Aus der Ferne betrachtet, erscheint es einfach: Das muss ein Porsche sein. Aber warum wirkt ein Porsche aus allen Perspektiven so charakteristisch, dass er als ein Porsche identifiziert wird? Details prägen die Wahrnehmung des gestalterischen Phänomens.

911 GT3 mit Touring-Paket: Kraftstoffverbrauch kombiniert 13,3 l/100 km; CO2-Emission 302 g/km


Am 2. Oktober 1955 eröffnet Walter Gropius die Gebäude der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Der ehemalige Direktor des Bauhauses aus Weimar/Dessau und Grandseigneur des „International Style“ der Moderne wendet sich besonders an die Studenten und Dozenten im Festpublikum. Er beschwört sie geradezu, sie mögen Gestaltung nicht nur rational begründen, sondern auch „das Magische“, wie er es nennt, in ihr Kalkül ziehen.

Dafür erntet Gropius nur höflichen Applaus. Doch er bringt damit ein zentrales Thema zur Sprache, das auch die Ulmer Rationalisten nicht ignorierten: Welche Anteile der Gestaltung lassen sich mit dem Instrumentarium des Verstands argumentativ herleiten und bei welchen Anteilen versagt dieser Zugang? Anders gefragt: Welche Qualitäten des Designs lassen sich eindeutig messen und welche entziehen sich einer objektivierbaren Erfassung?

Jeweils zwei scheinbar gegensätzliche Elemente, von denen es gemeinhin heißt, sie seien nur zum Preis eines unbefriedigenden Kompromisses zu vereinbaren, kennzeichnen das Design eines Porsche: Fuge und Fläche, Rundung und Kante, Aggressivität und Sanftheit, Stärke und Eleganz, Geschwindigkeit und Standhaftigkeit, fokussierte Konzentration und spielerische Lässigkeit. Es gelingt, diese Faktoren gerade nicht in ein simples numerisches Gleichgewicht zu bringen, sodass sie sich gegenseitig annullieren. Seine Eigenständigkeit gewinnt das Design daraus, dass die Kräfte stets in einer exakt austarierten Schwebe gehalten werden. Einmal dominiert nüchternes Ingenieursdenken, ein anderes Mal überwiegt emotionale Attraktivität. Dem Design eines Porsche-Fahrzeugs liegen Werturteile zugrunde, keine Algorithmen. Aus der Nähe und aus unerwarteten Perspektiven betrachtet, in der Haltung einer forschenden Beobachtung, werden solche Details sichtbar, die sich in ihrer Gesamtheit zum jeweils stimmigen Bild fügen. Zum Beispiel als Referenz zum Motorsport die nicht diskutierbare Präzision von technischen Elementen, die den für Einsatz unter Höchstleistung bestimmt sind. Bei den Scheinwerfern das wechselseitige Spiel aus Rundungen, Kanten und den Reflexen des Lichts, das sich in diesen Oberflächen bricht. Oder das Selbstbewusstsein der großen Freiflächen, die behutsam in Fugen verschwinden.

Für die Artikulation der Wirkung dieser Erscheinungsformen fehlen trennscharfe Begriffe. Gropius nannte es „das Magische“ – und das wollte er gänzlich ohne Pathos verstanden wissen.

Galerie

Fotografie: Haw-Lin Services

Cayenne S: Kraftstoffverbrauch kombiniert 9,4 – 9,2 l/100 km; CO2-Emission 213 – 209 g/km