefunden.
944 Turbo S, 2022, Porsche AG
Erhebend: Der Weg vom Büro in Richtung Wohnraum – das Werk des Stuttgarter Bauhaus-Architekten Hans Volkart sorgt heute für eine beeindruckende Kulisse.
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»Neben unserem Familienleben war der Ausbau unserer Wohnung über dem Büro ein Projekt, das uns lange beschäftigte«, erzählt Wolfram Schäffer. 2009 zog das Paar beruflich und privat in das leer stehende Gebäude in einem alten Industriekomplex in Bad Cannstatt. Auch diese Geschichte erzählt von der Suche und dem Finden. »Wir überlegen immer lange und gründlich: Was sind unsere Bedürfnisse?«, sagt Sonja Schäffer. »Wir wollen keine angesagten Konzepte kopieren, sondern genau bei uns und unseren Wünschen ankommen. Dafür müssen wir sie ergründen und finden, was wir überhaupt suchen wollen.«. Das Ergebnis ist ein einmaliges Zuhause, das es schafft, bei aller Gestaltungskraft wohltuend zurückhaltend zu wirken – was direkt zur Suche nach dem passenden Auto führt. Warum also ein Porsche 944 Turbo S?

Wolfram Schäffer, 2022, Porsche AG
Wolfram Schäffer

»Ich mag sein extrem dezentes Auftreten«, sagt Wolfram Schäffer und zieht damit gleich die erste Parallele zur Ausstattung seiner Wohn- und Büroräume. Wie die früheren Industriehallen im Kreativquartier Glockenstrasse ist auch dieses Auto, das sowohl Alltag als auch Sonntag bedienen soll, für ihn ein Statement. »Er wirkt aus heutiger Sicht eher klein und ist doch voller Energie. Überhaupt kann er mehr, als man ihm ansieht. Das mag ich. Und klar, er ist einfach toll designed.« Natürlich spiele das für ihn als professionellen Gestalter eine grosse Rolle. Auch er kennt die Geschichte von Apple-Gründer Steve Jobs, der erfolgreichen Mitarbeitern schon mal einen brandneuen Porsche 944 schenkte, weil er selbst sehr begeistert vom Design des Fahrzeugs gewesen sein soll. »Für mich ist es beides«, sagt Wolfram Schäffer. »Eine clevere Art des Engineerings verknüpft mit diesem eigenwilligen Design. Die Beschleunigung und Performance des Turbos ist schon auch mitreissend«, sagt er, und seine Frau ergänzt: »Das Äussere funktioniert ja nur mit inneren Werten.«

Limitierter 944 Turbo S

Und innen hat der 944 Turbo S, der 1988 als einer der Letzten seiner Art gebaut wurde, einiges zu bieten. Die auf 1.635 Modelle limitierte Sonderserie des 944 Turbo war mit mehreren Features des sehr erfolgreichen Modells aus dem Rennsport bestückt. Ein grösserer Turbolader steigerte die Leistung ab Werk auf 184 kW (250 PS). Das Sondermodell brachte serienmässig das M030-Paket mit, das unter anderem ein höhenverstellbares Koni-Gewindefahrwerk enthielt. Weitere Besonderheiten: ein Sperrdifferenzial und ein Antiblockiersystem, eine für den Porsche 928 S4 entwickelte Bremsanlage und ein verstärktes Getriebe mit externem Ölkühler. Zur Serienausstattung gehörte auch ein Katalysator.

»Natürlich macht die Verknappung in Verbindung mit den besonderen Merkmalen dieses Auto sehr reizvoll«, sagt Wolfram Schäffer. Es ist eine Attraktivität, die sich vor allem dem Kenner erschliesst. »Wer sich mit dem Auto beschäftigt, kennt seine Qualitäten.« Auch das ist ein Statement, ein bewusstes.

Sonja Schäffer, 2022, Porsche AG
Sonja Schäffer

Als unterbewusst gilt für beide die Wahl der Lackierung in Kombination mit dem Interieur. »Wir wollten auch hier eindeutig und klar bleiben«, sagt Wolfram Schäffer. »Weiss und Bordeauxrot ist klassisch und unterstreicht unserer Meinung nach die zeitlose Qualität dieses Autos.« Dass sie dabei eine Farbkombination wählten, die perfekt zu Büro und Wohnung passt, eröffnete sich ihnen erst mit der Zeit. Dominierendes Weiss im Büro im Erdgeschoss, roter Boden im Souterrain, dazu roter Backstein und weitere gleichfarbige Applikationen – »irgendwie finden wir dann doch auf natürlichen Wegen immer zu unserem Farbklima«, lacht Sonja Schäffer. Eher ein sinnstiftendes Finden ohne konkretes Suchen denn schnöder Zufall.

Verliebt in diesen extrem sportlichen Wagen

Auch wenn der erste Kontakt zufällig entstand. Über den Geschäftspartner und früheren Rennfahrer Peter Oberndorfer, der in den 80er-Jahren unter anderem erfolgreich im Porsche 944 Turbo Cup aktiv war, lernten sie dessen früheren Rennfahrerkollegen Paul Singer kennen. »Peter meinte: ›Der hat eventuell einen guten 944 in seiner Scheune‹«, erinnert sich Wolfram Schäffer. »Wir hatten einige angeschaut in unserer Orientierungsphase«, sagt Sonja Schäffer. »Aber hier war die Sache sehr schnell klar.« Ja, so gesteht sie, sie habe sich doch »verliebt in diesen extrem sportlichen Wagen«, der für sie »trotz seines Alters etwas Futuristisches hat. Er ist nicht in klassischer Weise zeitlos. Er ist es, weil er Vergangenheit und Zukunft verbindet.

So entwickelt sich nun etwas, das im Sommer zusammengefunden hat. »Für mich ist der Wagen eine Art Transformator«, sagt Wolfram Schäffer. »Je länger ich fahre, desto mehr spüre ich eine unsichtbare Hand, die sich um mich herum schliesst. Es ist ein besonderes Gefühl der Geborgenheit, das mich nach Stunden aus dem Wagen steigen lässt mit dem Gedanken: ›Ich will weiterfahren! Ich habe noch nicht genug!‹ Das kannte ich bislang noch nicht.«

944 Turbo S, 2022, Porsche AG

Wolfram Schäffer hat eine Weile darauf warten müssen. Doch jetzt spürt er ihn, den Zauber – auf seine ganz persönliche Art und Weise. »Das Auto bringt mich in einen Verwandlungszustand. Meine Gedanken sind anders, wenn ich darin sitze. Es ist eine gewisse Form der Inspiration, die sich vom Wagen auf den Fahrer überträgt. Das bringt mich auch in meiner kreativen Arbeit weiter, weil die Umgebung eben eine spezielle ist.« Wolfram Schäffer schaut zu seiner Frau, sie nickt. »Es ist ein kreativer Katalysator. Das öffnet Türen in deinem Kopf und du siehst Dinge anders. Das hilft natürlich, wenn es um Inspiration geht.« 

Am neuen Wagen haben beide ihren Gefallen gefunden. Sie haben es nicht gesucht, es hat sie gefunden – und begeistert. Sonja und Wolfram Schäffer schauen bereits der nächsten Idee beim Wachsen zu. Ein 911er – G-Modell oder 964 – könnte es sein. Welcher 911 es werden wird und wie er ausschauen soll? Es wird sich finden.

Info

Text erstmals veröffentlicht im Porsche Klassik Magazin, Ausgabe 22.

Autor: Frieder Pfeiffer        

Fotografie: Markus Bolsinger

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