Sieben Jahrzehnte nach dem 356 Roadster steht Porsche mit dem Taycan vor seiner zweiten Gründung. Porsche-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume über den Beginn der neuen Ära Porsche E-Performance.
 

1948 erfindet Ferry Porsche ein Auto. Sein Name: 356 Roadster, kurz: „Nummer 1“. Es ist sein Traum vom perfekten Sportwagen, den er nirgendwo anders finden konnte – der Beginn der Ära Porsche.

Sieben Jahrzehnte später steht Porsche vor seiner zweiten Gründung: Mit dem Taycan beginnt die Ära Porsche E-Performance.

Der erste rein batteriebetriebene Sportwagen made in Zuffenhausen markiert eine Zäsur: den Wandel vom reinen Sportwagenhersteller zum erfolgreichsten Anbieter exklusiver und sportlicher Mobilität. Den Umbruch vom Hardwareproduzenten zum integrierten Hardware-, Software- und Serviceunternehmen. Wir führen unser Geschäftsmodell weiter in das digitale Zeitalter. Aber unser Anspruch bleibt der von Ferry Porsche: der Traum vom perfekten Sportwagen.

Erneuerung und Kontinuität gehen bei Porsche seit jeher Hand in Hand. Neu ist das Tempo, in dem sich die klassischen Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Immer schneller wird es darum gehen, den Wünschen von Kunden nach flexibler, sicherer, individueller und nachhaltiger Mobilität zu entsprechen. Dieser neuen Dynamik zum Trotz bleiben traditionelle Kernkompetenzen unverzichtbar. Porsche wird anders. Unsere Identität bleibt dieselbe.

Unsere Produktstrategie macht diese Haltung greifbar. Sie baut auf vier Säulen – vier Dimensionen, orientiert an den unterschiedlichen Wünschen unserer Kunden: Unsere Basis bilden die bekannten Modelle mit sinnvollen Derivaten. In der zweiten Dimension feiern wir unsere Rennsporttradition. Mit puristischen, kompromisslosen GT- und RS-Fahrmaschinen pflegen wir unser Image, schärfen unsere Marke. In der „Lifestyle“-Dimension kombinieren wir moderne Fahrzeuge mit ikonografischen Elementen früherer Generationen. Unsere Plug-in-Hybride und reine E-Mobile bilden die vierte Säule. Eine tragende Säule. Unsere Zukunft.

Bei den Antriebsarten läuten wir die Ära Electric mit einem Dreiklang ein: Mit hoch emotionalen Benzinmotoren, leistungsstarken Plug-in-Hybriden und, ab 2019, rein elektrischen Antrieben. So bedienen wir die Wünsche unserer Kunden ebenso wie die Bedürfnisse der Märkte – welche sich mehr oder weniger schnell in Richtung Elektromobilität bewegen.


Bei Porsche sind die Weichen gestellt. In Europa kamen 2018 bereits mehr als die Hälfte aller neuen Panamera als Hybrid auf die Straße. 2019 feiern wir die Premiere des Taycan. Und mit dem Cross Turismo ist auch schon ein erstes Derivat auf dem Weg. Mit überragenden Performance-Werten und höchster Effizienz hat uns die Elektromobilität überzeugt. Wir begrüßen sie.


Verabschiedet haben wir uns im vergangenen Jahr von einer anderen Technologie: Dieselmotoren hat Porsche nie selbst entwickelt oder gebaut. Der Diesel hat bei uns immer eine untergeordnete Rolle gespielt. Wir haben uns daher entschieden, künftig ohne ihn auszukommen. Damit schärfen wir den Kern unserer Marke. Den einer Sportwagenmarke. Konsequent ausgerichtet auf die Mobilität der Zukunft. Porsche und die Elektromobilität. Das passt perfekt zusammen. Und auch hier gilt: Wo Porsche an den Start geht, fahren wir auf Sieg. 2019 starten wir daher erstmals in der Formel E. Zusätzlich zu unserem Engagement in der GT-Klasse und für den Kundensport. Denn das Herz von Porsche schlägt für den Motorsport. Er ist unsere Seele, mit der Rennstrecke als Laboratorium für Innovationen.

Das elektrische Zeitalter hat dort schon vor Jahren begonnen: Der 918 Spyder hat uns 2013 mit seiner Rekordfahrt auf dem Nürburgring gezeigt, wie überlegen ein Hybrid im Segment der Supersportwagen sein kann. Mit dem 919 Hybrid haben wir schließlich den Langstrecken-Rennsport revolutioniert und die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Das härteste Rennen der Welt, dreimal in Folge. Die Evo-Version des 919 hat sogar den 35 Jahre alten Rundenrekord auf der Nordschleife des Nürburgrings unterboten – und das um fast eine Minute.

