Dass in der Stadt der Großbaustellen das Herzstück einer Veranstaltung mit dem Bagger angeliefert wird, macht Sinn. Es geht ja gar nicht anders: 60 Tonnen Ziegelsplitt müssen gleichmäßig verteilt werden, damit die besten Tennisdamen der Welt festen Boden unter den Füßen haben. Schon deshalb herrscht Anfang April in der Porsche-Arena traditionell der Ausnahmezustand.

Der Ziegelsplitt hat zwar das größte Gewicht unter den gewaltigen Bauarbeiten, macht aber nur einen Teil der Maßnahmen aus. XXL-Leinwand, Displays, Kabel, Scheinwerfer und technisches Equipment, dazu Rennwagen, Sportwagen, Möbel, Messestände und Werbebanden, nicht zu vergessen Leuchten, Flügel, eine umfangreiche Gastronomieanlage plus ein komplettes Restaurant, das in die Zuschauerränge gebaut wird – nach und nach füllen sich die Porsche-Arena und die angrenzende Schleyer-Halle mit all dem, was ein standesgemäßes Ambiente für ein Topevent wie den Porsche Tennis Grand Prix auszeichnet.

Die Verwandlung von der Konzerthalle zum Tennistempel

„Die große Kunst der Organisation ist es, alle Bereiche aufeinander abzustimmen“, sagt Vjeko Curic, der im Organisationsteam die Bereiche Sales und Operations und somit einen Großteil des Umbaus verantwortet. Die Zeit drängt. Zwei Wochen sind nicht viel, um zwei große Hallen, in denen sonst Nickelback den Putz von den Wänden rockt oder Helene Fischer junge Männer auf dumme Gedanken bringt, in einen Tennistempel zu verwandeln.

Die Spezialmaschine wird mit Ziegelsplitt versorgt

Rund 50 Unternehmen sind jährlich daran beteiligt. Eines davon ist die CONICA AG aus Schaffhausen. Die Schweizer haben den Sandplatz CONIPUR PRO CLAY entwickelt und ihn seit der Premiere 2009 weiter optimiert. Nur 2,5 Zentimeter dick ist die Basisschicht aus Ziegelsplitt, angereichert mit einem Bindemittel, das ohne zusätzliche Wässerung die Feuchtigkeit erhält. Eine Spezialmaschine verdichtet die Schicht zu einem planen, harten und widerstandsfähigen Untergrund, der mit Ziegelmehl abgestreut wird. Drei Plätze entstehen so binnen jeweils 48 Stunden.

Die Installation erinnert an den Straßenbau, und im Straßenbau endet der Belag auch. Voll recycelbar verschwindet er aus der Halle nach dem Turnier so schnell zur Weiterverwertung, wie er verlegt wurde. Dazwischen aber begeistert er die Damen durch seine herausragenden Spieleigenschaften, die denen des Centre-Courts bei den French Open sehr, sehr nahekommen. Deshalb gilt Stuttgart bei den Profis als optimale Vorbereitung auf den Pariser Grand- Slam-Klassiker und garantiert dem Porsche Tennis Grand Prix seine Alleinstellung: einziges Hallen- Sandplatzturnier der gesamten WTA-Tour.

Es braucht vor allem drei Dinge: Technik, Technik, Technik

Um Besucher und Spielerinnen aber richtig in Stimmung zu bringen, braucht es vor allem drei Dinge: Technik, Technik, Technik. Prunkstück der Tennisshow ist die LED-Leinwand, ein 21 Meter mal 6,6 Meter großes, fünf Tonnen schweres Monster, das am Kopfende der Porsche-Arena angebracht werden muss. Es wird von einem riesigen Mischpult gesteuert, das im Logenbereich für neun Tage seine Heimat findet. Auf Knopfdruck bringt die Leinwand Action in die Halle: Von Sportwagen, die – abgemischt mit dem richtigen Sound – auf kurvenreichen Strecken beschleunigen über Live-Interviews bis hin zur attraktiven Präsentation der Spielerinnen wird immer was geboten.

Testphase für die 21 Meter breite Videowand

Mehr als 100 zusätzliche Scheinwerfer über dem Centre-Court sorgen für eine Lightshow, die jeden Discobesitzer vor Neid erblassen lässt. Über drei Kilometer Kabel garantieren einen reibungslosen Energie- und Datentransfer für die Licht- und Videoanlage. Dazu kommen 100 Displays, überall in den beiden Arenen verstreut, auf denen sich im Vorbeigehen die Matches verfolgen oder aktuelle Spielstände ablesen lassen. Während Experten die insgesamt 20 Tonnen schwere Technik verbinden und anschließen, wird im Foyer gehämmert, geklebt, aufgestellt und aufgebaut. Hier entsteht die VIP-Lounge – ein Restaurant mit einem Buffet, an dem sich die Köche bei der Arbeit zusehen lassen und täglich rund 700 Gäste außergewöhnliche Speisen genießen.

Die Liveatmosphäre im kulinarischen Zentrum ermöglicht ein eigens installiertes Abluftrohr, das zum Hinterausgang Richtung Benzstraße führt. Dort entsteht auch das große Zelt, Arbeitsbereich des 150 Mitarbeiter starken Küchen- und Versorgungspersonals. Ein gigantischer Aufwand, der den exzellenten Ruf der Porsche-Event-Gastronomie Jahr für Jahr untermauert. Sport- & Lifestyle-Village Messestände für die circa 20 Aussteller rund um den frisch gelegten Trainings-Court. Und in die Tribüne wird ein Besucherrestaurant gebaut, das einen Überblick über die Szenerie bietet.

10000 Quadratmeter Teppichboden werden verlegt

Ein Rad muss ins andere greifen, um den Zeitplan halten zu können. Zusätzlich werden 10 000 Quadratmeter Teppichboden verlegt, rund 40 Porsche-Fahrzeuge und Museumsschmuckstücke in Position gebracht und 250 Beschilderungen zur besseren Orientierung für die Besucher aufgestellt. Curic und sein Team haben auf alles ein Auge und notieren bereits mögliche Verbesserungen für das kommende Jahr. Vjeko Curic: „Porsche will die besondere Qualität der Marke auch beim Turnier in den Fokus rücken.“ Und das Beste kommt zum Schluss. Die Tennisstars reisen am 19. und 20. April mit dem Flugzeug an und legen die letzten Kilometer im Porsche mit Chauffeur zurück. Die Bagger sind dann weg.

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