„Brücken bauen zwischen globalen Zielen und lokaler Realität“

Mit „Start-up Your Dream“ setzt Porsche ein Leuchtturmprojekt um, das die Unterstützung von Startups vorsieht. Wir sprechen mit Dr. Philipp Metz (Porsche AG), Professorin Lucia Reisch (Mitglied des Porsche Nachhaltigkeitsbeirats) und Tai Kee (Co-Founder von Atera Water) über Ziele, Erfahrungen und die Bedeutung sozialer Initiativen im Gesamtkontext der Nachhaltigkeit.

Herr Dr. Metz, wie fügt sich „Start-up Your Dream“ in die Nachhaltigkeitsstrategie von Porsche ein?

Dr. Philipp Metz: Das Programm ist ein zentraler Bestandteil von sozialer Nachhaltigkeit bei Porsche. Als ein „Partner der Gesellschaft“ engagiert sich Porsche – etwa bei globalen sozialen Herausforderungen wie der Schaffung besserer Lebensbedingungen oder dem Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Mit „Start-up Your Dream“ möchten wir gezielt Impulse in diesen Bereichen setzen, indem wir Startups gemeinsam mit Partnern mit Lösungen unterstützen, die möglichst an den Ursachen gesellschaftlicher Probleme ansetzen und so einen langanhaltenden Beitrag leisten können. Durch die Förderung von Startups verfolgen wir das Ziel, soziale Innovationen zu skalieren und damit weltweit möglichst viele Menschen in für Porsche wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen Engagements zu erreichen.

Dr. Philipp Metz, Leiter Nachhaltigkeitsstrategiefeld „Partner der Gesellschaft" bei der Porsche AG, Tai Kee und Dr. Adrian Yeo, Gründer von Atera Water, 2025, Porsche AG

Frau Professorin Reisch, welche Rolle spielen soziale Initiativen im Gesamtkontext der Nachhaltigkeit?

Prof. Dr. Lucia Reisch: Soziale Initiativen sind oft ein Fundament für nachhaltige Transformation. Wir sprechen viel über CO₂-Reduktion und technologische Innovationen, aber ohne gesellschaftliche Stabilität und soziale Teilhabe bleiben diese Fortschritte fragil. Nachhaltigkeit ist ein Dreiklang aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen. Wenn wir die soziale Komponente vernachlässigen, riskieren wir Akzeptanzprobleme, Ungleichheiten und letztlich das Scheitern von Transformationsprozessen. Initiativen, die Menschen befähigen können, ihre Lebenssituation eigenständig zu verbessern, schaffen Resilienz – und das ist entscheidend für eine nachhaltigere Zukunft.

Herr Dr. Metz, wie entstand die Idee für „Start-up Your Dream“?

Metz: Wir wollten unser gesellschaftliches Engagement um einen neuen Ansatz erweitern: Anstatt ausschließlich selbst Projekte umzusetzen, fördern wir Startups, die mit ihren Innovationen auch soziale Themen adressieren. Die Förderung von Startups ist somit ein Schlüssel, um die soziale Wirkung von Porsche weiter zu entfalten. Das möchten wir durch ein individuell zugeschnittenes Programm schaffen, das auf vier Säulen basiert: „Education“, „Mentoring“, „Networking“ und „Financing“. Mit dieser Kombination sollen Startups nicht nur finanziell, sondern auch strategisch und operativ unterstützt werden. Dabei steht für uns die Qualität und Nachhaltigkeit der Förderung im Vordergrund. 2025 starteten wir gemeinsam mit Atera Water die erste Welle des Programms.

Tai Kee, Dr. Adrian Yeo, Gründer von Atera Water, 2026, Porsche AG
Tai Kee und Dr. Adrian Yeo, Gründer von Atera Water

Frau Tai, was ist die Kernidee hinter ihrem Unternehmen Atera Water? Was treibt Sie persönlich an?