Erfahrungen, die wir auf der Rennstrecke sammeln, fließen sukzessive in die Serie ein. 2014 war Porsche der erste Hersteller im Premium-Segment mit Hybridsystemen in drei Modellreihen. Seither haben wir kontinuierlich Leistung und elektrische Reichweite optimiert. Jüngstes Beispiel ist der Panamera Turbo S E-Hybrid, der nicht nur eine emissionsfreie Fahrt durch die Innenstadt ermöglicht. Die elektrischen Komponenten seines Hybridantriebs unterstützen bei Bedarf auch die sportliche Fahrdynamik. Das Porsche-typische Fahrerlebnis.


Ebenso wie der Porsche 919 Hybrid setzt auch der Taycan auf die 800-Volt-Technologie. Diese Spannungslage stellt fundamentale Weichen für den gesamten Elektro-Antriebsstrang: von der Batterie über das Elektronik-Layout und die E-Maschinen bis hin zur Leistungsfähigkeit des Ladevorgangs.


Die entsprechenden Bauteile hat Porsche in Pionierarbeit bis an die Grenzen des technisch Machbaren entwickelt. Auch die flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Batterie entstammt dem hohen Wettbewerbsdruck des Motorsports. Sie lädt in vier Minuten ausreichend Energie für 100 Kilometer Reichweite. Das macht den Taycan alltags- und langstreckentauglich. 

Voraussetzung dafür sind hochleistungsfähige Ladesysteme. Zu Hause tankt der Taycan mit dem Porsche Mobile Charger Connect – über Nacht und bis zu 22 kW schnell. Auch induktives Laden werden wir anbieten. Über das Joint Venture IONITY bauen wir zudem zusammen mit Audi, BMW, Daimler und Ford Schnellladestationen in ganz Europa. Bis Ende 2019 werden bereits 400 Standorte am Netz sein. In Amerika wird die Volkswagen Konzerninitiative „Electrify America“ ähnliche Lademöglichkeiten anbieten. Darüber hinaus plant Porsche bis zur Markteinführung des Taycan mehr als 2.000 AC-Ladestationen an stark frequentierten Haltepunkten weltweit.

Der Start in ein neues Zeitalter verlangt uns hohe Investitionen ab. Sechs Milliarden Euro fließen allein in die Elektromobilität, davon eine Milliarde in unseren Stammsitz Zuffenhausen. Dort haben wir eine Fabrik für den Taycan und mit ihr rund 1.500 neue Arbeitsplätze aufgebaut. Alle Kolleginnen und Kollegen unterstützen dieses Projekt, indem sie auf einen Teil ihrer Tariferhöhungen verzichten. Dieses Zukunftspaket ist in der Branche bisher einmalig.

Schon jetzt ist die Nachfrage nach dem Taycan enorm. Wir sind optimistisch, dass wir damit auch die zunehmend strengeren EU­ Klimaziele für Autos erreichen. Denn Porsche ist kein Volumenhersteller. Null Emissionen bei einer Baureihe wie dem Taycan schlagen sofort durch. Weitere Plug­in­Hybride wie beim Cayenne werden folgen. Auch der neue 911, die achte Generation, ist bereits hybridfähig entwickelt. 2025 könnten bereits mehr als die Hälfte aller neu ausgelieferten Porsche­-Modelle über einen E­-Antrieb verfügen.

Porsche steht für Beschleunigung, auch in Sachen Transformation. Dabei profitieren wir von unserer Stärke: Vor allem die Umstellung auf das neue Abgas-Messverfahren WLTP und damit verbundene Engpässe sowie der Verzicht auf Diesel haben uns 2018 stark gefordert. Umso bemerkenswerter ist die Bilanz, die wir nach diesem Jahr ziehen können: 2018 war – trotz aller Widrigkeiten – einmal mehr ein Rekordjahr. Die Porsche AG hat im Geschäftsjahr 2018 insgesamt 256.255 Fahrzeuge ausgeliefert (plus vier Prozent) und den Umsatz um zehn Prozent auf 25,8 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis legte um vier Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu (2017: 4,1 Milliarden Euro). Trotz sehr hoher Investitionen in Elektromobilität und Zukunftstechnologien liegt die operative Umsatzrendite mit 16,6 Prozent über unserem strategischen Ziel von 15 Prozent.

