Der Rennwagen aus der Abteilung Porsche Heritage und Museum ist in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren wieder in seinen Originalzustand von 1987 versetzt worden. „Das fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen“, schwärmt Stuck und streichelt über den linken Kotflügel. Er habe nur gute Erinnerungen an das siegreiche Rennfahrzeug mit der Startnummer 17. „Mit dem Aufeinandertreffen nach mehr als drei Jahrzehnten haben wir Hans-Joachim Stuck überrascht und zugleich eine kleine Zeitreise gewagt. Die Geschichte des Motorsportkapitels um den 962 C ist einmalig“, sagt Achim Stejskal, Leiter Porsche Heritage und Museum.

Im Entwicklungszentrum Weissach, dort, wo das Fahrzeug einst gebaut und später in seinen Urzustand zurückversetzt wurde, trifft Hans-Joachim Stuck auch auf seinen damaligen Renningenieur Norbert Singer und auf Designer Rob Powell, der für das Livery Design des 962 C in Schwarz, Gelb und Rot verantwortlich zeichnet.

Hans-Joachim Stuck, 962 C, 2021, Porsche AG
Hans-Joachim Stuck und sein Rennwagen, der 962 C.
Norbert Singer 962 C, 2021, Porsche AG
Norbert Singer am 962 C.
Armin Burger, 962 C, 2021, Porsche AG
Armin Burger neben dem 962 C in Weissach.
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Vor 35 Jahren holte der heute 70-Jährige den Meisterschaftstitel des prestigeträchtigen und hart umkämpften deutschen „ADAC Würth Supercup“. Während der erstmals ausgetragenen Serie für Gruppe-C-Sportwagen-Prototypen testete er das damals neue Porsche Doppelkupplungsgetriebe PDK im Renntempo. Das Aussehen des Fahrzeugs änderte sich zum zweiten Rennen, den 200 Meilen von Nürnberg auf dem Norisring, mit dem Zugewinn des Sponsors Shell. Auch im folgenden Jahr startete Porsche in gelb-rot und Stuck setzte alles daran, seinen Supercup-Titel erfolgreich zu verteidigen. Anschliessend begann der 962 C sein zweites Leben als Testfahrzeug im Bereich Aerodynamik in Weissach, später schlummerte er in der Unternehmenssammlung des Sportwagenherstellers.

Hans-Joachim Stuck, 962 C, Supercup, Norisring, 1987, Porsche AG
Hans-Joachim Stuck auf Porsche 962 C beim Supercup auf dem Norisring im Jahr 1987. Er belegte Platz 3.
962 C mit Hans-Joachim Stuck als Fahrer, 1987, Supercup, Porsche AG
1987, Supercup, 962 C mit PDK mit Hans-Joachim Stuck als Fahrer.
962 C, ADAC Würth Supercup, Nürburgring, 1988, Porsche AG
Der Porsche 962 C bei dem ADAC Würth Supercup auf dem Nürburgring 1988.
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Armin Burger und Traugott Brecht aus dem Historischen Motorsport waren gemeinsam verantwortlich für den Rückbau des 962 C. „Im Lager sind wir immer wieder an diesem Fahrzeug vorbeigegangen. Vor etwa eineinhalb Jahren haben wir dann beschlossen ihn dort rauszuholen, nach Weissach zu überführen und mit den Arbeiten anzufangen“, erinnert sich Burger. Viele Teile mussten er und sein Team nachbauen, da diese längst nicht mehr vorhanden waren, andere konnten sie einem Schwesterfahrzeug entnehmen. „Die Zusammenarbeit mit den weiteren Gewerken von Porsche war grossartig. Fast alles, was wir brauchten, haben wir im Umkreis von nur 30 Metern gefunden“, erläutert er. Gleich zu Beginn der Rückbauarbeiten hat er Rob Powell und Norbert Singer in die Werkstatt des historischen Motorsports eingeladen.

Rob Powell, Armin Burger, Norbert Singer und Berthold Brecht (v.l.n.r.), 2021, Porsche AG
Rob Powell, Armin Burger, Norbert Singer und Berthold Brecht (v.l.n.r.).

„Wenn man die richtigen Leute am Fahrzeug sprechen hört, ist sofort alles klar. Wir haben von unseren beiden Zeitzeugen unglaublich viel erfahren“, fasst Burger zusammen. Den Unterboden haben die Fachleute komplett neu aufgebaut, die Anordnung der Kühler verändert und viele weitere Karosserieanpassungen vorgenommen. Dann präsentieren sie das Meisterschaftsfahrzeug des Supercups der europäischen Fachpresse im Rahmen eines Journalisten-Workshops im Entwicklungszentrum Weissach.

