30.04.2015

Durchhaltetaktik

Maria Sharapova wird nicht umsonst als „eiserne Maria“ bezeichnet. Denn wer gewinnt, sammelt Selbstvertrauen. Und wer häufig gewinnt, verpasst sich eine Aura des Champions, die in engen Matches entscheidend sein kann.

Warum nicht gleich mit dem grandiosen Schlussakkord des Porsche Tennis Grand Prix 2014 anfangen? Mit dem dritten Turniererfolg der Frau, die beispielgebend nicht nur für große Siege in langen Zermürbungsduellen steht, sondern auch für eine unvergleichliche mentale Stärke auf den weltweiten Tennisbühnen: Maria Sharapova, die von vielen in der Branche die „eiserne Maria“ genannt wird. Und wer Anschauungsmaterial brauchte, warum man ihr diesen adelnden Beinamen gegeben hat, musste im vergangenen Jahr nur zwei Stunden und zwei Minuten das Finale in der Stuttgarter Porsche-Arena verfolgen.

Sharapova demonstrierte gegen Ana Ivanovic, was sie von so vielen Mitstreiterinnen im Damentennis abhebt und unterscheidet: der unbändige Wille zum Sieg und die Leidenschaft, dafür bis an ihre Grenzen zu gehen. Nach diesem denkwürdigen Finale 2014 sagte Sharapova, sie sei anfangs „am Boden“ gewesen und habe geglaubt, „dass dies nicht mein Tag ist“. Das war allerdings nur eine Floskel aus dem Augenblick heraus. Sie sagte nichts über die wahre, die echte Maria Sharapova aus. Denn für diese zähe, leidenschaftliche, aber eben auch kühle Wettkämpferin gibt es keine Tage, die nicht per se ihre Tage sind.

Die Niemals-aufgeben-Mentalität

Sharapova erlaubt sich keine Gefühligkeit, keinen Aber- und Sonderglauben, sie ist – ganz im Gegenteil – die wohl selbstbestimmteste Athletin in diesem professionellen Geschäft. Eine, die immer Herrin über das eigene Schicksal ist, ob in den wenigen tristen oder den vielen triumphalen Momenten. „Viele würden gern so eine starke Persönlichkeit wie Maria sein“, sagt die ehemalige Weltklassespielerin Lindsay Davenport, „aber bestimmte Fähigkeiten, die sie hat, die kann man nicht erlernen. Viele Fähigkeiten hat man einfach. Das ist ein Gottesgeschenk.“

Sharapova ist vielleicht die ausdrucksstärkste aller Spielerinnen mit dieser Niemals-aufgeben-Mentalität, eine Symbolfigur jener Geisteshaltung, die in keiner noch so schwierigen und herausfordernden Tennis-Lebenslage eine innere Kapitulation erlaubt. Sie ist keineswegs die einzige dieser Kämpfernaturen in der Szene. Man denke an dieser Stelle nur an die unbarmherzige Serena Williams. Oder auch an Angelique Kerber. Die deutsche Spitzenspielerin kämpft auf dem Platz nur zu gern bis zum Umfallen und gilt als Spezialistin für komplizierte Entfesselungsaktionen.

Die Porsche-Markenbotschafterin Angelique Kerber

Dazu gehört auch Caroline Wozniacki. Dass die Dänin nicht nur auf dem Platz zäh ist, bewies sie im Vorjahr: Auf Anhieb kam sie beim New-York-Marathon ins Ziel. Sharapova und Williams, weit vorn in der Weltrangliste, sind keine Maschinistinnen des Tennis, keine roboterhaften Wesen, die auf Knopfdruck stets und überall ihre herausragenden Qualitäten auf den Platz zaubern können. Aber ein Großteil ihrer Magie besteht darin, eine Souveränität und Selbstsicherheit sowie positive Eigen-Mächtigkeit entwickelt zu haben, die sie zu den Allzeitgrößen hat aufsteigen lassen.

Sharapova, die Dreifachsiegerin von Stuttgart, ist beispielsweise eine Meisterin darin, den Rhythmus eines Spiels zu diktieren, einer Partie genau nach ihrem Wunsch den Takt zu geben. Das gilt für die eigenen genauso wie für die Aufschlagspiele ihrer Gegnerin. Denn auch bei gegnerischem Service stellt sich die Russin erst mit gemessener Verzögerung – oder freundlicher ausgedrückt – abgeschlossener Konzentrationspause zum Ballwechsel hin. Dies sorgt allerdings auf der anderen Seite des Netzes schon mal für grimmige Blicke und Zähnefletschen.