Die Erneuerung unserer Modellpalette, erhebliche Investitionen in die Entwicklung und Infrastruktur von Elektromobilität, die Qualifizierung der Belegschaft für neue Technologien – all das hat seinen Preis. Hinzu kommen die Materialkosten für ein Elektrofahrzeug. Sie liegen zwischen 6.000 und 10.000 Euro höher als bei einem Verbrenner. Damit sinkt zunächst der Gewinn pro Auto. Trotzdem halten wir auch für die Zukunft an unserem strategischen Ziel einer operativen Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent fest. Nur so sind Arbeitsplätze sicher und Investitionen in neue Technologien möglich.

2018 haben wir daher ein Ergebnisprogramm aufgesetzt. Auf der einen Seite wollen wir mit noch mehr Nachdruck digitale Geschäftsfelder und damit neue Ertragsquellen erschließen. Auf der anderen Seite überprüfen wir unsere Strukturen daraufhin, wo wir uns noch schlanker aufstellen oder effizienter werden können, worauf wir verzichten und welche Synergiepotenziale wir besser nutzen können. Bis 2025 sollen so insgesamt sechs Milliarden Euro an Ergebnis zusätzlich generiert werden. Wenn unsere Maßnahmen greifen, sind es ab 2025 zwei Milliarden Euro jährlich. Unsere Ziele sind ambitioniert. Wir müssen und wir werden uns die kommenden Jahre mehr denn je anstrengen, um auf Kurs zu bleiben. Was wir dafür brauchen, haben wir: Ausdauer, Know-how, Leidenschaft.

Und Effizienz. Sichtbar gemacht in Form unserer neuen Taycan-Produktion und -Montage, einer Fabrik in der Fabrik in Zuffenhausen. Mit der sogenannten Flexi-Linie setzen wir dort erstmals fahrerlose Transportsysteme im kontinuierlichen Fluss ein. So verbinden wir die Vorteile des klassischen Fließprinzips mit der Flexibilität einer wandlungsfähigen Montage.


Unter dem Motto „Smart, green, lean“ entsteht der Taycan CO2-neutral. Unser Ziel ist die sogenannte Zero-Impact-Factory, eine Fabrik ohne Umweltauswirkungen.


Vor zwei Jahren haben wir unsere Produktionsstandorte in Deutschland bereits komplett auf Naturstrom umgestellt. Das Porsche-Werk Leipzig ist seit seiner Gründung vor 18 Jahren eine der modernsten und nachhaltigsten Automobilfabriken der Welt. Durch Energieeffizienzmaßnahmen wurden dort seit 2015 insgesamt 9,3 Gigawattstunden Strom eingespart. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 1.900 Vier-Personen-Haushalten. Auch der Bahntransport der Fertigfahrzeuge wird mit Ökostrom betrieben. Das spart pro Jahr 6.200 Tonnen CO2. Gebäudeeigene Fotovoltaikanlagen versorgen die Karosseriebauten des Macan und Panamera mit Sonnenkraft.

Mit Porsche Impact geben wir erstmals auch unseren Kunden die Möglichkeit, ihren CO2-Footprint zu reduzieren. Abhängig von Laufleistung, Modell und Fahrzeugeigenschaften ermittelt Porsche Impact die Emissionen des Fahrzeugs. Der Kunde kann diese dann auf freiwilliger Basis kompensieren, indem er geeignete Klimaschutzprojekte fördert.

Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Konnektivität, künstliche Intelligenz: Porsche ist auf einem guten Weg. Unser Ziel: Führender Anbieter für Mobilitätslösungen im automobilen Premium-Segment zu werden. Die Kunst besteht darin, die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung Porsche-typisch zu interpretieren. Nicht zum Selbstzweck.

Wir arbeiten daher an eigenen Lösungen, die Funktionen für den Kunden verbessern oder unsere Prozesse erleichtern. In der Produktion ebenso wie im Fahrzeug. Bestes Beispiel: der Wet-Mode, eine Weltneuheit im neuen 911. Er warnt bei einsetzendem Regen und bietet sichere Fahrhilfen an. Eine Nachtsichtfunktion mit Wärmebildkamera hilft durch die Nacht. Als erstem Automobilunternehmen überhaupt ist es uns auch gelungen, einen Panamera mit der digitalen Sicherheitstechnologie Blockchain zu bestücken. Die dezentrale Speichertechnologie ist bekannt aus der Finanzwelt. Gemeinsam mit dem Berliner Start-up Xain bringen wir sie ins Fahrzeug.


Kooperationen sind Teil unserer Strategie. Unser IT-Budget haben wir daher von 150 Millionen Euro auf 450 Millionen Euro erhöht. Mit jungen Start-ups sichern wir uns den Zugang zu spannenden neuen Technologien. Die Porsche Digital GmbH hat zu diesem Zweck eine neue Digital Experience Foundry in Ludwigsburg eröffnet. Dort sollen digitale Produkte und Services rund um das Fahrzeug entwickelt und moderne Arbeitsformen umgesetzt werden.


