So prägte Rekordsieger Porsche die 24 Stunden von Daytona

Porsche blickt vor dem Auftakt der neuen Saison der IMSA WeatherTech SportsCar Championship in die Geschichtsbücher: Mit 20 Gesamtsiegen von Rennwagen aus Weissach, vier weiteren als Motorenhersteller und einem besonderen Triumph 1959 ist Porsche mit großem Abstand der erfolgreichste Hersteller in Daytona. Hinzu kommen mehr als 40 Klassensiege bei dem berühmten 24-Stunden-Klassiker im US-Bundesstaat Florida. Am 24. Januar möchte das Werksteam Porsche Penske Motorsport diese Erfolgsstory fortschreiben.

Seit rund 75 Jahren schreibt Porsche Motorsport-Geschichte. Als erstes Kapitel gilt das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1951, bei dem ein werksseitig vorbereiteter Porsche 356 SL in den Händen eines Kundenteams zum Klassensieg fuhr. Der Triumphzug von Porsche in Daytona beginnt wenige Jahre später am 5. April 1959. Nicht einmal zwei Monate nach der offiziellen Eröffnung des beeindruckenden Daytona International Speedway findet unter dem Dach des United States Auto Club (USAC) erstmals ein Sportwagenrennen statt. Gefahren wird schon damals eine Kombination aus NASCAR-Oval und Infield-Strecke. Der Meisterschaftslauf, ursprünglich angesetzt auf 1.000 Kilometer, wird nach sechs Stunden aufgrund einbrechender Dunkelheit abgebrochen. Die Sieger kommen aus Argentinien und fahren Porsche: Roberto Mieres und Antonio von Döry gewinnen im 718 RSK vor dem Porsche der beiden Amerikaner Bob Said und Art Bunker. Aufgrund des anderen Veranstalters taucht dieses Rennen nicht in den offiziellen IMSA-Statistiken auf.

Alle Gesamt- und Klassensieger: Die Daytona-Statistiken der IMSA


Die 1960er-Jahre: Doppelte Party auf dem Porsche-Siegerpodest

Die IMSA setzt in ihrer Geschichtsschreibung in Daytona im Jahr 1962 an – wenngleich der damalige Meisterschaftslauf noch kein 24-Stunden-Rennen ist. In jenem Jahr sowie auch in der Folgesaison geht das Sportwagenrennen jeweils über drei Stunden, in den beiden Folgejahren über eine Distanz von 2.000 Kilometern. Zweimal rund um die Uhr fahren die Rennautos in Daytona erstmals in der Saison 1966. Bis zum ersten Gesamttriumph eines Porsche dauert es nur bis zum 4. Februar 1968: Unter der Nennung des Werksteams Porsche System Engineering überquert ein 907 LH mit großem Abstand als Gewinner den Zielstrich, gefolgt von zwei baugleichen Autos. Kurios: Auf Anweisung des damaligen Porsche-Rennleiters Huschke von Hanstein springen in der Schlussphase auch die Werkspiloten Jo Siffert, Rolf Stommelen und Hans Herrmann für jeweils fünf Runden in die führende Startnummer 54 von Vic Elford und Jochen Neerpasch – damit gilt das Trio ebenfalls als Sieger des Rennens. Siffert und Herrmann steigen zudem als Zweitplatzierte ein weiteres Mal auf das Podest.

Trauer um Hans Herrmann: Zum Tod des ersten Le-Mans-Siegers von Porsche


Die wilden 70er: Porsche 917 siegt und Brumos setzt erste Duftmarken

Zum Start in die 1970er-Jahre ist der Porsche 917 KH unter der Nennung von John Wyer Engineering das Maß der Dinge. Die pfeilschnellen Rennwagen aus Weissach gewinnen die 24 Stunden von Daytona 1970 und 1971 in der legendären Gulf-Lackierung und liefern sich dabei einen begeisternden Kampf mit Ferrari. Auf ein nur sechsstündiges Rennen 1972 folgt im Jahr darauf der nächste Porsche-Triumph: Der Porsche 911 Carrera RSR des Daytona-Rekordsiegers Hurley Haywood und seines kongenialen Partners und Brumos-Chefs Peter Gregg bezwingt 1973 die große Konkurrenz. Es ist der erste Sieg des legendären Teams Brumos Porsche, das die Geschichte von Daytona wie kein zweites prägt. 1975 und 1977 folgen weitere Erfolge des 911 Carrera RSR. Es schließt sich eine unvergleichliche Siegesserie an, die bis ins Jahr 1987 anhält: zunächst mit Derivaten des 935 dann mit dem 962 – einzig unterbrochen von einem Triumph eines March im Jahr 1984, allerdings angetrieben von einem Porsche-Motor.

Pedro Rodriguez (MEX), Leo Kinnunen (FIN), Brian Redman (GBR), Porsche 917 KH Coupé, 1970, Porsche AG
Gesamtsieg 1970: Porsche 917 KH Coupé, Pedro Rodriguez (MEX), Leo Kinnunen (FIN), Brian Redman (GBR)
Hurley Haywood (USA), Peter Gregg (USA), Porsche 911 Carrera RSR 2.8, 1973, Porsche AG
Gesamtsieg 1973: Porsche 911 Carrera RSR 2.8, Hurley Haywood (USA), Peter Gregg (USA)
Hurley Haywood (USA), Peter Gregg (USA), Porsche 911 Carrera RSR, 1975, Porsche AG
Gesamtsieg 1975: Porsche 911 Carrera RSR, Hurley Haywood (USA), Peter Gregg (USA)

