Auf einen Blick
Ort
Olifants West Nature Reserve und angrenzende Schutzgebiete im Greater Kruger National Park im Nordosten Südafrikas.
Länge
Variabel. Patrouillen- und Einsatzfahrten finden in einem Gebiet von rund 200 Quadratkilometern statt.
Besonderheit
Schotterpisten, felsige Passagen und asphaltierte Strassen durch abgelegenes Busch-Gebiet. Die Strecke führt durch Schutzflächen und folgt den Patrouillenrouten der Black Mambas – keine Empfehlung für eine individuelle Reise.
Jedes Jahr im Februar, wenn die gelben, pflaumengrossen Früchte der Marulabäume Elefanten mit einer Vorliebe für Süsses anlocken, sind die Black Mambas besonders aufmerksam. Die rein weibliche Anti-Wilderer-Einheit patrouilliert täglich entlang der Zäune, an denen die Bäume wachsen, und weiss: In den Herden sind oft auch Jungtiere unterwegs. Und wo Elefantenkälber sind, sind meist auch ihre Mütter in der Nähe, fest entschlossen, ihren Nachwuchs zu schützen.
Es gibt vieles, worauf die Black Mambas in einer Landschaft achten müssen, die vor Leben nur so strotzt. Doch am meisten Sorgen bereitet Rangerin Vongani Masingi die Gefahr durch Wilderer.
Im Busch zuhause
Für diesen Sunday Drive ist die 33-Jährige in vertrautem Terrain unterwegs, allerdings ohne festes Ziel. Die Route führt über Schotterpisten, felsige Abschnitte und asphaltierte Verbindungsstrassen. Mal verengt sich der Weg zwischen dichtem Busch, dann öffnet sich der Blick wieder auf die Savanne. In den unwegsameren Passagen ist ein langsameres Tempo gefragt, um den besten Weg zwischen Steinen und Schlaglöchern zu finden. Eine Fahrt kann fünf oder zehn Kilometer lang sein, ihr Verlauf kann sich jedoch jederzeit ändern. „Alles hängt davon ab, wo der nächste Einsatz ansteht“, sagt sie.
Die weltweit erste rein weibliche Anti-Wilderer-Einheit patrouilliert meist zu zweit und oft auch zu Fuss. Die Black Mambas schützen bedrohte Tierarten in einem Gebiet von rund 200 Quadratkilometern – etwa so gross wie die Fläche der Stadt Stuttgart. Wenn eine Team Unterstützung benötigt, müssen häufig weite Strecken zurückgelegt werden. Deshalb ist Masingi in einem speziell modifizierten Porsche Cayenne unterwegs.
Wilderern auf den Spuren
Vom Fahrersitz des SUV aus gibt es viel zu entdecken, doch dafür braucht es ein geübtes Auge. Auf offenen Abschnitten reicht der Blick weit über die Landschaft, in dichter bewachsenen Bereichen hingegen ist oft kaum mehr zu erkennen als der Weg direkt vor dem Fahrzeug. Das Olifants West Nature Reserve gehört zum Lebensraum der „Big Five“: Nashörner, Elefanten und Büffel teilen sich das Gebiet mit Löwen, Leoparden und zahlreichen weiteren Tierarten. Für die Frauen auf Patrouille bedeutet das: Neben Ausbildung und Aufmerksamkeit sind auch Mut und Entschlossenheit gefragt.
Masingis Arbeitstag beginnt mit der Überprüfung ihrer Ausrüstung. Über Funkgerät und Smartphone bleibt sie mit der Einsatzzentrale in Verbindung, die Meldungen aus dem Feld koordiniert und Einsätze steuert. Die Black Mambas kontrollieren Zäune und Wasserstellen, suchen nach Schlingen und achten auf selbst kleinste Hinweise wie etwa weggeworfene Zigarettenstummel. Hinzu kommen Kontrollen an Strassensperren sowie nächtliche Einsätze mit Wärmebildtechnik. Wenn sich jemand unerlaubt in ihrem Schutzgebiet bewegt, müssen sie davon wissen.
