21.04.2016

Träume und Triumphe

Angelique Kerber steht als erste Spielerin im Viertelfinale des 39. Porsche Tennis Grand Prix. Als Siegerin des Turniers im vergangenen Jahr will Deutschlands Beste ihren Titel verteidigen. Die Porsche-Markenbotschafterin im Portrait.

Angelique Kerber versucht, Luft zu holen und kurz zur Ruhe zu kommen zwischen all dem Trubel, der ihr sichtlich guttut. Genau betrachtet kann die Geschichte noch einmal von vorn beginnen. Auch wenn sich die Vorzeichen geändert haben. Vor einem Jahr gewann Angelique Kerber als beste Deutsche und Porsche-Markenbotschafterin den Porsche Tennis Grand Prix. Weil das Stuttgarter Tennisfest nicht nur nach Meinung von Turnierdirektor Markus Günthardt „Grand-Slam-Niveau“ besitzt und in fast 40 Jahren mit Anke Huber und Julia Görges nur zwei weitere Deutsche in der Siegerliste führt, fand der Erfolg einige Beachtung.

Aber jetzt kehrt Angelique Kerber als Grand-Slam-Gewinnerin nach Stuttgart zurück. Der Erfolg bei den Australian Open hat aus einer bekannten Tennisspielerin einen Superstar des Sports gemacht. Und auch wenn der Weg von Stuttgart bis Melbourne weit und steinig war, sagt die Kielerin: „Der Sieg in Stuttgart 2015 war sehr wichtig. Er hat mir neues Selbstvertrauen gegeben. Es lief danach auch ganz gut und ich habe ein paar Turniere gewonnen. Nur wenn es wirklich darauf ankam, konnte ich mein Potenzial nicht abrufen.“ Vor Stuttgart hatte sie bereits in Charleston gewonnen, nach dem Porsche Tennis Grand Prix noch in Stanford und Birmingham.

Konstant unter den Top Ten

Nur Serena Williams gewann 2015 mehr Einzel-Titel. Kerber hatte große Gegnerinnen bezwungen, aber bei den Grand-Slam-Turnieren lief es einfach nicht. Australian Open, Wimbledon, French Open, US Open – das Aus kam immer viel zu früh. Dennoch erreichte sie das Masters-Finale der besten Acht in Singapur – und schied nach der Vorrunde aus. Gemeinsam mit Trainer Torben Beltz zog sie sich zurück, um Bilanz zu ziehen. 25 Turniere bestreitet sie pro Jahr, so viele wie kaum eine andere Spitzenspielerin. Sie hält sich konstant unter den Top Ten. Was also stimmt da nicht? „Ich muss einen Schritt vorankommen“, sagte sie ihrem Trainer.

Wie das geht? Heute sagt Kerber: „Du musst das zuerst einmal bedingungslos wollen. Und dann musst du es realisieren. Und das ist nicht so einfach.“ Trainer und Spielerin entschieden sich, künftig ihre Arbeit mehr an den großen Turnieren auszurichten, sich auf die wichtigen Ereignisse zu fokussieren. Dass das in Australien sofort funktionierte, hat sie selbst überrascht. Der Triumph im Traumfinale gegen Serena Williams, ein Erfolg, der alles ändert. Ein Kindheitstraum, der sich erfüllte: Grand-Slam-Siegerin. Jetzt ist sie Teil der deutschen Tennisgeschichte, wird in einem Atemzug genannt mit Boris Becker und Steffi Graf.

Triumphe, die süchtig machen

Sie wird als die Tennisprinzessin gehandelt, die das traditionell große Interesse in Deutschland wieder wachgeküsst hat. Schon vor dem Finale bekam sie Nachrichten aus der Heimat darüber, wie die Fans vor dem Fernseher sitzen und Daumen drücken. Und als es geschafft war, wurde sie mit Glückwünschen überschüttet. „Dass mir so viele andere Sportler, Schauspieler, Musiker und Frau Merkel gratuliert haben, das hat mich unheimlich gefreut.“ Eine Bestätigung für sie, ihre jahrelange, harte Arbeit und für ihren Sport. Und ein Erlebnis mit Suchtgefahr, weil man von großen Siegen nicht genug bekommen kann. „Es geht weiter“, sagt die 28-Jährige, „ich will, ich will.“

