ICON: ein kleiner Piks

Die Reifentemperatur ist ein entscheidender Parameter für die Leistungsfähigkeit eines jeden Pneus. Darüber berichtete schon die erste Ausgabe des Christophorus vor 70 Jahren.

   

Ob Serienmodell oder Rennwagen: Die Reifen sind die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Ihre Hafteigenschaften entscheiden im Alltag über sichere Straßenlage und im Wettbewerb über dauerhaft schnelle Runden. Die Renningenieure von Porsche beherzigen dies schon in den frühen 1950er-Jahren. Um das Potenzial der Pneus bestmöglich auszureizen, steht schon damals neben dem Luftdruck vor allem ein Parameter im Mittelpunkt: die Temperatur der Lauffläche. Darüber berichtete auch die erste Ausgabe des Christophorus vor 70 Jahren.

Bis heute erhalten Rennreifen deshalb einen kleinen Piks, sobald ein Fahrer zum Boxenstopp kommt. Nur wenige Millimeter tief stechen die Reifenexperten mit einer feinen Messnadel in den Gummi. An dieser Vorgehensweise hat sich über die Jahrzehnte kaum etwas verändert, allein die Methodik wurde verfeinert: Früher kam es vor allem auf die Temperatur in der Profilmitte an, heute werden zusätzlich die Werte an der Innen- und Außenseite genommen. 

Die Messergebnisse an diesen drei Punkten liefern wichtige Rückschlüsse: Wird das Leistungsvermögen der Reifen effizient genutzt? Oder sind sie über- oder vielleicht sogar unterfordert? Im Idealfall wird das Potenzial der Pneus gleichmäßig über die gesamte Breite der Kontaktfläche genutzt. 

Profillose Rennreifen, die sogenannten Slicks, mögen es heiß. Den besten Grip bieten sie im Bereich zwischen 90 und 110 Grad Celsius. Im Profisport werden sie mit Heizdecken oder in Wärmekammern auf rund 80 Grad vorgeheizt. So erreichen sie auf der Strecke schneller ihr optimales Temperaturfenster.

In den 1950er-Jahren glichen die Messinstrumente noch antiquarischen Fieberthermometern. Moderne Digitalgeräte arbeiten mittlerweile schneller und präziser. Unverändert analog funktioniert hingegen die Übertragung der ermittelten Werte: Sie werden handschriftlich notiert und auf Zetteln an die Renningenieure weitergereicht.

Klaus-Achim Peitzmeier
Klaus-Achim Peitzmeier