Armin Burger (links) und Berthold Brecht begutachten den 962 C, 2021, Porsche AG
Armin Burger (links) und Berthold Brecht begutachten den 962 C.
Berthold Brecht beginnt mit der Zerlegung des 962 C, 2021, Porsche AG
Berthold Brecht beginnt mit der Zerlegung des 962 C.
Zerlegung und den Ausbau des 962 C, Werkstatt des historischen Motorsports, 2021, Porsche AG
Alles begann mit der Zerlegung und den Ausbau des 962 C in der Werkstatt des historischen Motorsports.
962 C, 2021, Porsche AG
Der 962 C zerlegt in seine Komponenten.
Werkseigene Haussgiesserei, 2021, Porsche AG
In der werkseigenen Hausgiesserei wurden die Zylinderköpfe für den 962 C gegossen.
Porsche-eigene Haussgiesserei, 2021, Porsche AG
In der Porsche-eigenen Hausgiesserei wurden die Zylinderköpfe hergestellt.
Der 962 C wird aus der Lackiererei geschoben, 2021, Porsche AG
Der 962 C wird aus der Lackiererei geschoben.
962 C, 2021, Porsche AG
Fertig lackiert: Der Rennwagen 962 C.
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Rob Powell, Livery Designer des 962 C, ist auch 35 Jahre später nicht ohne verschieden dicke Klebebänder, Schablonen und Designskizzen von damals angereist. „Strietzel Stuck hat das Design auf meiner ersten Skizze sofort gut gefallen“, erinnert er sich. Hans-Joachim Stuck wirft ihm ein bestätigendes Nicken über das Dach des Fahrzeugs zu, während der Designer die Linien mit Tape nachklebt und eine Schablone am Frontscheinwerfer anlegt: „Das ist sehr wichtig, um beispielsweise für die Lackierer den Ausschnitt richtig einzuplanen. Die Farbkombination Gelb und Rot finde ich übrigens immer noch modern“, sagt Powell und stülpt sich die Klebebandrollen über den Arm.

Rob Powell, Livery Designer, 962 C, 2021, Porsche AG
Rob Powell vor dem 962 C - bevor er sein Designkleid wieder angelegt bekommt.
Rob Powell, Livery Designer, 962 C, 2021, Porsche AG
Auch drei Jahrzehnte später zeichnet Rob Powell, der Livery Designer, für das Design des 962 C verantwortlich. Hier klebt er die Linien mit Tape nach.
Rob Powell, Livery Designer, 962 C, 2021, Porsche AG
Rob Powell betont, dass es sehr besonders für ihn war, erneut am 962 C noch einmal arbeiten zu dürfen.
Rob Powell, Livery Designer, 962 C, 2021, Porsche AG
Rob Powell legt letzte Hand an den Beklebungen des 962 C an.
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Hans-Joachim Stuck ist derweil bereit für die ersten Runden auf der Einfahr- und Prüfstrecke. „Ich bin ein grosser Fan vom Porsche Doppelkupplungsgetriebe PDK und stolz darauf, dass ich es damals im 962 erproben durfte. Die Hände beim Gangwechsel unter Volllast am Lenkrad lassen zu können, hat sich von Beginn an sehr gut angefühlt“, resümiert er. Heute ist das PDK in jedem Porsche erhältlich. Die zweite Überraschung für den gebürtigen Garmisch-Partenkirchner wartet nur wenige Meter neben dem Prüfgelände: Hans-Joachim Stuck entdeckt seinen roten Rennanzug aus den Achtzigerjahren und freut sich, dass er noch hineinpasst. „Für mich war die Zeit mit Porsche die erfolgreichste meiner gesamten Karriere“, sagt er, setzt seinen Helm mit den weissen Sternen auf und steigt ein. Im Gegensatz zum Basismodell hat der 962 C einen um 120 Millimeter verlängerten Radstand und Pedale, die hinter der vorverlegten Vorderachse angebracht sind.

Hans-Joachim Stuck, 962 C, 2021, Porsche AG
Hans-Joachim Stuck zurück am Lenkrad des 962 C.

„Wir haben Stucki bei Porsche ganz herzlich aufgenommen. Er gehörte immer zu den Fahrern, deren Feedback ich exakt deuten konnte, wie die Rückmeldung eines Sensors“, berichtet Singer, der mit den Gruppe-C-Fahrzeugen 956 und dem darauf basierenden Nachfolger 962 erstmals ein Aluminium-Monocoque einführte, ebenso den Unterboden mit Ground Effect. Stuck startet zu seiner ersten Runde auf der zweieinhalb Kilometer langen Prüfstrecke. Alle Zuschauer verstummen und blicken dem Gruppe-C-Fahrzeug hinterher. „Das Auto nimmt mich automatisch mit auf eine Zeitreise und weckt viele schöne Erinnerungen. Die Atmosphäre an den Rennstrecken werde ich nie vergessen“, sagt Singer und lächelt.

962 C, 2021, Porsche AG
Das Rollout des 962 C.
962 C, 2021, Porsche AG
Auf der Einfahr- und Prüfstrecke in Weissach dreht der 962 C die ersten Runden nach seiner Fertigstellung.
962 C, 2021, Porsche AG
Zurück auf dem Asphalt: der 962 C.
962 C, 2021, Porsche AG
Seine ersten Runden in Weissach.
962 C, 2021, Porsche AG
Schrieb Motorsportgeschichte: der 962 C.
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Seinen ersten öffentlichen Auftritt absolvierte der 962 C vor wenigen Wochen bei der digitalen Sound Nacht des Museums. Im kommenden Jahr zeigt er sich häufiger vor Publikum: Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums „40 Jahre Gruppe C“ nimmt der Rennwagen an einigen Fahr- und Präsentationseinsätzen teil. „Der 962 C war eines der wenigen Autos, die ich allein fahren durfte, ohne Teamkollegen mit genau dem Setup, das ich mir wünschte. So ein Fahrzeug vergisst man nie“, fasst Stuck zusammen und verspricht: „2022 feiern wir gebührend den Vierzigsten!“

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