25.04.2017

„Es war nie nur das Auto“

Heute findet das Finale des 40. Porsche Tennis Grand Prix statt. Dr. Wolfgang Porsche gilt als der Schutzpatron des Tuniers. Als Mann der ersten Stunde hat er sich immer für den Grand Prix eingesetzt und viel erlebt. Kein Wunder, dass seine Geschichte über die Beziehung zwischen Porsche und Damentennis eine sehr persönliche ist ...

Stuttgart-Zuffenhausen, Werk eins, die Schaltzentrale von Porsche: Wenn irgendwo die große Tradition des Unternehmens fast körperlich greifbar ist, dann im Büro von Dr. Wolfgang Porsche. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG sitzt an seinem Schreibtisch und betrachtet die mitgebrachten Fotos aus 40 Jahren Porsche Tennis Grand Prix. Schöne Schnappschüsse: Ein junges Mädchen, Martina Hingis, sitzt lachend am Tisch. Daneben Wolfgang Porsche. Sein kleiner Sohn sitzt auf seinem Schoß. Es sieht aus wie beim Familientreffen. Lang, lang ist es her...

Dr. Wolfgang Porsche:  Da, neben Martina Navratilova, das bin ja ich! Kann ich davon einen Abzug haben?

Sie dürfen das Foto gern behalten.

Vielen Dank. Das ist doch Gabriela Sabatini! Wenn man diese Fotos so ansieht: Ist es nicht unglaublich, wie sich alles verändert hat? Allein die Tennismode, sogar bei den Männern. Neulich im Fernsehen habe ich Roger Federer im Finale der Australian Open gegen Rafael Nadal gesehen. Ein tolles Match. Federer trug rote Schuhe.

Der Porsche Tennis Grand Prix ist auch sehr bunt. Sie sind doch wieder dabei? Ein Pflichttermin, oder?

Es ist ein schönes Muss für mich. Seit Jahren schaue ich mir am Samstag und Sonntag die Halbfinals und das Finale an. Ich wohne in Salzburg, deshalb schaffe ich zeitlich leider nicht mehr. Aber das Finalwochenende halte ich mir immer frei.

Was empfinden Sie, wenn Sie heute in der Porsche-Arena ein Turnier besuchen, das zum Hightech-Top-Event geworden ist?

Die Atmosphäre in der Porsche-Arena ist einzigartig. Es sind die ganz besonderen Momente, die mir Gänsehaut verschaffen. Die sportliche Leidenschaft der Spielerinnen und die ungebrochene Begeisterung der Zuschauer. Diese Kombination macht den Porsche Tennis Grand Prix zu einem der beliebtesten Turniere. Das Besondere für mich ist jedoch die Geschichte dahinter und die Verbundenheit der Spielerinnen. Es macht mich schon ein bisschen stolz, wenn man bedenkt, wie wir damals angefangen haben.

Damals war alles etwas kleiner ...

In Filderstadt begann alles sehr bescheiden. Damals hat doch keiner auch nur daran gedacht, dass wir eines Tages auf vier Jahrzehnte zurückblicken werden. Wir haben einfach mal losgelegt.

Was heißt denn „einfach losgelegt“?

Denn Anstoß gab 1978 unser damaliger Pressechef Manfred Jantke. Er war ein großer Hobbysportler, mochte Damentennis und kannte mit Dieter Fischer den Veranstalter in Filderstadt. Daraus hat sich alles entwickelt. Unsere Familie wohnte damals am Killesberg, das Weißenhof-Turnier fand um die Ecke statt. Und wenn die Herren dort gespielt haben, kamen so viele Zuschauer, dass wir kaum noch in unsere Garage fahren konnten. Wir waren in Filderstadt kleiner – haben aber ziemlich aufgeholt.

Die weltbesten Tennisdamen sind schnell zu treuen Dauergästen geworden...

Das hat viel mit Dieter Fischer zu tun. Sind wir ehrlich: Billie Jean King, Chris Evert, Pam Shriver, Hana Mandlikova, Martina Navratilova, und wie die großen Persönlichkeiten alle hießen, hätten doch jederzeit sagen können: Was sollen wir in Stuttgart bei diesem kleinen Turnier? Aber Dieter Fischer war so rührig, er hat an die Spielerinnen Betthupferl verteilt, er hat ihnen Maskottchen geschenkt. Natürlich war es ein großer Anreiz, einen Porsche gewinnen zu können. Aber es war nie nur das Auto. Die Spielerinnen sind wirklich gern gekommen. Es passte alles zusammen. Im Restaurant von Klaus von Maur saßen wir mit den Spielerinnen zusammen, es herrschte eine familiäre Atmosphäre.

Aus dem Sponsor Porsche wurde der Veranstalter Porsche, warum?