Tai Kee: Unser Leitgedanke ist klar: Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen. Trinkwasser ist eine Lebensgrundlage. Dafür entwickeln wir durch eine Kombination aus Membranforschung und Ingenieurtechnik kostengünstige und umweltbewusste Lösungen. Daraus entstand eine Wasserfiltrationstechnologie, die mit reduzierter Chemikalienfreisetzung und verringertem Energieeinsatz in wasserarmen und stark verschmutzten Regionen sauberes Trinkwasser bereitstellen kann. Mich treibt die Überzeugung an, dass Technologie soziale Herausforderungen lösen kann, wenn sie richtig eingesetzt wird. Die Unterstützung von Porsche hat uns in dieser Denkweise weiter gestärkt.

Frau Professorin Reisch, warum werden soziale Themen oft unterschätzt – und warum sind sie dennoch entscheidend für Transformation – auch im Bereich Technologie?

Reisch: Weil diese Themen auf den ersten Blick weniger sichtbar sind als technische Lösungen. Umweltziele lassen sich messen, soziale Wirkung und Stabilität nicht so einfach. Aber ohne soziale Akzeptanz und Teilhabe können ökologische und ökonomische Maßnahmen nicht vollständig greifen. Wir sehen weltweit, dass Ungleichheit und fehlende Perspektiven zu Widerständen und Konflikten führen. Gesellschaftliche Initiativen schaffen Vertrauen und Handlungsspielräume – sie können ein strategischer Hebel sein. Wer das versteht, erkennt auch, dass soziale Innovationen nicht nur moralisch geboten, sondern wirtschaftlich sinnvoll sind – sie sichern Märkte und reduzieren Risiken. Dieses Potenzial sehe ich auch bei Atera Water.

Herr Dr. Metz, warum fiel die Wahl gerade im Kontext Innovation auf Atera Water?

Metz: Atera Water adressiert mit seiner Geschäftsidee gleich zwei unserer sechs strategischen Wirkungsfelder des gesellschaftlichen Engagements: Bessere Lebensbedingungen und Klimawandel. Der Zugang zu sauberem und günstigem Trinkwasser ist eine globale Herausforderung, besonders in Südostasien. Atera Water kombiniert High-Tech mit sozialem Mehrwert – genau das suchen wir. Hinzu kommt die bestehende Kooperation des Startups mit der Nanyang Technological University in Singapur. Wir wollen Projekte fördern, die lokal wirken und gleichzeitig globale Perspektiven eröffnen können.

Tai Kee, Co-Founder von Atera Water, 2026, Porsche AG
Tai Kee, Co-Founder von Atera Water

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Porsche erlebt?

Tai: Wir durften Porsche direkt vor Ort in Stuttgart-Zuffenhausen kennenlernen – beeindruckend war die Leidenschaft der Mitarbeitenden. Sie leben ihre Marke und bringen sich mit Herzblut ein. Die Qualität der Betreuung und die entgegengebrachte Wertschätzung hat uns sehr berührt – wir haben gemeinsam einen klaren Entwicklungspfad und konkrete Ziele für unser Startup definiert.

Was waren Ihre persönlichen Highlights im Programm?

Tai: Ein besonderes Highlight war ein umfassendes Training unseres Teams in Singapur: Dadurch haben wir beispielsweise gelernt, wie wir unsere Vision überzeugend und wirkungsvoll kommunizieren können. Die Teilnahme am „Ignite Entrepreneurship Training Programm“ der Judge Business School der Universität Cambridge war ein weiterer Meilenstein. Die Woche in Cambridge hat uns Werkzeuge an die Hand gegeben, um groß zu denken, mutige Ziele zu setzen und diese konsequent umzusetzen. Auch der Besuch bei Porsche in Stuttgart war für uns sehr inspirierend. Der direkte Austausch mit Expertinnen und Experten sowie den Nachhaltigkeitsbeiräten hat uns neue Perspektiven eröffnet. Das hat bei uns auch zu mehreren „Aha-Momenten“ geführt, in denen wir erkannt haben, wie wir bestehende Routinen verbessern können. Besonders wertvoll war auch das offene Feedback aus dem Unternehmen, das uns geholfen hat, unsere Strategie weiter zu schärfen und neue Märkte in den Blick zu nehmen.

