22.04.2015

Mit aller Leidenschaft

Angelique Kerber, Deutschlands Vorzeige-Tennisspielerin und neue nationale Markenbotschafterin von Porsche, macht nicht nur auf dem Centre-Court beim Porsche Tennis Grand Prix eine gute Figur.

Angelique Kerber hat schon viel über sich gehört, aber das noch nicht: Sie hat auffällig gleichmäßige Augenbrauen. „Ist das was Gutes?“, fragt sie. „Aber natürlich“, antwortet die Make-up-Künstlerin und pudert akribisch weiter. Angelique Kerber hält geduldig still. Nicht, dass sie eitler wäre als andere 27-jährige junge Frauen. Aber es braucht mehr als ein bisschen Rouge, wenn ein richtiges Fotoshooting ansteht. Und Fotoshootings fallen für eine Spitzen-Tennisspielerin eben auch in den professionellen Bereich, den Kerber „das Drumherum“ nennt.

Es ist Montag, also Ruhetag im Porsche-Museum. All die historischen Fahrzeuge, Exponate und Prototypen hat sie praktisch für sich allein. Ein guter Moment, um sich Einblicke in die Seele von Porsche, ihres neuen Partners, zu verschaffen. Seit Beginn des Jahres ist Angelique Kerber, seit Langem eine deutsche Vorzeige-Tennisspielerin, nationale Markenbotschafterin des Unternehmens. Wo immer sie sich künftig auch zeigen wird, vertritt sie auch ein bisschen die Marke. Also noch mehr Drumherum.

„Ich bin stolz, Porsche als Partner zu haben“

„Ich bin stolz, so einen Partner zu haben“, sagt sie. Die Vorstellung, künftig bei jedem Turnier mit dem Porsche-Schriftzug auf dem Platz zu stehen, bereitet ihr große Freude. Durch das Porsche Team Deutschland besteht die Verbindung zu Porsche schon seit Jahren. Aber die Sache mit der Markenbotschafterin ist etwas Persönliches, Individuelles und somit für eine Einzelsportlerin und -kämpferin wie Angelique Kerber von größerer Bedeutung.

Und wenn sie an den Porsche Tennis Grand Prix denkt, traditionell die große Bühne im eigenen Land, sagt Kerber: „Ich fühle mich in Stuttgart noch mehr involviert.“ Was das genau bedeutet, lässt sich jetzt schwer sagen. Sicher weiß sie nur, dass sie sich darauf freut, in der Porsche-Arena zu spielen, dass sie sich aber keinen zusätzlichen Druck machen wird, denn: „Ich will das einfach genießen.“

Porsche-Markenbotschafterin Angelique Kerber

Spaß zu haben an ihrem Beruf hat Angelique Kerber gelernt, seit sie 2003 die Profibühne betreten hat. Hochgearbeitet von ganz unten hat sie sich, Rückschläge eingesteckt, aus Niederlagen und Siegen gelernt, 2012 die Schallmauer durchbrochen und sich unter die besten Tennisprofis der Welt gespielt. Hartnäckig, zäh, mit Spielkunst und Durchhaltevermögen verteidigt sie seither diesen Status. Dass oben zu bleiben weitaus schwieriger ist, als nach oben zu kommen, gibt sie freimütig zu. Sich immer wieder neu zu motivieren, sich ins Training voll reinzuhängen, konstant ein hohes Niveau zu spielen, das erfordert richtig harte Arbeit.

Ohne Leidenschaft geht es nicht

„Du musst eine Leidenschaft für deinen Beruf entwickeln“, sagt sie, „ohne diese Leidenschaft geht es nicht.“ Der Lohn der Mühen sind die Vorzüge, die eine Spitzenspielerin genießt. Sie muss bei Turnieren nicht immer gleich gegen die Besten antreten, in aller Regel werden ihre Wünsche nach den Trainingszeiten von den Veranstaltern erfüllt. Und dann ist da der Respekt, der ihr von den Gegnerinnen auf dem Platz entgegengebracht wird. Ein Vorteil. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen“, sagt sie, „dass es schwierig ist, gegen mich zu spielen.“ Deshalb nimmt sie das „Drumherum“ in Kauf.

Spielerinnen wie sie sind auch außerhalb des Platzes auf Turnieren ganz anders gefragt. Sie wird zu Spielstunden mit Kindern eingeladen („Ich mach das wirklich gern“), sie gibt Autogrammstunden und Interviews. Sie macht all die Dinge, die der Erfolg mit sich bringt und die sie zu Beginn „ein bisschen überfordert“ haben. „Du musst erkennen, was dir guttut“, sagt sie, „du musst deinen Ablauf finden.“ Sie hat das geschafft – auf ihre Weise. Nicht umsonst bezeichnet Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner sie als „Sturköpfchen“.

Rückzugsort in Polen

Ja, sie kann speziell sein. Das zeigt schon ihr Werdegang. Dank Mama Beata und Papa Slawek fließt polnisches Blut durch die Adern von Tochter Angelique, die 1988 in Bremen geboren wurde. Als sie in der Tenniswelt den großen Durchbruch geschafft hatte, wählte sie von Kiel aus nicht die standesgemäßen Wohnorte in Kalifornien, Florida oder Monaco. Sie zog sich an einen unaussprechlichen Ort zurück: Puszczykowo, Landkreis Posen, Polen.

Ihre Großeltern betreiben dort eine große Tennisanlage – versehen mit allen Belägen, auf denen sich die Enkelin abseits von allem auf jedes Turnier vorbereiten kann. Sie hat da eine Akademie für ganz junge Talente gegründet. Gut vorstellbar, dass sie nach dem Karriereende dort richtig mitarbeitet. „Aber“, sagt sie auch, „im Grunde bin ich immer offen für Neues.“ Die Make-up-Künstlerin sagt, sie werde in die Haare noch ein paar Locken drehen. Angelique Kerber ist einverstanden und fragt: „Soll ich dann diese hohen Schuhe anziehen?“ Natürlich! So ist das „Drumherum“ eben.

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