Nach vierjähriger Auszeit fand am Wochenende im Zuge des Jubiläums „70 Jahre Porsche Sportwagen“ wieder das Festival auf dem Brands Hatch Circuit statt.

Die kleine geschichtsträchtige Rennstrecke in Großbritannien war der perfekte Veranstaltungsort für dieses heiß erwartete Sonntagstreffen für Porsche-Fans. Hier gab es  Ausstellungsobjekte, Vorführfahrten und Rennsport aus nächster Nähe.

Von 356-Cabriolets bis zum neuesten GT2 RS

Bei Spitzenwetter standen auf den umliegenden Feldern und Wiesen elegante 356-Cabriolets, 911 mit kurzem Radstand, aber auch der neueste GT2 RS – poetische Höhepunkte der 70-jährigen Sportwagengeschichte von Porsche.

Der Porsche Club Großbritannien organisierte gemeinsam mit MotorSport Vision diese Veranstaltung. Tausende von Porsche-Liebhabern kamen aus ganz Europa, um Markenikonen jeden Alters und Typs zu bestaunen.

Rennsportheld Derek Bell setzte sich ebenfalls ans Steuer


Ein gemütlicher Spaziergang entlang der kurzen Boxengasse garantierte eine einmalige Reise durch die Motorsportgeschichte von Porsche. An erster Stelle stand ein perfekt restaurierter 356 Pre-A mit kompletter Rennausstattung. Daneben kam ein extrem seltener und genauso toll erhaltener 718 RS60, das Modell, mit dem Hans Herrmann bekanntermaßen 1960 die 12 Stunden von Sebring gewann.

Dann war ein 910er zu sehen, der elegante Nachfolger des 906, der mit seinen extrem kleinen Abmessungen und sanften Linien aufzeigte, wie sehr sich Sportfahrzeuge seit Mitte der 1960er-Jahre weiterentwickelt haben. Daneben parkte ein wunderschöner 904 Carrera GTS mit seinem originalen Vierzylinder-Boxermotor von Fuhrmann und der auffälligen orangefarbenen Lackierung des Teams Holland. In genau so einem Modell begann Gijs van Lenneps Porsche-Karriere.

Ein Stelldichein der seltensten und wichtigsten Porsche-Modelle

Zwei 911, Zeitgenossen des 904, gesellten sich zu ihm. Deren kompakte Monocoques und nüchternes Renndesign wurden allerdings standesgemäß übertrumpft vom 935, der zehn Jahre später gebaut wurde und mit seinen gigantischen Flügeln und grellen Farben auf eine neue Ära des Motorsports hindeutete. Dann folgte ein original 911 SC RS, den Prodrive für Porschekunden zum Rallye-Einsatz baute. Es gab aber noch einen anderen Offroad-Star, nämlich den 959 von Jacky Ickx, der an der berüchtigten Rallye Paris–Dakar teilnahm und diese letztlich auch gewann.

Wo man auch hinsah, es war ein regelrechtes Stelldichein der seltensten und wichtigsten Porsche-Modelle: vom RSR im Brumosdesign bis zu einem der drei 924 GTP, die 1980 am Rennen in Le Mans teilnahmen. Der 956 von Derek Bell und Stefan Bellof, der so bekannt ist für seine Dominanz in der C-Gruppe und seine Spitzenzeit auf der Nordschleife, buhlte gemeinsam mit dem 911 GT1, der 1998 in Le Sarthe triumphierte, um die Gunst der Fanscharen. In der Box nebenan lockte der legendäre 917K von Porsche Salzburg zahllose Besucher. Mit ihm fuhr die Marke zum ersten Mal den Gesamtsieg in Le Mans ein.

Der 919 Hybrid Evo war auch an der Brands Hatch


Inmitten vieler Anhänger jeden Alters und anderer Modelle aus dem Porsche Museum wurde ein 919 Evo tatkräftig auf seine erste Ausfahrt des Tages vorbereitet – ein betörender Mix aus Bildschirmen, Laptops, Luftkissen-Wagenhebern, Reifen und rastlosen Technikern.

Die Passion für Porsche war allgegenwärtig an der Brands Hatch: von regelrechten Besuchermagneten wie den pedantisch gepflegten Straßenwagen bis hin zu Rennklassikern, die auch nach all den Jahren immer noch im Einsatz sind, so wie es sich gehört.

Clubmeisterschaft auf der Indy-Strecke

Das Porsche-Leben pulsierte auch auf der Clubmeisterschaft: Es galt, zwei Runden auf der kurzen, aber schwierigen Indy-Strecke zu fahren, und die Spitzenreiter der Serie wetteiferten in ihren privaten 911 um den Sieg. Was für ein nervenaufreibendes Finale einer weiteren hart umkämpften Saison hervorragenden Freizeitmotorsports.

Britische Rennsporthelden wie Derek Bell und Richard Attwood setzten sich ebenfalls ans Steuer, während Landsmann Magnus Walker als Vertreter eines anderen Schlages der vielseitigen, aber vereinten Porschegemeinde lieber zusah.

Hervorragender Freizeitmotorsport


Alle Blicke richteten sich auf Le-Mans-Sieger und IMSA-Ass Nick Tandy, ebenfalls Brite, als er sich auf den ersten Einsatz im 919 Evo vorbereitete. Dieser bisherige absolute Höhepunkt des dominierenden Hybrid-Rennsportprogramms von Porsche verfügt über gut 1.000 PS, die über die engen Kurven und kurzen Geraden gejagt wurden, die einst schon Motorsportdraufgänger wie Pedro Rodriguez und Jo Siffert im 917 K entlangrasten.

Eine Gefühlswelle überrollte Tandy, der sich einerseits so sehr freute, den Evo fahren zu dürfen, und andererseits bedauerte, dass er dies danach wohl nie wieder tun würde. Klar, dass er den Zuschauern etwas bieten wollte, und so reizte er die unglaubliche Leistungsfähigkeit des Evo so sehr aus, wie es der enge Kurs und das Potenzial der Vorführreifen zuließen. Vor der Paddock-Hill-Kurve erreichte er mehr als 308 km/h und brach damit den Geschwindigkeitsrekord der Strecke.


Als die Spätsommersonne über Englands Südosten langsam unterging, wurde es endlich still um die Strecke, und der Abend klang aus mit dem unverkennbaren Sound von Sechszylinder-Boxermotoren, der von den Parkplätzen erscholl. Ein weiteres fantastisches Ereignis in einem unvergesslichen Porsche-Jahr, das leider viel zu schnell verging, aber definitiv noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Verbrauchsangaben

911 GT2 RS: Kraftstoffverbrauch kombiniert 11,8 l/100 km; CO2-Emission 269 g/km

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