Meisterin der Flexibilität

Die Russin ist jedoch keinesfalls so verbissen oder arrogant, um in einem großen, ausdauernden Match nur der eigenen taktischen Marschroute zu trauen und diese Vorgaben blindlings durchzuspielen. Wie alle Großen der Tenniswelt ist Sharapova auch eine Meisterin der Flexibilität, die dann aus dem eigenen Drehbuch aussteigt, wenn es der Spiel-Film erforderlich macht. „Man muss schon konsequent seine Linie verfolgen, man darf aber nicht verbohrt sein“, sagt Sharapova, „es gibt Momente in einem Match, in denen man ein anderes Programm, eine andere Software benötigt.“

Gerade solche Siege hätten stets ihr Selbstvertrauen beflügelt, sagt Altmeisterin Chris Evert: „Siege, in denen ich meine Taktik umschmiss, ganz verändert spielte und meine Gegnerinnen irritierte.“ Da kann Martina Navratilova ihrer ewigen Kontrahentin nur bedingungslos zustimmen: „Es ist selbstverständlich, exzellent vorbereitet zu sein, ein Skript für ein Match zu haben. Aber genau so wichtig ist es, sich auf seine Intuition und gesammelte Erfahrung zu verlassen – und umzuschwenken auf eine andere Taktik.“

Siege fürs Selbstvertrauen

Das gilt umso mehr in diesen modernen Zeiten, in denen die Matches immer länger geworden sind und die Qualität auf der Tour in der Breite immer größer geworden ist. Wurden in den 80er- und 90er-Jahren die Siege der eiligen Steffi Graf bestaunt, blicken dieser Tage viele verwundert selbst auf Erstrunden-Matches vieler Turniere, die jenseits der Zwei-Stunden-Grenze enden. „Dafür müssen die Spielerinnen physisch und psychisch erstklassig ausgebildet sein“, sagt Barbara Rittner, Teamchefin des Porsche Team Deutschland. „Die Ansprüche an jede Einzelne im Circuit sind massiv gewachsen.“

Dabei darf man gern erwähnen, dass es in der Hochgeschwindigkeitsbranche längst nicht mehr als Makel gilt und schamhaft verschwiegen wird, wenn man mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet – und sich über solche Kooperationen noch größere Standfestigkeit verschafft. „Schließlich“, sagt die einstige spanische Weltklassespielerin Arantxa Sanchez-Vicario, „ist nicht jede mit den Genen einer Sharapova oder Williams auf die Welt gekommen.“ Aber auch jene Ausnahmespielerinnen müssen sich die wichtigste Ware in diesem Geschäft Tag für Tag hart erstreiten: Siege fürs Selbstvertrauen. Und das Selbstvertrauen führt dann im Idealfall zu weiteren Siegen.

Die Porsche-Markenbotschafterin Maria Sharapova in Brisbane

Auch Maria Sharapova demonstrierte im vergangenen Jahr diese folgenreiche Wechselbeziehung: Denn nach dem dritten Triumph in der Porsche-Arena in Serie stürmte die Russin anschließend zum Grand-Slam-Titel auf der roten Asche von Roland Garros – unaufhaltsam, unerreicht, meistens völlig ungefährdet. „Nichts kann den Erfolg ersetzen“, sagt Sharapova, „er versetzt dich einfach in einen anderen Gefühlszustand. Im Erfolg wirkst du auch ganz anders auf deine Gegnerinnen.“

Und zwar mit einer Aura des Champions, die manchen Sieg irgendwie zum Selbstläufer macht, etwa auch bei Roger Federer in dessen Glanzzeiten: „Da ist Federer manchmal auf den Platz marschiert und führte symbolisch schon in jedem Satz 5:1“, sagt der frühere schwedische Weltranglisten-Erste Mats Wilander, „und das, obwohl keiner etwas zu verlieren hatte gegen den großen Federer.“ Lange Matches und große Siege – die Mischung für einzigartige Marathonduelle, die besonders in Erinnerung bleiben und die Fans magisch in ihren Bann ziehen. Sie bieten auch den Profis selbst den meisten Gesprächs- und Lehrstoff.

Sharapova: „Niederlagen machen mich nur noch härter."

Es ist keinesfalls eine leere, hohle Phrase, wenn Angelique Kerber sagt, „dass mich Niederlagen in solchen großen Partien auch entscheidend weitergebracht haben“. Damit befindet sich Kerber nämlich in der Reihe von Ausnahmespielern, die aus gelegentlichem Verlust eben auch Gewinn ziehen und nicht vom Frust des Scheiterns überwältigt werden. Siege sind Grundnahrung für das Selbstbewusstsein.

Aber derjenige, der Niederlagen und Krisen entschlossen bewältigt, kann auch sein Ego auftanken und in neuer Stärke auf den Platz zurückkehren. Auch dafür steht Sharapova. „Niederlagen machen mich nur noch härter. Ich bin dann auch noch motivierter, meine Schwächen auszumerzen und mich zu verbessern“, sagt die Russin, „wenn du mit Sieg und Niederlage gut umgehen kannst, bist du schon sehr weit als Profi.“

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