„Die Porsche-Ingenieure hatten damals auf jede Problemstellung eine innovative Antwort“, erinnert sich Hurley Haywood, fünfmaliger Gesamtsieger der 24 Stunden von Daytona. Er nennt den 962 als Beispiel: „Das Auto war die Antwort auf die Tatsache, dass die IMSA den Porsche 956 in Nordamerika nicht zuließ, weil dort die Füße des Fahrers vor der Vorderachse lagen. Porsche verlegte die Sitzposition kurzerhand nach hinten, verlängerte den Radstand – so war mit dem 962 eines der erfolgreichsten Rennautos aller Zeiten geboren.“

Hurley Haywood, Fünfmaliger Daytona-Gesamtsieger, 2025, Porsche AG
Hurley Haywood

Porsche 917 trifft Porsche 963: Fotoshooting in Daytona

Zu Besuch in der Brumos Collection: Echte Daytona-Legenden


Um die Jahrtausendwende: Ein Neunelfer fährt zum sensationellen Gesamtsieg

Von 1985 bis 1991 fuhren die Sieger einen Porsche 962 mit dem Beinamen IMSA. Diese Erfolge und der Triumph des Kremer-K8 mit Porsche-Power im Heck führen die grandiose Geschichte von Porsche in Daytona in den späten 1980ern und in den 1990er-Jahren fort. Ein bis heute kaum fassbares Glanzlicht folgt 2003: Gegen die nominell übermächtigen Daytona-Prototypen der Topklasse fährt der Porsche 911 GT3 RS zum Gesamtsieg.

Al Holbert (USA), Derek Bell (GBR), Bob Unser Jr. (USA), Porsche 962, 1986, Porsche AG
Gesamtsieg 1986: Porsche 962, Al Holbert (USA), Derek Bell (GBR), Bob Unser Jr. (USA)
Bob Wollek (FRA), Derek Bell (GBR), John Andretti (USA), Porsche 962, 1989, Porsche AG
Gesamtsieg 1989: Porsche 962, Bob Wollek (FRA), Derek Bell (GBR), John Andretti (USA)
Frank Jelinski (DEU), Henri Pescarolo (FRA), Hurley Haywood (USA), Bob Wollek (FRA), John Winter (DEU), Porsche 962 C KH, 1991, Porsche AG
Gesamtsieg 1991: Porsche 962 C KH, Frank Jelinski (DEU), Henri Pescarolo (FRA), Hurley Haywood (USA), Bob Wollek (FRA), John Winter (DEU)
Michael Schrom (USA), Kevin Buckler (USA), Jörg Bergmeister (DEU), Timo Bernhard (DEU), Porsche 911 GT3 RS, 2003, Porsche AG
Gesamtsieg 2003: Porsche 911 GT3 RS, Michael Schrom (USA), Kevin Buckler (USA), Jörg Bergmeister (DEU), Timo Bernhard (DEU)

Die beiden Amerikaner Kevin Buckler und Michael Schrom teilen sich den Elfer der Racer’s Group mit den heutigen Porsche-Markenbotschaftern Timo Bernhard und Jörg Bergmeister. „Wir hatten bereits früh im Rennen einige Runden Vorsprung – aber keinesfalls so, dass wir uns ausruhen und das Auto nur noch ins Ziel hätten tragen können. Im Gegenteil: Wir waren in einer Situation, die wir uns niemals vorgestellt hatten. Mit einem GT-Auto auf Kurs zum Gesamtsieg? Eigentlich undenkbar“, erinnert sich Bergmeister. „In der Nacht hatten wir an der Box ein Gespräch nach dem Motto: ‚Unglaublich, aber hier geht was!‘ Erst da reifte anfängliche Verwunderung zu einem konkreten und letztlich erfolgreichen Plan“, ergänzt Bernhard.

Jörg Bergmeister, Porsche-Markenbotschafter, 2025, Porsche AG
Jörg Bergmeister, Porsche-Markenbotschafter
Timo Bernhard, Porsche-Markenbotschafter, 2025, Porsche AG
Timo Bernhard, Porsche-Markenbotschafter

Von 1959 bis heute: Erfolgreiche Porsche-Rennwagen in Daytona


Porsche 963 als Messlatte: Folgt 2026 der dritte Daytona-Sieg in Folge?

Während der lang andauernden Geschichte der Daytona-Prototypen trägt sich Porsche in den 2000er-Jahren zwei weitere Mal als Motorenpartner in die Siegerliste ein. Nach einem Intermezzo mit DPi-Fahrzeugen gibt es endlich ein gemeinsames technisches Reglement mit der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Porsche entwickelt gemeinsam mit Partnern den Hybridprototypen 963 und setzt diesen ab 2023 unter dem Banner von Porsche Penske Motorsport sowohl in der WM als auch in der IMSA-Serie ein. Vor allem in Nordamerika gelingt dies mit riesigem Erfolg: Daytona-Siege in 2024 und 2025, in beiden Jahren Gewinn aller GTP-Meistertitel.

Felipe Nasr (BRA), Nick Tandy (GBR), Laurens Vanthoor (BEL), Porsche 963, 2025, Porsche AG
Gesamtsieg 2025: Porsche 963, Felipe Nasr (BRA), Nick Tandy (GBR), Laurens Vanthoor (BEL)

„Wir wollen mehr“, stellt Thomas Laudenbach, Leiter Porsche Motorsport, mit Blick auf die neue Saison klar. „Im Jubiläumsjahr von Porsche Motorsport und zum 60. Geburtstag von Team Penske haben wir klare Ziele: Dritter Daytona-Sieg in Folge mit dem Porsche 963 und wir wollen auch in 2026 um Titel in der IMSA-Serie kämpfen.“

Rückblick auf die IMSA-Saison 2025: Eine grandiose Saison

Informationen des Veranstalters zum Vortest: Roar Before the 24

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