Prof. Dr. Lucia Reisch, Mitglied des Porsche Nachhaltigkeitsbeirats, Tai Kee, Co-Founder von Atera Water, Prof. Dr. Matthias Finkbeiner, Mitglied des Porsche Nachhaltigkeitsbeirats, Dr. Adrian Yeo, Co-Founder von Atera Water, Prof. Dr. Mette Morsing, Mitglied des Porsche Nachhaltigkeitsbeirats, 2026, Porsche AG
Austausch von Atera Water mit den Nachhaltigkeitsbeiräten

Herr Dr. Metz, welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der ersten Welle des Programms mit?

Metz: Der Mut und Pioniergeist von Startups ist inspirierend. Wir haben gesehen, dass die Förderung von Startups herausfordernd ist und gleichzeitig viele Chancen bietet. Wenn sie gelingt, kann eine enorme Wirkung entstehen. Und wir haben gelernt: Die Qualität der Unterstützung ist entscheidend. Standardisierte Programme und Trainings reichen nicht – maßgeschneiderte Inhalte und eine individuelle Betreuung machen den entscheidenden Unterschied aus. Außerdem hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, soziale Innovationen als Teil der Unternehmensstrategie zu verankern.

Frau Professorin Reisch, Ihr persönliches Fazit: Warum können solche Initiativen ein Schlüssel für die Zukunft sein?

Reisch: Initiativen, wie „Start-up Your Dream“ können Brücken zwischen globalen Zielen und lokaler Realität bauen. Soziale Innovationen schaffen Resilienz, fördern Beteiligung und eröffnen neue Wege für langfristiges Wachstum. Sie sind kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Imperativ. Unternehmen, die das verstehen, sichern nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern tragen aktiv zur Lösung großer Herausforderungen unserer Zeit bei. Das ist ein Maßstab, an dem sich Nachhaltigkeit messen lassen muss.


Über Atera Water

Atera Water entwickelt Wasserfiltrationstechnologien, die auch in wasserarmen und verschmutzten Regionen sauberes Trinkwasser ermöglichen sollen – bei minimalem Chemikalieneinsatz. Das Startup verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit praxisnaher Anwendung und positioniert sich als ein Partner zur Lösung von globalen Wasserproblemen. Atera Water kombiniert Innovationen aus der Membranforschung mit angewandter Ingenieurtechnik, um ein kostengünstiges und energieeffizientes Filtersystem zur Marktreife zu bringen. Erste Pilotanläufe zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Porsche: „Start-up Your Dream“

Mit „Start-up Your Dream“ setzt Porsche ein Leuchtturmprojekt um, das die Unterstützung von Startups vorsieht. Mit der Initiative sollen möglichst viele Menschen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen erreicht werden. Die Förderung basiert auf den vier Säulen „Bildung“, „Netzwerken“, „Mentoring“ sowie „Finanzierung“ und ist individuell auf die Bedürfnisse der mutigen und kreativen Gründer zugeschnitten.

Porsche: Partner der Gesellschaft

„Partner der Gesellschaft“ ist ein Strategiefeld im Bereich Nachhaltigkeit von Porsche. Mit unterschiedlichen Initiativen, Spenden und CSR-Aktivitäten möchte der Sportwagenhersteller weltweit in ausgewählten Regionen einen Beitrag dazu leisten, die Umwelt zu erhalten, gute Arbeits- und Lebensbedingungen zu sichern und das gesellschaftliche Miteinander zu stärken. Unter dem Motto „Chancen für Menschen“ setzt sich Porsche insbesondere für Selbsthilfe-Projekte ein, die Menschen in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld stärken sollen – und sie dabei unterstützen, ihre ganz persönlichen Träume zu erfüllen.

Porsche Nachhaltigkeitsbeirat

Der Porsche Nachhaltigkeitsbeirat besteht aus externen Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft und institutionalisiert den Stakeholderdialog zum Thema Nachhaltigkeit. Der Nachhaltigkeitsbeirat berät regelmäßig den Vorstand und das Top-Management bei der strategischen Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und liefert dabei wichtige Impulse.

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