So kommt sie nun zurück nach Stuttgart, wo irgendwie dieses Happy End begonnen hat. Mit dem tollen Erfolg, der ihr so viel Selbstvertrauen gab. Sie kommt als Porsche-Markenbotschafterin, sie kommt als Titelverteidigerin, aber sie kommt vor allem als Grand-Slam-Siegerin. „Beim Porsche Tennis Grand Prix“, weiß sie, „werden mich tolle Dinge erwarten, die ich genießen werde. Ich freue mich, weil mich die Zuschauer bereits im vergangenen Jahr so stark unterstützt haben.“ Die Geschichte beginnt von vorn. Nur anders. Denn aus den Träumen sind inzwischen Triumphe geworden, die süchtig machen.

Grand-Slam-Gewinnerin Angelique Kerber

Fakten

Wie muss man ihre Erfolge einordnen, wer sind ihre engsten Vertrauenspersonen, was bewegt sie abseits des Centre-Courts und was macht sie zu einer echten Porsche-Markenbotschafterin – hier die wichtigsten Fakten zu Angelique Kerber:

Erfolgsaussichten
Der Sieg bei den Australian Open Ende Januar 2016 war zwar der bisher größte Erfolg für Angelique Kerber, die erfolgreichste Saison spielte sie in ihrer 13-jährigen Profikarriere aber im Jahr davor. 2015 gewann die 28-Jährige nicht nur den Porsche Tennis Grand Prix, sondern holte mit weiteren Siegen in Charleston, Birmingham und Stanford allein vier ihrer bis Melbourne insgesamt acht WTA-Titel.

Familiensache
Trotz Internet und Social Media – wenn die Emotionen außer Kontrolle geraten, greift Angelique Kerber gern zu altbewährten Kommunikationstechniken, um zuerst mit den Menschen zu sprechen, die ihr am meisten bedeuten. „Als ich nach dem Sieg in Melbourne endlich allein in der Kabine war, habe ich sofort meine Mutter Beata und meine Schwester Jessica angerufen“, erzählt sie, „und dann gleich meine Großeltern in Polen. Die hatten es die zwei Wochen vor dem Fernseher kaum ausgehalten.“

Tennisgeschichte
Cilly Aussem, Hilde Krahwinkel-Sperling, Steffi Graf und Angelique Kerber – so heißen die vier deutschen Damen, die bisher ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnten. Steffi Graf übrigens 22 Mal – Weltrekord in der sogenannten Profi-Ära (ab 1968). Dass Graf die Bestmarke noch alleine hält, hat sie Angelique Kerber zu verdanken. Sie schlug im Finale in Melbourne Serena Williams (USA), bisher 21 Grand-Slam-Siege.

Steuerfrau
Angelique Kerber liebt Sportwagen. Im Rahmen des Porsche Tennis Grand Prix nutzt sie gern die Mitfahrgelegenheit auf der Teststrecke im Porsche Entwicklungszentrum in Weissach. „Der Sound, die Leistung, der Grip, die Bremsen – faszinierend, was die Autos können“, sagt sie. Sie selbst kann es auch. Bei der Parking Challenge im Rahmen des Stuttgarter Turniers im vergangenen Jahr – einem Lauf- und Fahrgeschicklichkeitswettbewerb inklusive Einparken im Porsche 911 – hatte sie von allen Tennisdamen mit Abstand die beste Zeit.

Info

Text erstmalig erschienen im Porsche Tennis/Magazin 2016.

Text: Reiner Schloz // Fotografie: Victor Jon Goico, Porsche AG

Ähnliche Artikel

Meistgelesen

  1. Le Mans 2018 live!
  2. Aus Mission E wird Taycan
  3. Porsche feiert Doppelsieg beim 24-Stunden-Marathon in Le Mans
  4. Porsche 911 RSR starten in historischen Designs
  5. Kosename Sau

Meistgeteilt

  1. „Ich bin jetzt eine reifere Spielerin“
  2. Karolina Pliskova ist die neue Tennis-Königin von Stuttgart
  3. Coco Vandeweghe und Karolina Pliskova im Finale

Motorsport DNA can be seen. With the Endurance Racing decals of Porsche Tequ...

Social Media