Als Dieter Fischer altersbedingt ausgestiegen ist, haben wir uns gesagt: Wenn das Turnier so bleiben soll, wie wir es uns vorstellen, müssen wir es selbst organisieren. Man muss Dieter Fischer großen Dank aussprechen, er hat tolle Arbeit geleistet, das konnten und wollten wir nicht kopieren. Wir haben diese Arbeit im Porsche-Stil weitergeführt, etwas mehr Struktur reingebracht und uns auf so kompetente Experten wie Markus Günthardt und Anke Huber gestützt. Die beiden haben das Turnier hervorragend weiterentwickelt.

Hatten Sie vor dem Umzug in die große Porsche-Arena ein bisschen Angst um das Turnier?

Der Weg war ja vorgezeichnet. Mein Vater Ferry Porsche hat das Stuttgarter Rössle bewusst ins Porsche-Wappen integriert, weil wir der Stadt Stuttgart sehr nahestehen. Diese Verbundenheit beweisen wir bis heute durch ein vielfältiges gesellschaftliches Engagement in der Region. Dazu gehört auch die Porsche-Arena. Es war logisch, dass dieses schöne Turnier irgendwann in dieser wunderbaren Halle stattfinden wird. Das Turnier war etabliert, aber trotzdem wussten wir, dass wir künftig wesentlich mehr Zuschauer brauchen werden, um die große Halle zu füllen. Wir hatten deshalb aber keine Angst, Respekt schon.

War denn sicher, dass die Spielerinnen in die Arena kommen würden?

Ein guter Punkt. Vor ein paar Jahren bereinigte die WTA ihren Turnierkalender, um die Reisestrapazen der Spielerinnen zu reduzieren. Wir wurden vom Oktober auf den April gelegt, also in eine ganze andere Phase der Saison. Dieser Wechsel hätte uns die Teilnahme einiger Stars kosten können. Die Gefahr, dass einige der Besten nicht mehr kommen, weil sie sich auf einem Hallenboden nicht für das bevorstehende Sandplatz-Highlight French Open in Paris einspielen können, haben wir gesehen. Also legen wir in jedem Jahr einen ganz modernen Sandplatz in die Halle, was in Filderstadt so nicht möglich gewesen wäre. Die Veranstaltung ist jetzt attraktiver denn je. Die Besten kommen jedes Jahr und wählen uns regelmäßig zum beliebtesten Turnier.

Ferry Porsche, die junge Martina Hingis und Dr. Wolfgang Porsche mit Sohn (l-r)

Auf den alten Fotos ist immer wieder Ihr Vater zu sehen. Haben Sie mit ihm damals auch über den Grand Prix gesprochen?

Wir haben nicht darüber gesprochen, wir sind immer zusammen auf der Tribüne gesessen. Wie gesagt: Wir wohnten damals noch in Stuttgart und sind praktisch jeden Tag in Filderstadt gewesen. Über das Turnier waren wir uns immer einig: Der Grand Prix gehört zu Porsche.

Es heißt, in schwierigen Zeiten stand die Zukunft des Porsche Tennis Grand Prix zur Debatte.

Immer wieder mal wird die Frage aufgeworfen: Braucht Porsche den Grand Prix? Ich sage: Wir verkaufen kein Auto mehr oder weniger, ob wir den Grand Prix veranstalten oder nicht. Aber: Die Menschen im Großraum Stuttgart und ganz Baden-Württemberg freuen sich über die attraktive Veranstaltung, bei der sie Weltklassetennis hautnah erleben können. Deshalb machen wir das.

Wie bewerten Sie das inzwischen umfassende Engagement von Porsche für das deutsche Damentennis?

Ich finde das Engagement großartig. Durch die sehr guten Leistungen unserer Markenbotschafterin Angelique Kerber lebt das Interesse am Damentennis in Deutschland ja gerade wieder richtig auf. Mit unserer Unterstützung für die deutschen Spitzen- und Nachwuchsspielerinnen zeigen wir, wie sehr uns dieser Sport am Herzen liegt. Nach wie vor passen Porsche und Tennis gut zusammen.

Was wünschen Sie dem Jubilar Porsche Tennis Grand Prix für die Zukunft?

Jubilar klingt arg pathetisch, das passt so gar nicht zu unserem Tennisturnier. Der Porsche Tennis Grand Prix steht genauso wie Porsche für Tradition und Innovation. Ich wünsche dieser tollen Veranstaltung, dass sie so bleibt wie unser Unternehmen selbst: dynamisch, effizient, jugendlich, qualitativ hochwertig, sportlich und wertebewusst.

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche Tennis Magazin 2017.

Text: Reiner Schloz // Fotos: Victor Jon Goico

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