2018 konnten wir bereits erste Ergebnisse präsentieren: Porsche 360+ navigiert Kunden durch den Alltag. Ein persönlicher Lifestyle-Assistent bestellt Geschenke, plant Reisen, besorgt Karten. Auch für ausgebuchte Konzerte, rund um die Uhr. Mit Angeboten wie diesen öffnen wir uns erstmals für Kunden, die keinen eigenen Porsche besitzen. Sehr gute Erfahrungen haben wir im vergangenen Jahr bereits mit dem Abomodell Porsche Passport gemacht: Gegen eine monatliche Gebühr kann der Kunde aus 22 Porsche- Fahrzeugen wählen und beliebig zu anderen Modellen wechseln. Bisher nur im US-amerikanischen Atlanta, bald auch in Städten in Europa und Asien.

Mit dem Taycan gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir werden erstmals Updates „on demand“ und „over the air“ anbieten, auch lange nach dem Kauf des Autos oder nur für eine gewisse Zeit. Denn der Weg zum autonomen Auto führt über viele Assistenzsysteme – etwa den Staupiloten oder Instrumente, mit denen ein Auto selbst einen Parkplatz sucht und einparkt.

Ein Porsche wird auch in Zukunft ein Lenkrad haben. Man wird ihn immer selbst fahren wollen und können, denn Fahrspaß gehört zum Markenkern. Beim automatisierten Fahren unterstützen wir deshalb Lösungen, die zu den Bedürfnissen unserer Kunden passen, zum Beispiel auf der Rennstrecke. Der Autopilot kennt den Idealkurs und zeigt, wie Kurven perfekt angebremst werden und wo am besten beschleunigt wird.

Digitale Transformation sorgt für gesellschaftlichen Fortschritt. Sie macht das Leben einfacher, angenehmer, nachhaltiger. Aber nicht jeder wird den Job, den er heute macht, auch noch in zehn Jahren machen können. Neue digitale Geschäftsmodelle erfordern neue Mitarbeiter mit einer anderen Denk- und Herangehensweise. Wir bereiten unsere Mannschaft gezielt darauf vor. Wir wollen sie zwischen den Eckpunkten Tradition und Innovation so qualifizieren, dass jeder im Unternehmen profitieren kann und niemand den Anschluss verliert.

32.325 Menschen arbeiteten zum Jahresende 2018 bei Porsche – so viele wie noch nie. Das entspricht einem Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Attraktivität von Porsche als Arbeitgeber ist ungebrochen. Rund 150.000 Bewerbungen jährlich und regelmäßige Spitzenplätze in Arbeitgeberrankings belegen das. Und obgleich sich unsere Belegschaft seit 2011 mehr als verdoppelt hat, legen wir bei Porsche ganz besonderen Wert auf das Wir-Gefühl und ein kollegiales Miteinander. Da diese Werte keine Lippenbekenntnisse sind, sondern gelebt werden, haben wir eine neue Employer-Branding- Kampagne gestartet. Damit präsentieren wir uns besonders bei Studierenden und Berufseinsteigern als authentischer, menschlicher Arbeitgeber: ungeschminkt und bodenständig. Grundlage ist das 2017 von mehr als 500 Beschäftigten aus allen Bereichen und unter Einbeziehung der Arbeitnehmervertretung weiterentwickelte Kulturleitbild mit den zentralen Werten „Pioniergeist, Herzblut, Sportlichkeit und eine Familie“ – unser Selbstverständnis.

Wir bleiben diesen Werten treu. Sie sind unser Fundament, das Ferry Porsche mit dem „Nummer 1“ gelegt hat. In diesem Bewusstsein und mit der Erfahrung von gut 70 Jahren Sportwagengeschichte stellt sich Porsche dem Wandel – auch wenn vieles von externen Entwicklungen abhängt. Regulatorisch, wirtschaftlich, politisch.

Wir wollen und wir werden auch weiterhin Maßstäbe setzen. Wettbewerbsvorteile genießen. Unserer Verantwortung nachkommen. Wir erwirtschaften Erträge. Erträge schaffen Innovationen. Innovationen schaffen Investitionen und Exzellenz. Sie sichern Wohlstand, soziale Sicherheit, Arbeit und die Ausbildung junger Menschen.

Die Zukunft beginnt heute. Porsche nimmt sie an.

 

Verbrauchsangaben

Panamera Turbo S E-Hybrid: Kraftstoffverbrauch kombiniert 3,3 l/100 km; CO2-Emission 74 g/km; Stromverbrauch kombiniert 16,0 kWh/100 km