29.08.2018

The Flying Corkman

Mel Nolan gilt nicht nur in seiner Heimat als Motorrad-Legende. Nachdem der Ire seinen Helm an den Nagel gehängt hatte, folgte er dem Ruf von Porsche. Heute ist er Mitglied des Porsche Club of Ireland.

Mel Nolan lächelt. Auf seinem sorgfältig gebügelten Hemd ist die Silhouette eines Porsches aufgenäht. Als er aufsteht und die Hand zur Begrüßung ausstreckt, wird das Lächeln zu einem Lachen.

„Wir brauchen hier noch einen Drink“, ruft er dem Barkeeper zu, bevor er auf den Stuhl ihm gegenüber zeigt. Selbst direkt am Fenster ist es in diesem südirischen Pub eher dunkel – doch das macht nichts. Der weißhaarige Mel wird gleich im Rampenlicht stehen. Schon wuchtet er einen schweren Karton voller Zeitungsausschnitte, alten Fotos und Programmen auf den Tisch.

Erinnerungsstücke schwappen heraus, fächern aus wie ein fallengelassenes Kartenset. Seine Augen tanzen von einem zum nächsten, schließlich greift er zu einem Schwarz-Weiß-Foto, das einen Mann auf einem Motorrad zeigt.

Ganz in Leder gekleidet, das Gesicht teilweise von einem Helm verdeckt, sehen wir darauf einen viel jüngeren Mel. Ein Mel, der zu seiner Zeit als „The Flying Corkman“, der fliegende Mann aus Cork, bekannt war.

„The Flying Corkman“: Mel Nolan


In den frühen 1980er-Jahren war Mel Nolan einer der schnellsten Männer der Welt. Auf seinem „verrückten, selbst gebastelten Motorrad“ stellte der Industriechemiker zwei Weltrekorde auf und hat mit 333 km/h auf dem Tacho seit fast 40 Jahren den irischen Landgeschwindigkeitsrekord inne.

„Seit sieben Jahren bin ich ein totaler Porsche-Fan, aber das war nicht immer so“, sagt der 73-Jährige. „Davor war ich ein Biker – und kein gewöhnlicher Biker, sondern einer, der es geliebt hat, Rennen zu fahren, neue Motoren zu bauen, neue Dinge auszuprobieren und neue Techniken und Produkte zu entwickeln.“

Mit 25 fuhr Mel sein erstes Motorradrennen (und gewann es direkt), danach füllte sich sein Zuhause im Laufe der Zeit mit Dutzenden Hillclimbing- und Sprint-Trophäen. Eine Mischung aus mechanischer Neugierde und Ehrgeiz katapultierte ihn schließlich in die Rekordbücher.

„Mein Motorrad war ursprünglich für die Straße gedacht – eine Honda 750 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h –, aber dann begannen mein Freund Dennis Collins und ich, daran herumzuschrauben. Nach und nach erreichten wir eine Geschwindigkeit von bis zu 333 km/h.“

Mel Nolan war einer der schnellsten Männer der Welt


„Das hat natürlich seine Zeit gedauert – es hat sich eher wie ein Lebenswerk angefühlt. Aber wir hatten unglaublich viel Spaß dabei, und Ende 1981 konnten wir den Landgeschwindigkeitsrekord für ein Motorrad mit 1.000 cc über Entfernungen von einer Meile und einem Kilometer aufstellen. Dafür mussten wir alle Register ziehen. Ich glaube, es war das erste Motorrad mit Turbolader und Lachgaseinspritzung in Europa.“

Nachdem er drei Rekorde errungen hatte, nahm Mel etwas Abstand vom Fahren und wechselte in eine organisatorische Rolle. Seine Liebe zu Beschleunigungsrennen zeigte sich in dem ansteckenden Enthusiasmus für seine Arbeit. Beim ersten derartigen Rennen des Landes lockte er mehr als 10.000 Zuschauer auf die Straßen Irlands.

Nach einem kurzen Zwischenspiel im Sattel – „Ich konnte einfach nicht untätig mitansehen, wie unsere irischen Fahrer gegen Engländer verloren, die schon jahrelange Erfahrung hatten. Also habe ich ein Motorrad mit Stickoxid entwickelt und meine Leidenschaft für Wettbewerbe wiederentdeckt“ – gab Mel die Rennen Ende der 1990er-Jahre endgültig auf. Vor sieben Jahren fand seine Leidenschaft ein neues Ziel: Porsche.

„Ich wollte schon immer einen Porsche haben. Als ich dann vor ein paar Jahren einen Boxster S kaufte, fühlte ich mich sofort wie zu Hause. Es war, als würde man auf seinem Sofa sitzen – einem Sofa mit erstaunlichem Fahrverhalten“, erzählt er lachend. „Ich konnte auf den kurvigen Straßen Irlands mit allem mithalten, auch mit Autos mit wesentlich mehr PS.“

Mel Nolan ist Mitglied im Porsche Club of Ireland


Auf den Boxster folgten ein 996 Turbo X50, ein 3.2 Carrera mit Turbomotor und schließlich ein 997 Turbo. Alle drei stehen Seite an Seite in seiner Garage. Und alle drei sind der perfekte Grund, um aktives Mitglied des Porsche Club of Ireland zu sein.

Seine Rolle als Organisator im Süden des Landes hält Mel ordentlich auf Trab. „Manche Vereine veranstalten fünf oder sechs Events pro Jahr. Wir kommen bis Ende 2018 auf insgesamt 58. Das Kameradschaftsgefühl ist fantastisch. Es gibt immer etwas zu tun und immer einen Ort, an den man mit seinem Porsche fahren kann. Wir sind ein sehr stolzer Club“, sagt er und zeigt auf sein Hemd, auf dem das Club-Logo aufgestickt ist.

„Motorräder sind ein Teil von mir. Ich bin noch immer sehr an Beschleunigungsrennen beteiligt. Aber auch Porsche nimmt in meinem Herzen viel Platz ein. Erst, als ich einen fuhr, merkte ich, dass sich ein Auto wie ein Motorrad anfühlen kann. Sie sind rau, sie sind fantastisch. Sie sind Glücks-Maschinen.“

Er nimmt einen Schluck von seinem Pint und wischt sich dann den Schaum von der Lippe. Dabei fällt sein Blick auf ein aktuelles Foto von seinem 1984 Carrera, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Und Mel Nolan lächelt wieder.


Sehen Sie hier das Interview:

Ähnliche Artikel

Meistgelesen

  1. Starkes Jahr für Porsche: aus der Pole-Position in die Elektromobilität
  2. Innovatives Leichtbau-Dach mit Coupé-Eigenschaften
  3. Mehr als 20.000 Kaufinteressenten für den Taycan
  4. Porsche Zentren erhalten weltweit neue Corporate Architecture
  5. Mister 1.000 PS und sein Porsche 917
Social Media