Ein Cayenne im Einsatz
Ein Cayenne der zweiten Generation wurde von Porsche South Africa bereitgestellt und vom Porsche Centre Johannesburg für seine Aufgaben vorbereitet. Zum Umbau gehören ein modifiziertes Fahrwerk, zusätzlicher Unterbodenschutz und geländetaugliche Reifen. Zusätzliche Scheinwerfer unterstützen Einsätze bei Dunkelheit, während ein Dachträger ein Reserverad in Originalgrösse und weiteres Equipment aufnimmt. Das Fahrzeug spielt eine wichtige Rolle im Alltag der Black Mambas: Es transportiert Patrouillenteams und Ausrüstung und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Hinweise zu möglicher Wilderei.
Auch die auffällige Folierung erfüllt einen Zweck: Die Black Mambas wollen bewusst sichtbar sein. Regelmässige und gut erkennbare Patrouillen sollen potenzielle Wilderer davon abhalten, überhaupt in das Schutzgebiet einzudringen. Da die Rangerinnen lediglich mit Handschellen und Pfefferspray ausgestattet sind und auf einen gewaltfreien Ansatz setzen, greifen sie bei Bedarf auf spezialisierte Einsatzteams zurück.
„Ich möchte etwas bewirken“
Zurück in der Einsatzzentrale zeigt eine Karte all jene Orte, an denen bereits Draht- oder Kabelschlingen entdeckt wurden. Diese Bereiche werden regelmässig kontrolliert, während die Rangerinnen zugleich neue Gebiete beobachten. Jede gefundene und entfernte Falle bedeutet eine Gefahr weniger. Masingi ist sichtlich stolz darauf, dass heute deutlich weniger Schlingen gefunden werden als noch in den Anfangsjahren des Projekts. „Das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr gebraucht werden. Es zeigt vielmehr, dass unsere Arbeit Wirkung hat. Wir sind jeden Tag draussen im Einsatz“, sagt sie.
Als Masingi 2019 zu den Black Mambas stiess, machte sich ihr Vater Sorgen um ihre Sicherheit. „Aber ich wollte nicht eines Tages aufwachen und denken: Hätte ich doch“, sagt sie. „Ich möchte etwas bewirken.“
Für Masingi sind es das Einfühlungsvermögen der Frauen und ihr Gespür für die oft unspektakulären, aber entscheidenden Details, die sie zu erfolgreichen Rangerinnen machen. In ihrer Heimatregion wird von Frauen häufig noch erwartet, im Haushalt zu bleiben. Die Black Mambas stellen diese Vorstellungen infrage und bieten Frauen eine bezahlte Arbeit mit Verantwortung. Viele von ihnen sichern so den Lebensunterhalt ihrer Familien.
Seit 2015 engagiert sich zudem das Schwesterprojekt Bush Babies in der Umweltbildung. Die Initiative bringt Themen rund um Naturschutz und Artenvielfalt in Schulen und Gemeinden der Region. Ihr Ziel: Kinder sollen mit lebenden Nashörnern aufwachsen und die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung erleben können.
Für eine bessere Zukunft
„Eigentlich dachte ich immer, ich würde einmal Anwältin werden und für Menschen eintreten, die nicht für sich selbst sprechen können“, sagt Masingi. „Aber genau das tue ich heute. Die Tiere helfen uns, und wir helfen ihnen. Sie sind unsere Augen, und wir sind ihre. Diese aussergewöhnlichen Geschöpfe haben keine Stimme. Ohne uns können sie nicht für sich selbst eintreten.“
Während ihr Blick über die weite Buschlandschaft schweift, meldet sich das Funkgerät. Ein neuer Einsatz wartet. Masingi startet den Cayenne, wendet und macht sich auf den Weg. Wohin die nächste Fahrt sie führen wird, weiss sie noch nicht. Eines aber steht für sie fest: Die Black Mambas sind auf dem richtigen Weg.
Sunday Drives
Sunday Drives stellt besondere Strassen und Routen aus aller Welt vor. Porsche-Fahrer erzählen von ihren persönlichen Lieblingsstrecken, den Erlebnissen unterwegs und davon, was diese Strassen für sie besonders macht.