15.11.2018

Comeback in einer Ikone

Der US-Amerikaner Rod Emory hat seit zehn Jahren kein Rennen mehr als Pilot bestritten, bis zur Rennsport Reunion VI in Laguna Seca. Sein Comeback feierte der kalifornische Porsche-Enthusiast in einer Ikone – dem Porsche 935.

Er kann es noch gar nicht richtig in Worte fassen als er das Volant des Porsche 935 umfasst und das Dröhnen des 3-Liter-Aggregats dicht hinter ihm, durch den Rennhelm, fast ungefiltert in seinem Kopf landet. Rod Emory braucht noch ein paar Sekunden. Seine Augen indes haben längst zu sprechen begonnen: Hinter Anspannung und einer ordentlichen Portion Adrenalin blitzt kindliche Freude auf. „Auf diesen Moment habe ich zehn Jahre lang gewartet", findet der 44-jährige schließlich die passenden Worte. „Dass mein erstes Rennen hier in Laguna Seca zum 70. Geburtstag von Porsche stattfindet und dann noch in diesem 935, macht das Ganze schon ein bisschen verrückt“, freut sich der Enthusiast.

Das Fahrerlager um Emory herum erfüllt sich mehr und mehr von einem Beben. Neben dem Porsche 935 laufen sich noch andere Rennlegenden warm: Der legendäre 917, als Kurzheck sowie Langheck-Version, dann ein seltener 904, sogar diverse 911 ST warten darauf, auf dem WeatherTech Raceway endlich von der Leine gelassen zu werden. Wer Porsche-Motorsportgeschichte erleben will, darf sich das klassische Treffen von Rennfahrzeugen namens Rennsport Reunion nicht entgehen lassen. Inmitten all dem metallischen Lärm und sportlicher Hektik fühlt sich Rod Emory wohl. Während er das spartanische Cockpit des 935 checkt, spult er sein Leben mit Porsche für das 9:11 Magazin noch einmal rückwärts.

Der 935 wartet auf seinen Einsatz


Die Leidenschaft für Porsche wurde Emory früh in die Wiege gelegt. Eigentlich noch bevor es für Rod überhaupt in eine Wiege ging, hieß es bereits in einem Porsche 911 Platz zu nehmen. Sein Vater Gary Emory holte seinen neugeborenen Sohn mit seiner Mutter im geliebten G-Modell im Mai 1974 aus dem Krankenhaus nach Hause. Während Rod heranwuchs und die Sonntage dem Waschen des 911 gehörten, widmeten sich sein Vater und Großvater dem Kraftfahrzeugbau und einem Teilehandel. Die beiden schufen manchmal die sonderbarsten Vehikel: von Rennfahrzeugen, über Wüstenflitzer bis hin zu typisch amerikanischen Showcars.

Mit gerade mal 14 Jahren modifizierte Rod dann unter der Aufsicht seines Großvaters Neil einen Porsche 356, den er für den privaten Rennsport nutzen wollte – und der heute, 30 Jahre später, immer noch in seiner Garage parkt. „Während andere Jungs in seinem Alter zum Football- oder Baseballtraining zogen, fand ich Rod immer öfter vertieft in seinem 356 vor“, erinnert sich Rods Vater Gary. Zwei Jahre später, mit 16 Jahren und nach Erwerb der offiziellen Rennlizenz, konnte Emory Junior endlich den Sportwagen seiner Jugendträume pilotieren.

Die Leidenschaft für Porsche wurde Rod Emory in die Wiege gelegt


Auf seine Rennfahrerkarriere rückblickend sagt Emory: „Ich bin sicherlich kein Siegfahrer gewesen, aber überall, wo ich gestartet bin, war ich in der Lage, Top-10-Platzierungen einzufahren.“ Am Ende war es der Racing-Spirit, den Emory auch abseits der Rennstrecke aufsog und der ihn glücklich machte. Die Profirennsportkarriere jedenfalls, die er sich vielleicht anfangs noch erhofft hat, hängte er letztendlich für seine Familie und für die eigene Firma an den Haken. „Anstatt an den Wochenenden den Trailer zu beladen und auf irgendeiner Rennstrecke in den USA Vollgas zu geben, wollte ich lieber für meine Frau Amy und meine Kinder da sein“, erklärt der Petrolhead und Familienmensch Emory.

Emory formte aus der einstigen Familien-Werkstatt an der amerikanischen Westküste bald einen echten Anziehungspunkt für Porsche-Enthusiasten aus ganz Amerika: Emory Motorsports. Auch wenn er sich offiziell aus dem Motorsport verabschiedet hat, so richtig verschwunden war der Drang zur Rennstrecke nie. Das spürt man in seinen Porsche-Fahrzeugen und in seiner Art selbst. So ist es auch kein Wunder, dass er die Rennsport Reunion VI zum Anlass nimmt und noch einmal in das Cockpit eines Porsche steigt, um endlich einmal wieder verbranntes Gummi und Benzin zu inhalieren. Und genauso den Spirit der Strecke.

Der 935 wurde vor mehr als 40 Jahren speziell für den Kundenrennsport ausgeliefert


Als das Porsche-Kundenrennsport-Team Gunnar Racing aus Florida einen zuverlässigen Piloten für ihren Porsche 935 aus dem Baujahr 1977 für die sechste Ausgabe der Rennsport Reunion suchte, dachte Rod nicht sofort an sich. Erst als Kevin Jeannette, der Gunnar Racing 1978 ins Leben rief und sogar schon mit dem Porsche Museum zusammenarbeitete, mit Emory in den Dialog ging, zeichnete Rod das Bild in seinem Kopf fertig.

Der Porsche 935, den Rod steuern sollte, mit der Chassis-Nummer 930 770 0904, wurde vor mehr als 40 Jahren von Porsche speziell für den Kundenrennsport ausgeliefert. Diverse Teams setzten ihn dann auf Rennstrecken in Deutschland, Belgien, England und Frankreich ein. Egal, ob auf dem Nürburgring, in Hockenheim, dem Leipziger Norisring, in Zolder oder später Brands Hatch, Silverstone und natürlich Le Mans. Sogar der ehemalige Ingenieur und Porsche-Urgestein Günther Steckkönig saß hinter dem Lenkrad dieses 935 und bestritt mit ihm zwei Rennen.

„Diesen 935 zu fahren, ist der absolute Wahnsinn. Er blickt auf so viel Renngeschichte zurück, dazu die Lautstärke und seine brachiale Power. Ich werde nachher meine Frau bitten, ob sie mich zwickt, damit ich weiß, dass ich nicht träume...“, erzählt Emory und verschwindet mit einer lodernden Flamme aus dem Auspuff des 935 auf der Rennstrecke von Laguna Seca. 

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