The Rebirth of Cool 
Zurück in die wilden Neunziger

Bei der zweiten Ausgabe des „Legends Alive Contest“ suchte Porsche Schweiz nach dem coolsten Boxster 986 im ganzen Land. Fünf Porsche Zentren wagten sich an den Restomod-Remix – und interpretierten dabei die Coolness der 1990er-Jahre ganz neu und verblüffend kreativ.

   

Als 1996 der Porsche Boxster auf den Markt kam, war das Urteil der Marken-Puristen, gelinde gesagt, verhalten: Der kompakte Mittelmotor-Sportwagen, der an legendäre Modelle wie den Porsche 550 erinnern sollte, stiess zunächst auf Kritik und Häme. Doch der Erfolg gab dem kleinen Flitzer recht: Der Boxster der ersten Modellreihe 986 verkaufte sich ganz ausgezeichnet – mehr als 100‘000 Exemplare der ersten Generation wurden bis 2004 gebaut. Das einstmals unterschätzte Modell war zum ruhmreichen Retter der Marke geworden. Besonders der gut 250 PS starke Porsche Boxster S erfüllte die Wünsche der Kundschaft nach einem kleinen, leichten und schnellen Roadster. Bis heute nimmt der Porsche 718 Boxster einen zentralen Platz im Porsche-Portfolio ein. Gerade in der Schweiz, dem Land der Serpentinen und Alpenpässe, ist der Kurvenstürmer äusserst beliebt. Gleichzeitig hat die Porsche-Community den Ur-Boxster als Objekt der Begierde wiederentdeckt: Gerade vielen jungen Sportfahrern bietet der Porsche Boxster 986 einen erschwinglichen Einstieg in die Porsche-Welt – und eine ideale Basis, um die eigene Kreativität auszuleben.

Sogenannte Restomods – also Umbauten und Neuinterpretationen etablierter Autoklassiker – sind momentan in der Szene sehr beliebt. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Porsche Schweiz AG deshalb mit dem „Legends Alive Contest“ einen grossen Modifikations-Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem sich junge Teams der Schweizer Porsche Zentren in Kreativität und Handwerkskunst messen konnten. Bei der ersten Ausgabe galt es, den Porsche Cayenne der ersten Generation neu zu interpretieren. In diesem Jahr stand nun der kultige Neunzigerjahre-Roadster im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gesucht wurde nicht weniger als der coolste Porsche Boxster der Schweiz. Die Aufgabe bestand darin, den Porsche Boxster (S) 986 mit seinen charismatischen Spiegelei-Scheinwerfern und dem kernigen Sechszylinder-Boxermotor vor der Hinterachse neu zu gestalten – und dabei den Lebensstil der 1990er-Jahre wieder aufleben zu lassen. Dabei sollte es nicht nur um eine ästhetische Neuinterpretation gehen, durch Modifikationen von Karosserie und Fahrwerk durfte auch der Fahrspass nochmals gesteigert werden. Keine leichte Aufgabe also. Doch der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. 

„Der Legends Alive Contest ist die ideale Gelegenheit für Auszubildende, ihre erlernten Fähigkeiten in einem kreativen Prozess in die Praxis umzusetzen und gemeinsam mit ihren Ausbildern einen emotionalen Bezug zum Produkt zu schaffen“, sagt Holger Gerrmann, CEO der Porsche Schweiz AG. „Mit dem Contest wollen wir sowohl den Teamgeist innerhalb der Porsche Zentren fördern als auch die Identifikation unserer Auszubildenden mit unserer hochemotionalen Marke intensivieren.“ Die Bewertungskriterien umfassten deshalb neben der Kreativität auch den Umfang und die Komplexität der Umbauten sowie die Herangehensweise an das Projekt. Das Budget für die Modifikationen war auf 25’000 Schweizer Franken begrenzt.

Lebende Legenden:

Lebende Legenden:

Drei äusserst kreative Restomod-Boxster aus Lugano, Genf und Basel.

Fünf Teams der Porsche Zentren in Basel, Genf, Locarno, Lugano und Winterthur traten zu „Legends Alive #986“ an – und die Autos, die im Laufe des Jahres entstanden, hätten nicht unterschiedlicher und überraschender ausfallen können. Unzählige Arbeitsstunden später durften die Teilnehmenden ihre Restomod-Roadster bei einem Roadtrip auf den Traumstrassen der Toskana in voller Fahrt präsentieren. Das Highlight des italienischen Abschlussevents war das grosse Finale an der berühmten Achterbahn-Rennstrecke von Mugello: Nachdem die Teams den Porsche Sports Cup Suisse verfolgt hatten, wurden ihre umgebauten Porsche Boxster von der Fachjury aus Vertretern des Automobil Club der Schweiz und der auto-illustrierte bewertet. 

Schon im vergangenen Jahr hatte das Porsche Zentrum Winterthur mit seinem Restomod-Cayenne den ersten Platz bei „Legends Alive“ belegt. Auch in diesem Jahr hatte sich das Team einiges einfallen lassen: Mit veränderter Fahrwerkstechnik, erweiterter Spurbreite und optimierten Reifendimensionen hatten sie die Dynamik des Boxsters weiter herausgearbeitet und eine ausgefeilte Fahrmaschine geschaffen, die in ihrer türkisfarbenen Lackierung und den schwarz-pinken Grafiken den popkulturellen Geist der Neunzigerjahre wieder aufleben liess. 

Einen Schritt weiter ging das Team aus Locarno: Mit pinker, blauer und neonfarbener Lackierung, Surfbrett auf dem Dach und sogar einem Jetski im Schlepptau wäre der kalifornisch inspirierte Funsport-Boxster auch als knalliger Daily Driver von Ken aus dem Hollywood-Blockbuster Barbie durchgegangen. Zudem wurden Türen und Kofferraumdeckel durch leichtere Carbonteile ersetzt, während der Innenraum mit Schalensitzen und Renngurten für den Einsatz in Laguna Seca bereit gemacht worden war. Dass sich die kreativen Köpfe aus Locarno sogar im passenden Surf-Outfit eingekleidet hatten, dürfte bei der Jury für weitere Pluspunkte gesorgt haben. 

Barbie goes Surfing:

Barbie goes Surfing:

Das Team aus Locarno verwandelte den Boxster in einen neonbunten Jetski-Transporter.

Letztendlich teilten sich die beiden unterschiedlichen Kreationen bei gleicher Punktzahl den ersten Platz. Das Team aus Genf sicherte sich mit einer Neuinterpretation des Porsche 550 Spyder Panamericana mit Hardtop und Pepita-Sitzen den dritten Platz auf dem Podest, während man in Lugano die ikonische Gulf-Lackierung wieder aufleben liess und in Basel einen Surf-Boxster mit tropischen Palmenmotiven entworfen hatte.

Noch wichtiger als die Platzierung war natürlich die offensichtliche Freude aller Teilnehmer, bei „Legends Alive #986“ dabei zu sein und der eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen. Wer hätte 1996 gedacht, dass der Porsche Boxster einmal vom ungeliebten Newcomer zum Liebling der Szene werden würde? Ein schöneres Kompliment hätte man dem einstigen „Retter von Zuffenhausen“ wohl nicht machen können. 

Jan Baedeker
Jan Baedeker